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14-05-2005 Moskau Aktuelles
Ausstellung "Das Geheimnis des Alten Glaubens" im Geschichtsmuseum in Moskau eröffnet
Im Staatlichen Geschichtsmuseum in Moskau wurde die Ausstellung "Das Geheimnis des Alten Glaubens" eröffnet. Die Ausstellung fällt zeitlich mit dem 100. Jahrestag des Erlasses von Zar Nikolaus II. "Über die Festigung der Grundlagen der Glaubenstoleranz" zusammen und ist der Geschichte des russischen Alten Glaubens gewidmet, schreibt die Tageszeitung "Kommersant".

Die Altgläubigen-Gemeinden wurden vor 100 Jahren als gleichberechtigte und staatlich anerkannte Konfession legalisiert.

Die 150 Ausstellungsstücke sind in zwei kleineren Räumen untergebracht. Dazu gehören Rosenkränze, Gebetsmatten zum darauf Knien, Geschenke an bekannte altgläubige Unternehmer von ihren Betriebsangehörigen, Ikonen, darunter zwei aus dem 15. Jahrhundert, Manuskripte, bischöfliche Ornate, ein Schima sowie der Archivplan für den Rogoschskoje-Friedhof (die Rogoschskaja-Gemeinde ist das Hauptzentrum der priesterlichen Altgläubigen in Moskau). Zu besichtigten sind auch echte Stempel, mit denen in den 1840er Jahren die Altäre der altgläubigen Gotteshäuser der Rogoschskaja-Gemeinde versiegelt wurden, sowie geheime Polizeimeldungen über bekannte Altgläubige.

Die Christianisierung Russlands erfolgte 988 unter dem Großfürsten Wladimir. Seitdem dehnte sich die russische Kirche mehr als 600 Jahre lang immer weiter aus und gedieh in Frieden und Einvernehmen.

Unter dem Patriarchen Nikon in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts hat die russische Kirche ihre höchste Blüte erlebt. Gerade damals kam es zu einer Spaltung innerhalb der Kirche. Anstatt des Kreuzeszeichens mit zwei Fingern, das Russland von der griechisch-orthodoxen Kirche übernommen hatte, wurde von Nikon das Kreuzeszeichen mit drei Fingern eingeführt, außerdem wurden einige Kirchenriten geändert. Die Reformtätigkeit von Nikon stieß auf den starken Widerstand namhafter Geistlicher, darunter auch des Bischofs Pawel von Kolomna und des Erzpriesters Awwakum. Die Altgläubigen waren harten Verfolgungen und Unterdrückung ausgesetzt.

Zur Leitzentrale der russisch-orthodoxen altgläubigen Kirche ist der Rogoschskoje-Friedhof geworden, der unter Katharina II. gegründet wurde. 1771 wütete die Pest in Moskau, und den Moskauer Altgläubigen wurde ein Grundstück hinter dem Rogoschskaja-Stadttor zugewiesen, damit sie ihre Seuchentoten dort beisetzen konnten. An diesem Ort entstand eine geistliche Stätte mit Zellen, Armenheimen und Gotteshäusern.

1856 wurden den Altgläubigen alle ihre Gotteshäuser am Rogoschskoje-Friedhof genommen, ihre Altäre wurden versiegelt. Erst 1905 wurden die altgläubigen Altäre auf Erlass von Nikolaus II. wieder freigegeben. (RIA)