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26-05-2005 Moskau Aktuelles
Finster war´s…
Plötzlich saßen sie im dunkeln: die unten in den Metro-Zügen und die ganz oben im Gebäude des Föderationsrates, dem Oberhaus der gesetzgebenden Versammlung Russlands.

Die einen wie die anderen waren vom Stromausfall am Mittwochvormittag in den südlichen und zentralen Stadtteilen Moskaus und der Umgebung der Hauptstadt überrascht worden.

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Schwerpunkt - RAO „EES“
EES besitzt das Strominfrastrukturnetz Rußlands mit ca. 1,7 Millionen Stromleitungen, betreibt 30 Kraftwerke, hält Beteiligungen an zahlreichen regionalen Stromkonzernen und produziert 70 Prozent des russischen Stromes. Nach Plänen von Tschubais soll EES bis 2006 aufgeteilt und privatisiert werden.


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Moskauer Metro
Am Morgen des 15. Mai 1935 um 7.00 fuhr der erste Passagierzug von Sokolniki bis zur Station Ochotni Rjad und weiter zur Station Park Kultura und Smolenskaja. Wie die alten Zeitungen schwärmerisch berichten: „13 wunderbare und architektonisch reiche Stationspaläste. Überflutet von den reichen Kronleuchtern. Die Arbeiter haben die Türen zu den Eingängen für Moskau und das ganze Land eröffnet“.


Strom-Megaausfall wie in den USA in Russland nicht möglich (15.08.2003)
Sicher, zunächst dachten viele an einen Anschlag, aber recht behalten wird wohl ein russischer Journalist, der trocken bemerkte: „Dazu brauchen wir keine Terroristen, das können wir selber.“

Ausgelöst wurde der Stromausfall durch einen Brand mit anschließender Explosion in einem Umspannwerk im Moskauer Außenring, wodurch sich die Station automatisch selbst abschaltete. Durch die Vernetzung der Moskauer Umspannwerke kam es zu einem Dominoeffekt, in dessen Folge 50 weitere Verteilerstationen ausfielen. Dadurch fehlten Moskau 1200 Megawatt ihres täglichen Stromverbrauchs.

Höchst ärgerlich, auch wenn sich die russische Metropole mit dem „Blackout“ in bester Gesellschaft befindet: Im August 2003 saßen die Bewohner New Yorks und weiter Teile der amerikanischen Ostküste bis zu einer Woche im Dunkeln, auch Paris und London meldeten in den vergangenen Jahren jeweils bedeutende Stromausfälle. Die Gründe sind überall die gleichen – verschlissene Technik und schlechtes Mangement. Auch in Russland.

Politiker wie Volk zeigen nun mit Fingern auf die RAO EES, den mit rund 70 Prozent Marktanteil Fast-Monopolisten unter den russischen Stromerzeugern, und vor allem auf dessen Vorstandschef Anatolij Tschubais. Dieser hatte sich durch rabiate Preiserhöhungen von über 50 Prozent für Elektroenergie in den vergangenen zwei Jahren bei privaten wie gewerblichen Verbrauchern nicht gerade neue Freunde geschaffen. Deshalb ging ein Aufschrei durch´s Land, als Tschubais kurz nach Bekanntwerden der Havarie maulte, wenn er mehr Geld zur Verfügung gehabt hätte, wäre das nicht passiert.

Das konnte auch Präsident Putin nicht unwidersprochen hinnehmen, denn schließlich hält der russische Staat mit 52,68 Prozent der Aktien die absolute Mehrheit an EES. Natürlich sei die Technik aus den sechziger Jahren anfälliger geworden, meinte er, aber gerade deshalb müsse sie bis zum Ersatz besonders gepflegt werden. Das Management der Gesellschaft solle sich gefälligst weniger hochtrabende Pläne für die Zukunft ausdenken und sich vielmehr um die tägliche Arbeit vor Ort kümmern. In der Tat lesen sich die Protokolle der Vorstandssitzungen eher wir Börsenberichte, die aktuelle Situation in Gewinnung und Transport von Elektroenergie spielen eine untergeordnete Rolle.

Nach der Schelte seines obersten Dienstherrn, der den millionenschweren Gewinnler aus den nachsowjetischen Wild-Ost-Jahren ohnehin nicht zu seinen Favoriten zählt, ruderte Tschubais zurück und erklärte das von ihm geleitete Unternehmen, wie auch sich selbst, als letztendlich verantwortlich für die Mega-Panne. Schon fordern Politiker öffentlich seinen Kopf und vielleicht trägt ihn der Rotschopf tatsächlich zum Schafott. Aber damit würde er seine Abdankung nur um ein Jahr vorziehen, denn Tschubais hatte seinen Rückzug von der Konzernspitze ohnehin für das Jahr 2006 angekündigt.

Inzwischen haben die Reparaturbrigaden in Moskau und Umgebung fast überall schon wieder für eine normale Stromlieferung gesorgt und in zwei Tagen wird niemand mehr über die Havarie sprechen. Höchstens in neun Monaten.. [  Hartmut Hübner - Chefredakteur Wirtschaft / russland.RU – die Internet - Zeitung ]