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25-12-2005 Moskau Aktuelles
Denkmal des herrenlosen Hundes
Die Moskauer haben 15 000 Dollar für ein Hunde-Denkmal gespendet.
In der Moskauer Metro wird es bald ein Denkmal eines Hundes geben.
Die Präsentation der fertigen Skulptur fand vor kurzem in der Werkstatt des Bildhauers Alexander Zigal statt.


Vorläufig ist der Hund aus Lehm gefertigt, aber bis Neujahr soll er in Bronze gegossen und Anfang des nächsten Jahres in der Halle der Metrostation "Mendelejewskaja" aufgestellt werden.

Diese Geschichte ereignete sich vor zwei Jahren.

Ein nicht eben rassereiner Hund, der auf den Namen Maltschik hörte, hatte es sich angewöhnt, sich in einem Übergang der Station aufzuhalten, wo er von den Mitarbeitern wegen seiner Gutartigkeit geliebt und auch gefüttert wurde. Die heutige schwierige Wirtschaftssituation hat bewirkt, dass in den hauptstädtischen Straßen zahlreiche von ihren Herrchen und Frauchen verlassene Hunde herumlaufen. Im Moskauer Haushalt-2006 sind für die "Regelung des Unterhaltes von Tieren", lies: Kastration, 74 Millionen Rubel vorgesehen (1 Euro gleich 34,4 Rubel).

Einen Hund zu halten ist heute beinahe ein Luxus.

Der nicht rassereine Maltschik hatte also Pech gehabt.

An jenem Tag fiel er einer gewissen Juliana R., Fotomodell ihres Zeichens, auf.

Die junge Dame führte ihren rassigen Staffordshire-Terrier spazieren. Beim Anblick von Malschtik hetzte sie ihren Terrier auf den Gegner. Im Grunde war das ein sozialer Konflikt in seiner parodierten Abart.

Zu aller Verwunderung konnte sich Maltschik behaupten, und der Elite-Terrier musste nachgeben.

Sein erzürntes Frauchen holte darauf aus ihrer eleganten rucksackartigen Tasche ein Messer hervor und schlug vor den Augen der erstarrten Menschen auf den Köter ein. Erst dann stürzten sie sich auf die sich wie verrückt aufführende Dame und entrissen ihr das Messer. Doch der Hund konnte nicht mehr gerettet werden.

Dieser beispiellos grausame Vorfall erschütterte Moskau.

Man braucht nur die Maltschik gewidmete Web-Seite zu besuchen und die Kommentare von Moskauern zu lesen.

Es wurde versucht, den Konflikt zu vertuschen. Das Fotomodell hatte es eilig, musste nach Italien, aber die Sache kam vor Gericht. Das forensische Gutachten lautete: Die R. sei "unzurechnungsfähig".

Zurzeit befindet sie sich in einer Nervenklinik.

Grausamkeiten gegenüber Tieren stoßen auf Protest der Stadtbewohner. Eine Gruppe von bekannten Persönlichkeiten schrieb an den Leiter der Moskauer Metro Dmitri Gajew und schlug vor, ein Denkmal des ermordeten Maltschik aufzustellen. Gajew war einverstanden.

Die Bronze und das Postament kosten Geld. Alle, die unter das Schreiben ihre Unterschriften setzten, und auch noch andere Menschen haben bis heute 15 000 Dollar gespendet, und bald wird der Bronzehund wieder in seinem geliebten Übergang der Metrostation Unterkunft finden. Nunmehr als Denkmal eines zugrunde gerichteten herrenlosen Hundes.

Wie Kynologen behaupten, zählt Moskau heute bis zu 100 000 herrenlose Hunde.

In dieser Masse von Tieren, die gezwungen sind, einen schonungslosen Kampf ums Dasein zu führen, sind ungewöhnlich intelligente Hunde aufgekommen.

Dieser Erscheinung galt eine spezielle Pressekonferenz, auf welcher der Moskauer Zoopsychologe Andrej Neuronow sprach. Er sagte: "Unter den streunenden Hunden ist eine neue Art - Alleingänger, die selbstständig ihre Wege wählen - aufgekommen. Das ist eine völlig andere Population. Solche Hunde überholen die anderen beim weitem an Intelligenz."

Die Hunde-Elite habe es gelernt, sagte der Zoopsychologe, die Moskauer Metro zu benutzen. Die Tiere stehlen sich unbemerkt an den Kontrolleuren vorbei, steigen furchtlos mit der Rolltreppe hinunter, wählen die nötige Richtung, betreten einen Wagen und steigen, was am erstaunlichsten ist, an einer bestimmten Station aus.

Am häufigsten fahren die Hunde zu den großen Stadtmärkten: den Metrostationen "WDNCh", "Tscherkisowskaja" oder "Sportiwnaja", wo sie immer etwas zu fressen finden. Auch Bahnhöfe sind ein Lieblingsziel der Hunde. Neben der U-Bahn benutzen sie auch Straßenbahnen und Trolleybusse.

Die "intellektuellen" Hunde kennen Moskau in- und auswendig.

Das russische Volk hat einen bösartigen Scherz: Schlägt man einen Hasen lange genug, so lernt er, Streichhölzer anzuzünden.

Leider hat Moskau Hunde gelehrt, Streichhölzer anzuzünden. (Anatoli Koroljow, RIA Nowosti.)