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23-02-2006 Moskau Aktuelles
Mindestens 44 Tote bei Halleneinsturz in Moskau
Beim Einsturz einer Markthalle in Moskau sind nach neuesten Angaben mindestens 44 Menschen getötet worden. 29 weitere seien verletzt worden, 19 von ihnen so schwer, dass sie ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten, teilte das Katastrophenschutzministerium in der russischen Hauptstadt am Donnerstagnachmittag mit. Danach brach Stunden nach dem Einsturz der Halle ein Feuer zwischen den Trümmern aus, das inzwischen aber fast gelöscht sei.



Nach wie vor war unklar, wieviele Opfer noch unter den Trümmern begraben lagen. Die russische Nachrichtenagentur Interfax zitierte am Morgen ein Mitglied der Rettungsmannschaft mit den Worten, dutzende Menschen könnten noch unter den Trümmern liegen. Es gebe aber Überlebende, sagte ein Ministeriumssprecher: Die Rettungskräfte würden alle 15 Minuten eine Schweigeminute einlegen und hätten Lebenszeichen vernommen. Die Retter seien noch nicht in den Keller vorgedrungen, wo sich die Kühlräume befinden; Augenzeugen zufolge hielten sich beim Einsturz der Halle dort auch Menschen auf.

Weitere Überlebende seien noch verschüttet. Der Architekt der Markthalle, Nodar Kantscheli, hatte auch das Moskauer Erlebnisbad "Transwal" geplant, bei dem vor zwei Jahren das Dach einstürzte. Damals starben 28 Menschen. Kantscheli sagte der Nachrichtenagentur RIA Nowosti, die Markthalle sei nicht angemessen genutzt worden.

Das Dach der etwa zweitausend Quadratmeter großen Halle stürzte gegen 05.20 Uhr (03.20 Uhr MEZ) ein. Mehrere Ladenbesitzer schätzten, dass sich zum Zeitpunkt des Unglücks etwa vierzig Menschen in der Baumanski-Markthalle aufhielten. Es handelte sich demnach vor allem um Händler und Angestellte, die die Öffnung der Läden vorbereiteten; Kunden waren um diese Zeit noch nicht im Markt. Allerdings ist in der Halle rund um die Uhr Betrieb, nachts findet dort ein Großmarkt statt.

Augenzeugen berichteten russischen Radio- und Fernsehsendern, dass mehrere Verschüttete mit dem Mobiltelefon einen Notruf abgesetzt oder ihre Angehörigen verständigt hätten. Ein Augenzeuge namens Oktaj Salmanow sagte, er habe in der Nähe des Haupteingangs gestanden und sei deshalb mit dem Leben davongekommen: "Aber meine drei Schwestern sind tot, genau wie der Mann, mit dem ich gearbeitet habe."

Der Moskauer Bürgermeister, Juri Lujkow, schloss einen Terroranschlag aus. Staatsanwalt Anatoli Suew begab sich an den Unglücksort und sagte der Nachrichtenagentur Interfax zufolge, er werde in drei Richtungen ermitteln: Zum einen sei das Gebäude möglicherweise nicht sachgemäß genutzt worden, zum anderen habe vielleicht der Schnee zum Einsturz geführt, der sich auf dem Dach angesammelt hatte. Eine dritte mögliche Unglücksursache seien Baufehler.

Architekt Kantscheli sagte der Nachrichtenagentur RIA Nowosti, dass auf einer Art Galerie, die mit dem Dach verbunden war, mehrere Läden eingerichtet worden seien. "Dafür war die Dachkonstruktion nicht vorgesehen." Außerdem könne auch der viele Schnee eine Rolle gespielt haben. Die Markthalle war 1975 eröffnet worden. Kantscheli hat auch das Erlebnisbad "Transwaal" geplant, bei dem vor zwei Jahren die Kuppel eingestürzt war. Der Architekt muss sich deshalb seit knapp einem Jahr wegen Fahrlässigkeit vor Gericht verantworten; eine Anklage gegen ihn wurde aber bislang nicht erhoben.

Polens Präsident Lech Kaczynski kondolierte nach dem Unglück seinem russischen Kollegen Wladimir Putin. Erst Ende Januar waren beim Einsturz einer Messehalle im polnischen Kattowitz 65 Menschen ums Leben gekommen. Die Behörden werfen den Betreibern unter anderem vor, das Dach nicht ausreichend vom Schnee geräumt zu haben. Im bayerischen Bad Reichenhall starben 15 Menschen, als Anfang Januar das Dach einer Eislaufhalle einstürzte.