russland.RU berichtet in Wort und Bild aus Russland und über Russland. Ungebunden, unabhängig und überparteilich. Ohne Vorurteile und Stereotypen versucht russland.RU Hintergründe und Informationen zu liefern um Russland, die Russen und das Leben in Russland verständlicher zu machen. Da wo die großen Verlage und Medienanstalten aufhören fängt russland.RU an.



15-02-2004 Moskau Aktuelles
Zahl der Toten auf 28 gestiegen - Ermittlungen gegen türkische Baufirma
Für hunderte Moskauer wurde ein Ausflug in tropisch anmutende Gewässer am Samstagabend jäh zum Alptraum: Mindestens 28 der ahnungslosen Badegäste kamen ums Leben, als die Glaskuppel eines luxuriösen Aquaparks mit gewaltigem Getöse über ihnen einstürzte.

Rund 110 weitere wurden verletzt, wie ein Polizeisprecher der Nachrichtenagentur AFP am Sonntag sagte. Nach Krankenhausangaben wurden auch 25 Kinder verletzt.
Mit Kränen und schwerem Gerät suchten rund tausend Helfer bei eisiger Kälte fieberhaft nach weiteren Überlebenden. Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung gegen das türkische Bauunternehmen ein, das die Vergnügungsanlage im Südwesten der russischen Hauptstadt errichtete. Ein Terroranschlag wurde ausgeschlossen.

Der Unglücksort war gespenstisch: Vom Schwimmbad der Vergnügungsanlage "Transwaal Park" war nur noch ein riesiger Trümmerberg aus Beton, Holz, Metall und Glas übrig. Bei Temperaturen von bis zu minus 20 Grad Celsius suchten Rettungskräfte mit Hilfe von Spürhunden und Kränen die ganze Nacht durch nach Überlebenden.
Die Bergungsleiter betonten jedoch, dass die Temperatur unter den Trümmern mit Spezialgerät über dem Gefrierpunkt gehalten werde. Die Arbeiten wurden alle halbe Stunde für eine Minute unterbrochen, um mögliche Hilferufe von Verschütteteten hören zu können, wie ein Helfer der Nachrichtenagentur ITAR-TASS sagte. Lastwagen transportierten Schutt ab. Auf dem abgeriegelten Gebiet standen dutzende Sanitätsfahrzeuge, Feuerwehrwagen und Polizeiautos.

Katastrophenschutzminister Sergej Schojgu sagte am Sonntag, bisher seien 49 Menschen aus den Trümmern gerettet worden. Rettungshelfer hätten 23 Leichen geborgen, ein Verletzter sei im Krankenhaus gestorben. Die Zahl der Vermissten sei anhand der Kleiderspinde ermittelt worden, deren Inhalt nicht abgeholt worden sei. Die Gesundheitsbehörden sagten AFP, derzeit würden noch rund 80 Menschen im Krankenhaus behandelt. Fünf von ihnen schwebten in Lebensgefahr.

Das 20 Meter hohe und 50 Meter breite Glas- und Betondach über dem modernen Erlebnisbad war am Samstagabend eingestürzt. "Erst gab es einen lauten Krach, dann ein gewaltiges Klirren, dann Stille", sagte ein Mitarbeiter von "Transwaal Park" dem Fernsehsender Perwy Kanal. Überlebende rannten nach dem Unglück nackt oder im Badeanzug in Panik durch den Schnee. "Ich bin nackt rausgekommen. Ein paar Leute haben mir etwas übergeworfen", sagte ein junger Mann im Fernsehsender TWT. "Mein Freund findet seine Frau und seinen Sohn nicht mehr."
Werbung

Nach Angaben des Moskauer Bürgermeisters Juri Luschkow waren zum Zeitpunkt des Unglücks etwa 1300 Menschen in der Anlage. Mehr als 420 Schwimmer hätten sich in dem Teil des Komplexes aufgehalten, über dem das Dach einstürzte.
Er dementierte Agenturberichte, wonach das Dach unter Schneemassen eingestürzt sei: Auf dem Dach habe überhaupt kein Schnee gelegen, betonte er. Die Behörden gingen von Konstruktionsmängeln als Unglücksursache aus. Möglicherweise habe der Bau dem Unterschied zwischen "tropischen" Temperaturen im Inneren und eisigen Minusgraden draußen nicht standgehalten. Schojgu erhob schwere Vorwürfe gegen fahrlässige Bauunternehmer, die besser kontrolliert werden müssten.

Nachdem russische Nachrichtenagenturen zunächst eine Explosion gemeldet hatten, wurde dies von den Behörden rasch ausgeschlossen. "Es ist bereits bewiesen, dass es kein Terrorakt war", sagte Luschkow. Moskau befindet sich noch im Schock, nachdem erst am 6. Februar bei einem Bombenanschlag in der U-Bahn 41 Menschen getötet und mehr als 130 verletzt worden waren. (AFP)