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07-04-2006 Moskau Aktuelles
Historiker in Russland empfiehlt Umbettung Lenins
Das Institut für russische Geschichte der Russischen Wissenschaftsakademie hat die historischen Aktivitäten Wladimir Lenins überaus negativ bewertet und empfohlen, den Führer des Weltproletariats umzubetten und das Lenin-Mausoleum auf dem Roten Platz zu beseitigen, berichtet "Kommersant" am Freitag.

Das Dokument war auf Anfrage einer wenig bekannten Gesellschaftsorganisation verfasst worden. Vertreter der hinter dem Präsidenten stehenden Partei "Einheitliches Russland" und Politologen versichern, dass die Empfehlungen der Wissenschaftler innerhalb der nächsten zwei Jahre erfüllt werden.

Vertreter verschiedener politischer Kräfte haben in den letzten Jahren mehrmals von der Notwendigkeit einer Umbettung Lenins gesprochen. Wohl erstmals aber wird dafür eine historische Begründung vorgelegt. In dem Dokument, das vom amtierenden Direktor des Instituts, Dr. hist. sc. Wladimir Lawrow, unterzeichnet wurde, heißt es: "Lenin sowie Stalin, der seine Sache weitergeführt hat, tragen Verantwortung für die Entfesselung von Repressalien gegen Millionen von unschuldigen Menschen, für die soziale Genozidpolitik, für die Bildung von GULAGs und Konzentrationslagern, für die Anwendung von Folterungen usw. Lenin und Stalin haben Verbrechen gegen die Menschheit begangen, die nicht verjähren können."

Akademiemitglied Valeri Koslow, Vizepräsident der Russischen Wissenschaftsakademie, war von den Handlungen von Angestellten des Akademieinstituts überrascht. Er nahm an, dass dahinter eine "unmittelbare politische Intrige" steckt. "Die Akademieinstitute befassen sich mit Wissenschaft", sagte er. "Wenn in einer offiziellen Antwort an eine Gesellschaftsorganisation auch eine politische Bewertung enthalten ist, so handelt es sich dabei um ein eindeutiges Auftragswerk."

"Ich verfüge über Informationen, wonach Wladimir Putin seit langem von der Idee besessen ist, Lenins Leiche aus dem Mausoleum zu entfernen", äußerte der Politologe Stanislaw Belkowski. "Höchstwahrscheinlich wird die Entfernung der Leiche der Schlussakkord von Putins Aufenthalt im Kreml sein: Dann wird er nichts mehr zu verlieren haben."

Dieses Szenario bestätigte auch Andrej Issajew, Mitglied des Präsidiums des Generalrates der Partei "Einheitliches Russland". "Man muss den Beschluss im Voraus ankündigen, damit diejenigen, die sich von Lenin noch nicht Abschied genommen haben, dies im Laufe von zwei Jahren tun könnten." [ RIA Novosti ]