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01-08-2006 Moskau Aktuelles
Kein Platz für Bluesrock auf dem Roten Platz?
Die Show des englischen Rockstars Eric Clapton auf dem Roten Platz, für den 3. August schon fest eingeplant, fällt ins Wasser. Die Absage wird zumindest auf der Internetseite des Musikers publik gemacht.

Das Konzert sei von den russischen Behörden verboten worden. Nicht erläutert wird indessen, ob von den städtischen Behörden oder der russischen Zentralmacht. "Clapton wollte seine Fans nicht enttäuschen, doch die Umstände der Absage des Konzerts entziehen sich voll und ganz seinem Einfluss", heißt es in der Presserklärung auf der Internetseite.

Vermutlich kam es zu der Absage, weil die Moskauer Stadtgewaltigen es nicht wollten, dass die Show auf dem Roten Platz stattfindet. Wie schon kürzlich Roger Waters, wollte man ihn wohl auf den nebenan gelegenen Wassilewskij-Hang abschieben, der nun einmal viel weniger schick ist. Das passte dem Sänger vermutlich nicht in den Kram. Mehr noch, unter der Hand wird er verdächtigt, für den 3. August anders geplant zu haben. Der berühmte Gitarrist mag die Gunst der Stunde und den gefundenen Vorwand genutzt haben, um nicht nach Russland zu kommen.

Claptons Konzert war als spektakulärer Auftakt für den Radsportmarathon von Moskau nach Taganrog am Asowschen Meer, eine Veranstaltung für Behindertensportler, geplant.

Eric Clapton hat schon im April 2001 in Moskau gastiert. Damals gingen seine Konzerte im Kreml-Palast über die Bühne.

Die nun abgesagte Show sollte eigentlich den Schlusspunkt unter seine Europatour setzen. Nun wird die Tournee des 61-jährigen Musikers in der finnischen Hauptstadt Helsinki ihren Abschluss finden.

Vor Clapton ist die Ehre eines Konzerts auf dem Roten Platz nur ganz wenigen Auserwählten beschieden gewesen, so den Pet Shop Boys und der russischen Gruppe Zeitmaschine, Ex-Beatle Paul McCartney, Placido Domingo und Luciano Pavarotti.

Russische Politiker und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens hatten jedoch nicht selten lautstark dagegen protestiert, dass "auf dem Friedhof" ohrenbetäubende Vergnügungsveranstaltungen durchgeführt werden. Schließlich sind die Überreste Lenins im Mausoleum auf dem Roten Platz aufgebahrt. Die Kremlmauer ist faktisch das Pantheon der Größen aus Sowjetzeiten. Doch auch Historiker schlugen wegen der Gefahr für den Erhalt der einmaligen Kunstschätze auf dem geschichtsträchtigen Platz Alarm.

Es sei jedoch nicht verschwiegen, dass von Zeit zu Zeit auch wegen der Konzerte auf dem Wassilewskij-Hang Entrüstung laut geworden ist. Schließlich befindet auch er sich in Reichweite eines herausragenden Baukunstwerks aus dem 16. Jahrhundert, und zwar der Basilius Kathedrale. Restauratoren behaupten, dass sich die übermäßigen Dezibel der Rockkonzerte verheerend auf den Zustand des Kunstwerks auswirken.

Der Gebäudekomplex des Moskauer Kremls und der Rote Platz stehen schließlich auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes. [ RIA Novosti ]