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10-12-2006 Moskau Aktuelles
Russland: 45 Tote in Moskau und 8 Tote in Sibirien bei Krankenhaus-Bränden
Beim verheerendsten Brand in Moskau seit drei Jahrzehnten sind in einer Entziehungsklinik für Suchtkranke in der Nacht zum Samstag 45 Frauen ums Leben gekommen. Unter den Toten waren nach Angaben der Staatsanwaltschaft 43 Patientinnen und zwei Pflegerinnen. Darüber hinaus gab es zwölf Verletzte. Das Notfallministerium in Moskau ging nach ersten Ermittlungen davon aus, dass es sich um Brandstiftung handelte.



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In dem Gebäude wurden nach Ansicht des Moskauer Feuerwehrchefs Viktor Klimkin die Feuerschutzbestimmungen missachtet. Die Staatsanwaltschaft leitete eine Untersuchung ein.

Der Brand brach am Samstag um 01.40 Uhr Ortszeit (Freitag 23.40 Uhr MEZ) in der zweiten Etage des fünfgeschossigen Gebäudes im Südwesten der russischen Hauptstadt aus. Russischen Nachrichtenagenturen zufolge wurde er eine Stunde später von den Einsatzkräften gelöscht. Zum Zeitpunkt des Dramas befanden sich 177 Patienten und 15 Betreuer in dem Gebäude.

"Der Brand entstand in der Cafeteria", sagte Klimkin laut der Nachrichtenagentur Itar-Tass. Die Wände der 1982 eröffneten Klinik waren mit Plastik verkleidet. Deshalb habe sich nach ersten Erkenntnissen ein besonders giftiger Qualm entwickelt, erklärte Klimkin. Einige der Toten hätten durch die Vergiftung wahrscheinlich schnell das Bewusstsein verloren. Viele der Opfer konnten wegen Metallgittern vor ihren Fenstern nicht fliehen. Im ersten Stockwerk gelang es mehreren Überlebenden laut Augenzeugen, Fensterscheiben zu zerschlagen und ins Freie zu springen.

Die Feuerwehr sei vier Minuten nach dem ersten Notruf vor Ort gewesen, sagte der Vize-Minister für Notfallsituationen, Alexander Schuprian. Zu dem Zeitpunkt seien die Opfer bereits tot gewesen. Er kritisierte dass das Personal den Brand nur beobachtet habe. Wenn es "angemessen reagiert hätte", hätte die Zahl der Toten weit niedriger liegen können.

Brandschutzinspektoren hätten schon im März vor Gericht gefordert, dass das Gebäude geschlossen werden müsse, beklagte Feuerwehrchef Klimkin. Laut Itar-Tass sprachen die Richter aber lediglich eine Verwarnung aus. Ein Feuerwehrmann berichtete, dass der Haupteingang in Rauch gehüllt war, während einer der Notausgänge zugenagelt gewesen sei.

Ermittlungen zu Missachtung der Feuerschutzbestimmungen

Die Moskauer Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen wegen "mutwilliger Zerstörung" und "Missachtung der Feuerschutzbestimmungen" ein. Der Moskauer Bürgermeister Juri Luschkow sprach bei der Besichtigung des Ortes von einer "Tragödie". "Es handelte sich höchstwahrscheinlich um Brandstiftung", sagte er der Nachrichtenagentur Interfax.

"Der Brand entstand in einem abgeschlossenen Bereich", sagte Juri Nenaschew von der Brandschutzabteilung des Notfallministeriums. Dort habe es keine Kochstellen oder Kabel gegeben, sondern lediglich ein Holzregal. Dieses habe als erstes gebrannt - "und das weist auf Brandstiftung hin", sagte Nenaschew.

Die Drogenklinik ist die größte in Russland. Zuletzt hatte es in Moskau vor fast 30 Jahren eine ähnliche Brandkatastrophe gegeben. 1977 wurden beim Brand des Rossija-Hotels im Moskauer Zentrum 42 Menschen getötet und mehr als 50 verletzt.

Acht Tote und sechs Verletzte bei Krankenhausbrand in Sibirien

Bei einem Krankenhausbrand in Sibirien sind acht Menschen ums Leben gekommen und sechs weitere verletzt worden. Das teilte das Katastrophenschutzministerium in Moskau in der Nacht zum Sonntag mit. Der Brand brach demnach in der Psychiatrischen Klinik in Taiga in der südsibirischen Region Kemerowo aus.