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12-01-2007 Moskau Aktuelles
Milliardär Prochorow sagt im Lyoner Justizpalast aus – Empörung in Moskau
Der in Frankreich festgenommene Mitinhaber des Konzerns Norilsk Nickel, Michail Prochorow, ist in den Justizpalast von Lyon überführt worden, hat RIA Novosti von einer informierten Quelle vor Ort erfahren. Prochorow, dessen Rechtsanwälte schon zuvor eingetroffen waren, ist mit einem Polizeiwagen aus der nahe gelegenen Polizeiverwaltung der Stadt befördert worden.

Der Polizeiwagen, der sich nur durch das Zulassungsschild und das Blaulicht von einem gewöhnlichen PKW unterschied, ist durch einen Seiteneingang in den Justizpalast gefahren und entzog sich im Innenhof den Blicken der vor dem Gebäude wartenden Journalisten. Danach fuhren noch drei weitere Fahrzeuge in den Innenhof, die vermutlich übrige Festgenommenen der Justiz zugeführt haben. Die genaue Zahl der betroffenen Personen ist nicht bekannt.

Aus der russischen Botschaft war zu erfahren, dass sich unter den Festgenommenen neben Prochorow noch zwei Männer und zwei Frauen aus Russland befinden. Die übrigen Verdächtigen, vermutlich sieben bis elf Personen, würden aus anderen Ländern stammen. Die französische Presse hatte von Deutschen und Österreichern berichtet.

Wie die Quellen vermuten, wird Prochorow im Beisein seiner Rechtsanwälte dem Staatsanwalt von Lyon, Xavier Richaud, vorgeführt, der entscheiden muss, ob er ein Strafverfahren einleitet oder den Unternehmer laufen lässt.

Prochorow war am Dienstag in dem alpinen Urlaubsort Courchavel durch französische Polizisten im Rahmen einer Fahndung gegen einen internationalen Callgirl-Ring festgenommen worden. Am Donnerstag hat die Lyoner Staatsanwaltschaft die Untersuchungshaft um zwei Tage verlängert. Die Frist läuft am Sonnabendmorgen aus. Eine weitere Verlängerung ist ausgeschlossen. Die Entscheidung über das weitere Schicksal der Festgenommenen muss also bis zu diesem Termin fallen.

Mit Empörung haben Politiker und Medien in Russland auf die Festnahme des russischen Industriellen und Milliardärs Michael Prochorow im Wintersport-Ort Courchevel reagiert. Russland müsse "seine Macht einsetzen, um sicherzustellen, dass solche Dinge nicht geschehen können", forderte der nationalistische Parlamentarier Alexej Mitrofanow am Freitag.

Der 41-jährige Prochorow steht an der Spitze des größten russischen Bergbaukonzerns Norilsk Nickel. Das Magazin "Forbes" führt ihn in seiner jüngsten Rangliste der reichsten Leute der Welt auf Platz 89. Zusammen mit 25 anderen russischen Geschäftsleuten und ihren Begleiterinnen wurde er am Dienstag im Zuge einer Großrazzia gegen einen mutmaßlichen Call-Girl-Ring in seinem Hotel in Courchevel festgenommen. Die meisten Festgenommenen wurden in den folgenden Tagen freigelassen, nicht aber Prochorow.

Ein Sprecher von Norilsk Nickel in Moskau hatte am Donnerstag beteuert, es müsse sich um ein Missverständnis handeln. Sein Chef sei ein "in jeder Hinsicht guter Mann". Nach Angaben eines Duma-Mitglieds war unter den vorübergehend Festgenommenen auch ein russischer Hauptstadtpolitiker. Zum russischen Neujahrsfest weilten zahlreiche steinreiche Russen in Courchevel.

Die Moskauer Tageszeitung "Iswestija" stellte den Fall am Freitag in einen politischen Zusammenhang. Für westliche Politiker werde Russland zu einem "Problem", da es einen unabhängige Diplomatie und einen harten Kurs in der Energiepolitik verfolge, schrieb Kommentator Maxim Jusin. Der Westen habe nur wenige Mittel, mit denen er Druck auf den Kreml ausüben könne; nun scheine er eines gefunden zu haben. "Wie wird die russische Elite sich verhalten, wenn sich nicht mehr im Winter nach Courchevel und im Sommer an die Côte d'Azur ziehen kann, um Frauen und Freundinnen in die Mailänder Boutiquen zu führen?" [ RIA Novosti  /afp / russland.RU ]