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29-10-2008 Moskau Aktuelles
Zwei Jesuiten-Priester in Russland ermordet
In Moskau sind zwei Priester des Jesuitenordens ermordet aufgefunden worden, unter ihnen ein deutschstämmiger Kasache. Die beiden Geistlichen wurden erstochen in ihrer Wohnung im Zentrum der russischen Hauptstadt gefunden, wie die katholische Bischofskonferenz Russlands am Mittwoch in einer vom Vatikan veröffentlichten Erklärung mitteilte.



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„Sie haben keine Anrufe beantwortet, deshalb kamen ihre Ordensbrüder in ihre Wohnung. Dort wurden sie tot aufgefunden“, sagte der Generalsekretär der katholischen Bischofskonferenz Russlands, Igor Kowalewski.

Neben dem aus einer deutschen Familie stammenden 47-jährigen Kasachen wurde auch die Leiche eines 42-jährigen Südamerikaners gefunden. Die Hintergründe der Tat waren zunächst unklar.

Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei wurde der aus Südamerika stammende Pater Victor Betancourt-Ruiz bereits Ende der vergangenen Woche getötet. Der deutschstämmige Otto Messmer sei vermutlich erst am Montagabend getötet worden, als er von einer Deutschland-Reise in die Wohnung zurückkehrte, sagte Vatikansprecher Federico Lombardi. Den Tod der Priester bezeichnete er als "schweren Verlust für die katholische Kirche Russlands".

"Die Russisch Orthodoxe Kirche kondoliert der Leitung der russischen Katholiken und den Vertretern des Jesuitenordens in Moskau", sagte der Sekretär für die Beziehungen zwischen den christlichen Konfessionen aus dem kirchlichen Außenamt des Moskauer Patriarchats, Igor Wyschanow.

"Diese Morde sind ein großer Verlust für Gläubige. Die Moslems kondolieren im Zusammenhang mit dieser Tragödie den Vertretern des Jesuitenordens und all jenen, die die Geistlichen kannten", sagte der erste Stellvertreter des Vorsitzenden des russischen Muftirates, Damir Gisatullin.

Otto Messmer wurde 1961 in einer katholischen Familie in Karaganda, Kasachstan, geboren. 1988 wurde er Rektor des Nowosibirsker katholischen Proseminars in Astana.

Victor Betancourt ist gebürtiger Kolumbianer, der vor einigen Jahren nach Russland kam und am Moskauer Institut für Theologie, Philosophie und Geschichte des Hl. Foma tätig war, das von den Jesuiten unterstützt wird.

Die unabhängige Russische Region der Gemeinschaft Jesus (offizieller Name des Jesuitenordens in Russland) wurde am 21. Juli 1992 offiziell registriert. Ihr gehören Jesuiten an, die in der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) leben, mit Ausnahme der baltischen Länder.

Die Jesuiten befassen sich mit Missionarstätigkeit in Sibirien, Zentralasien, der Ukraine und Weißrussland. Zudem leiten sie das Religions- und Kulturzentrum für geistliche Entwicklung "Inigo" in Nowosibirsk und das Institut für Theologie, Philosophie und Geschichte des Hl. Foma in Moskau.

In dem Land leben laut Vatikan 1,5 Millionen Katholiken, die vorherrschende orthodoxe Kirche schätzt ihre Zahl auf lediglich 100.000. Sie kritisiert die katholischen Kirche immer wieder wegen angeblicher Missionarstätigkeit in Russland.