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26-11-2008 Moskau Aktuelles
Blutige Details des Mordes an Politkowskaja im Prozess vorgetragen
Im Prozess um den Mord an der russischen Journalistin Anna Politkowskaja sind am Mittwoch vor dem Moskauer Schwurgericht blutige Details vorgetragen worden. Politkowskaja sei am 7. Oktober 2006 von Schüssen in den Kopf, in die Brust und in die rechte Hüfte getroffen worden, sagte einer der Staatswanwälte.




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"Er schoss ihr in die rechte Schläfe; als Politkowskaja fiel, traf sie der zweite Schuss in den Nacken", sagte der Staatsanwalt. Für die Anklage ist der flüchtige Tschetschene Rustam Machmudow der Todesschütze, vier mutmaßliche Mittäter sitzen vor Gericht. Politikowskaja wurde im Treppenhaus ihres Mietshauses in Moskau umgebracht.

Die Journalistin habe neben den Schussverletzungen einen Schock erlitten und viel Blut verloren, sagte der Staatsanwalt. "Sie starb in weniger als zehn Minuten." Die Geschworenen sahen unter anderem die fünf Kugeln, mit denen die Journalistin ermordet wurde, sowie Tatortbefunde und Fotos.

Wie aus einem Befund vom 7. Oktober 2006 hervorgeht, wurde die Tatwaffe im Aufzug neben Politkowskajas Leiche im Erdgeschoss ihres Wohngebäudes gefunden. Aus der Pistole wurde laut Experteneinschätzungen fünf Mal in Folge in sehr geringen Abständen geschossen. Der Mörder eröffnete das Feuer, als die Journalistin den Knopf ihrer Etage drücken wollte. Sie war sofort oder nach wenigen Minuten tot.

Am Mittwoch wurde unterdessen der Antrag der Staatsanwaltschaft auf die Absetzung des Richters Jewgeni Subow abgelehnt. Die Ankläger behaupteten, dieser Richter sei voreingenommen. Das Gericht habe dieses Argument jedoch als unbegründet zurückgewiesen, sagte Anwalt Walerij Tschernikow.

Wie Tschernikow weiter mitteilte, gehe der Richter davon aus, dass die Verhandlung in 45 Tagen abgeschlossen werden könne. Am Donnerstag soll die Zeugenbefragung beginnen.

Murad Mussajew, Anwalt der Angeklagten, sagte gestern bei dem mutmaßlichen Drahtzieher des Mordes handelt es sich laut Anklage um einen russischen Politiker. Der Name sei aber von den Anklägern nicht erwähnt worden.

Alexander Bastrykin, Chef des Untersuchungsausschusses bei der russischen Staatsanwaltschaft, hatte am Montag gesagt, der Drahtzieher stehe noch nicht fest: „Es gibt vorerst keine konkreten Ergebnisse… Es gibt einige Versionen“.

Der Prozess um die Ermordung Politkowskajas hatte in der vergangenen Woche vor einem Militärgericht in Moskau begonnen. Angeklagt sind ein russischer Polizist, ein ehemaliger Sonderagent des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB und die Tschetschenen Ibrahim und Dshabrail Machmudow, deren dritter Bruder der Todesschütze sein soll. Frühere Kollegen vermuten, dass Politkowskajas Tod im Zusammenhang mit einem geplanten Artikel über Folter in Tschetschenien stand. [ russland.RU ]