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25-05-2004 Moskau Aktuelles
Not Vital im Moskauer Künstlerhaus
Vom 25. Mai bis zum 3. Juli erwartet den Besucher des Central House of Artists eine aussergewöhnliche künstlerische Intervention. Während der gleichzeitig stattfindenden Art Moskau schafft der Schweizer Künstler Not Vital auf 600m2 mit Abgüssen hunderter von Kamelköpfen eine eindrucksvolle und überraschende Ausstellungssituation.



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300 Kamele, in einer strikten Organisation blicken in eine Richtung: auf das Bild des georgischen Künstlers Pirosmani - auf dem ein Kamel zu sehen ist. Die einerseits martialische Ankunft der militärisch aufgebotenen Herde, verliert aber ihre Bedrohung angesichts ihres freundlichen dreinblickenden Anführers an der gegenüberliegenden Wand. Doch wie kommen 300 Kamele nach Moskau? Von 1988 bis 1989 lebte Not Vital in Ägypten, als Gast der Schweizer Botschaft zur Vorbereitung einer Ausstellung. Dazu kaufte er bei einem Schlachter Kamelköpfe, was gewöhnlich für Fremde unmöglich ist. Was er dort sah, war unvergesslich. Ein Mann mit einem grossem Schwert, tötete Duzende von Kamelen mit einem Streich. Die Tiere standen ohne Kopf noch einige Minuten aufrecht, bis sie in einem aussichtslosen Todeskampf umkippten. Zahlreiche Jungen und Mädchen erschienen auf dem Platz und sicherten sich Teile Tiere. Die Köpfe hingegen wurden dem Künstler gegen ein Trinkgeld ausgehändigt. Dieses nachhaltige Erlebnis fand verschiedentlich Eingang in Vitals Arbeit. Die Kamelköpfe werden in Moskau wie Jagdtrophäen oder Totems präsentiert. Die Installation spielt dabei auf den menschlichen Umgang mit Tieren an und auf den Kreislauf Zeugung, Leben und Tod. Das Befremden, das sie auslöst, hängt mit unserer gezähmten oder durch das Grossstadtleben und die virtuellen Welten verdrängten animalischen Existenz zusammen.

Die zufällige englische Bedeutung des Rhaeto-Romanischen Namens "Not Vital" verbirgt im Englischen eine Bedeutung: Vielleicht ist es seinem Werk nicht erlaubt das zu sein was es ist. Not Vital wurde am 15. Februar 1948 in Sent, einem Bündner Bergdorf nahe der Österreichischen/Italienischen Grenze geboren. Seine Kindheit verbrachte er in dieser isolierten, den Naturgewalten ausgesetzten Bergwelt. Nach einem Studienaufenthalt in Paris hat es sich autodidaktisch eigene Ausdrucksformen erschlossen. Seit 1974 lebt Not Vital hauptsächlich in New York, aber auch in Lucca und Sent, wo er im Elternhaus ein Künstleratelier eingerichtet hat. Die Werke Not Vitals sind Bilder, Zeichnungen, Graphiken, Photoarbeiten, sowie Plastiken und Assemblagen mit verschiedenen Materialien, wie Bronze, Stein, Holz, Gips, Eisen, Leder usw. Die starke Prägung Not Vitals durch seinen abgelegenen Herkunftsort, das Unterengadin, zeigt sich in seiner Kunst vor allem in den Tiermotiven.

Veranstalter der Ausstellung ist die im "central house of artists" domizilierte Stiftung "Regional Public Foundation of Arts Projects". Der Kurator Matthias Rüthmüller ermögliche das Projekt mit Unterstützung der Schweizerischen Kulturstiftung Pro Helvetia, dem Kanton Graubünden und der Schweizer Botschaft in Moskau.