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30-05-2010 Moskau Aktuelles
Verbotene Schwulendemo in Moskau ohne Eingreifen der Polizei abgehalten


[ Video ]

Trotz eines Verbots durch die Moskauer Stadtverwaltung haben homosexuelle Aktivisten, von der Polizei unbehelligt, am Samstag eine kurze Kundgebung abgehalten.




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Etwa 30 russische und ausländische Demonstranten, darunter der deutsche Bundestagsabgeordnete Volker Beck (Grüne), versammelten sich, umringt von etwa der gleichen Anzahl an Journalisten, im Zentrum der russischen Hauptstadt.

Mit einer 20 Meter langen Fahne in Regenbogenfarben rannten die Aktivisten den Leningrader Prospekt entlang. Dabei hielten sie Plakate mit der Aufschrift "Rechte für Homosexuelle" in die Höhe und riefen Parolen wie "Homophobie ist eine Krankheit". Die Aktion dauerte keine fünf Minuten, bevor sich die Demonstranten zerstreuten.

Beck, der sich bereits seit dem 26. Mai in Moskau aufhält, sprach am 27. Mai mit dem Leiter des Anwaltsteams von Chodorkowskij, Wadim Wladimirowitsch Kljuwgant, und beobachtete anschließend den Prozesses gegen Michail Chodorkowskij und Platon Lebedew.

Im Vorfeld zur Gay-Pride-Parade in Moskau erklärte Beck: „Die Moskauer Stadtverwaltung hat vergangene Woche Vorgespräche für die angemeldete Gay-Pride-Demonstration verweigert und diese damit de facto untersagt. Damit werden die russischen Behörden entsprechende Versammlungsversuche am 29.05. als Verstoß gegen das Versammlungsrecht werten. Von Protesten gegen die Gay-Pride-Parade ist bedauerlicher Weise auszugehen.“

Becks Befürchtungen bestätigten sich nicht., nach der Kundgebung erklärte er, es sei "ein großer Erfolg, dass Moskaus Lesben und Schwule Flagge gezeigt haben, ohne dass es zu gewalttätigen Ausschreitungen und Verhaftungen kam". Es war das erste Mal in fünf Jahren, dass eine Homosexuellen-Kundgebung friedlich ablief. In den vergangenen Jahren war stets die Polizei eingeschritten, dabei kam es teils zu gewaltsamen Übergriffen. Dieses Jahr kam ein einziger Polizeiwagen erst zehn Minuten nach Ende der Kleindemonstration.

Nach Angaben des Organisators Nikolai Alexejew habe es keine Festnahmen gegeben. "Die Teilnehmer liefen ein Stück entlang dem Leningrader Prospekt mit einer Regenbogenflagge als internationalem Symbol der Homosexuellen", sagte er dem Radiosender Echo Moskwy. Die nächste Demonstration ist nach seinen Worten für Mai 2011 geplant. Er glaube, dass diese Aktion von den Behörden genehmigt wird, nachdem der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg das Demonstrationsverbot in Moskau als rechtswidrig verurteilt habe, sagte Alexejew.

Der Moskauer Bürgermeister Juri Luschkow hatte die zum fünften Mal geplante Gay Pride verbieten lassen. Er nannte Kundgebungen dieser Art "Werke des Teufels". Ein Moskauer Gericht bestätigte das Verbot. [ russland.RU ]