Mutko tritt als Präsident des Fußballverbandes zurück – vorerst

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Erst wurde er lebenslänglich für Olympia gesperrt, nun wird er sein Amt beim Russischen Fußballverband RFU niederlegen. Witali Mutko reagiert damit auf die Vorwürfe gegen seine Rolle im russischen Sport und nimmt gleichzeitig den Druck von der FIFA. Allerdings nur für ein halbes Jahr.

Er selbst bat beim Treffen des Exekutivkomitees des russischen Fußballverbandes im „Haus des Fußballs“ sein Amt als Präsident der Organisation vorerst auszusetzen, wie er im Anschluss auf der Pressekonferenz sagte. „Ich habe mich beim Exekutivkomitee angeboten und beschlossen, wenn der Präsident seine Pflichten nicht erfüllen kann, muss er sie absetzen.“ Damit die RFU reibungslos arbeiten kann, habe sich Witali Mutko dazu entschieden, eben diese Pflichten für die nächsten sechs Monate auszusetzen.

Mutko leitete den Fußballverband von 2005 bis 2009 und wurde im Jahr 2015, nachdem man den zwischenzeitlich auf den Posten gesetzten Nikolai Tolstoy aufgrund seiner finanziellen Misswirtschaft gefeuert hatte, erneut Präsident. Im Jahr darauf wurde Mutko für weitere vier Jahre in seinem Amt bestätigt. Seit 2017 bekleidet er außerdem den Posten des Vize-Präsidenten der Russischen Föderation für Sport, Tourismus und Jugend. Zudem ist der 59-Jährige aktuell Vorstand des Organisationskomitees der Fußball-Weltmeisterschaft Russia-2018.

„Die beiden Vize-Präsidenten Prjadkin und Anochin sind anderweitig beschäftigt, deshalb habe ich mich entschlossen, vorübergehend Alexander Alajew den Posten zu übergeben“, sagte Mutko wenig selbstkritisch. Das Exekutivkomitee habe dies unterstützt und registriert, heißt es. Die endgültige Entscheidung läge indes noch beim Komitee. „Alajew wird vorerst für die RFU entscheiden“, sagte der stellvertretende Premierminister, hält sich jedoch die Tür noch weit offen. „Natürlich werde ich nach den sechs Monaten wieder zurückkehren, vielleicht sogar schon früher“, ist sich Mutko sicher.

Es sieht so aus, als nähme der vermeintlich reumütige Doping-Initiator dadurch eine gewaltige Last vom Fußball-Weltverband FIFA, der nach Mutkos Sperre für Olympia gehörig ins Gerede gekommen war. Man würde dort die Machenschaften des Überführten decken, war in den letzten Wochen seitens ihrer Kritiker zu hören. Bis zuletzt hatte die FIFA, aus für sich verständlichen Gründen, am Organisator der WM 2018 festgehalten, obwohl der Druck nach der Olympia-Affäre zunehmend stärker wurde. Zuletzt äußerte sich das Badener Trainer-Urgestein Ottmar Hitzfeld mehr als kritisch über Mutkos Rolle als Chef-Organisator der Fußball-WM.

Die Russische Regierung weist die Vorwürfe des systematischen Staatsdopings ohnehin zurück und spricht lediglich von Einzelfällen. Es ist daher durchaus denkbar, dass die jüngste Entscheidung Mutkos nicht von ihm selbst stammt, sondern auf weit höherer Ebene beschlossen wurde, um Wind aus der Angelegenheit zu nehmen. Denn soviel ist sicher: Der Entzug der FIFA-Weltmeisterschaft wäre zum jetzigen Zeitpunkt weit mehr als nur ein Imageverlust für Russland.

[mb/russland.NEWS]