Nach EM-Pleite – Bauernopfer beim russischen Fußball-Verband

Moskau. Nach dem Scheitern bei der EURO 2012 ist der Chef des russischen Fußballverbandes (RFS), Sergej Fursenko, zurückgetreten. Fursenko hatte sich bei einem Treffen mit Russlands Präsident Wladimir Putin für die Leistung der russischen Fußballnationalmannschaft bei der EM entschuldigt und seinen sofortigen Rückzug als Chef des RFS erklärt.

„Die russische Auswahl ist leider aus der EM 2012 ausgeschieden“, sagte Fursenko am Montag bei einem Treffen mit Präsident Wladimir Putin. „Das ist sehr ärgerlich, denn das Team war sehr stark. Dick Advocaat hat gute Arbeit gemacht.“ Redaktion: Wie bitte?

 

„Ich möchte mich bei den Fußballanhängern für dieses Ergebnis entschuldigen. Ich habe die schwere Entscheidung getroffen, als Präsident des russischen Fußballverbandes zurückzutreten“, ergänzte Fursenko.

 

Fursenko muss für Fehler anderer büßen

 

Damit musste der Boss des RFS seinen Hut nehmen und für viele Verfehlungen anderer seinen Kopf hinhalten. So wurde bereits vor Monaten die Auswahl des Hotels „Bristol“, als Mannschaftsquartier der Sbornaja, mitten im Stadtzentrum von Warschau, stark kritisiert. Die russischen Spieler fanden im „Bristol“ einfach nicht die nötige Ruhe und Entspannung, da in diesem Hotel auch sogar noch Fans wohnten – eigentlich unvorstellbar. Dieses Hotel wurde auf Drängen von Dick Advocaat auserkoren.

Auch die Trainingsmethoden von Advocaat waren sehr zweifelhaft. Advocaat setzte auf Regeneration und lies die Mannschaft nur einmal täglich trainieren. Dadurch fehlte logischerweise die nötige Kondition bei den meisten Spielern. Besonders deutlich wurde dies in den Spielen gegen Polen und Griechenland, wo die Mannschaft ab der 60. Minute platt schien.

 

Das mangelnde Spiel der Sbornaja über die Flügel war ein weiterer Beweis für eine schlechte Coaching-Leistung. Für jede Abwehr ist es am leichtesten, den Ball bei Angriffen mit der Brechstange durch die Mitte abzufangen. Die Folgen sind – das angreifende Team muss den Ball wieder hinterher rennen und vergeudet unnötig Kraft und Kondition.

 

Auch das peinliche Auftreten vom Kapitän Andrej Arschawin im Gespräch mit russischen Fans spricht Bände – Arschawin äußerte am Samstag: „Wenn wir eure Erwartungen nicht erfüllt haben, dann ist das euer Problem.“ Dieses aus dem Munde des Kapitäns! Welchen Nationalstolz und Verstand hat dieser Spieler? Welche Überheblichkeit besitzt Andrej Arschawin?

 

Suche nach neuen RFS-Chef 

 

Fursenko stand seit Februar 2010 an der Spitze des russischen Fußballverbandes. Über seine Nachfolge wird jetzt spekuliert – im Gespräch sind im Moment der ehemalige Parlamentschef Boris Gryslow und Vizepremier Arkadi Dworkowitsch. Auch Sportminister Witali Mutko wird als neuer RFS-Chef gehandelt, dieses sollte aber höchst unwahrscheinlich sein. Bis ein neuer RFS-Boss gefunden ist leitet Nikita Simonjan die Geschäfte des RFS, bisher war er Stellvertreter von Fursenko.

 

Jedenfalls hat der neue Chef des RFS viel Arbeit vor sich. Nicht nur ein fähiger Nachfolger für Advocaat muss gefunden werden, auch die Fußball-WM 2018 in Russland steht vor der Tür. Weiterhin sollten Verfehlungen von Spielern der Sbornaja nicht mehr ohne entsprechende Konsequenzen hingenommen werden. Ein Mann mit dem Charisma von Wladimir Putin wird gesucht.

 

Sbornaja wäre bei der WM nicht ausgeschieden

 

Das favorisierte Russland war in der Vorrundengruppe A mit Co-Gastgeber Polen, Tschechien und Griechenland überraschend nur Dritter hinter Gruppensieger Tschechien und Griechenland geworden. Zum Auftakt hatte es noch ein überzeugendes 4:1 gegen Tschechien gegeben, danach aber lediglich ein 1:1 gegen die Polen und ein 0:1 gegen Griechenland.

 

Damit schied Russland aus, trotz des besseren Torverhältnisses und punktgleich mit Griechenland. Dieses – da bei der EM, die von der UEFA ausgerichtet wird, und im Gegensatz zur WM, die von der FIFA ausgerichtet wird, der direkte Vergleich bei Punktgleichheit zählt und nicht das Torverhältnis wie bei der WM.