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08-08-2006 Russland und Nahost
Warum ist Russland im israelisch-libanesischen Konflikt so passiv?
In den rund anderthalb Monaten Krieg, den Israel gegen die Hisbollah auf dem libanesischen Territorium führt, hat die russische Diplomatie nur recht unbedeutende Schritte zur Durchsetzung einer friedlichen Regelung unternommen, stellt die Zeitung "Trud" am Dienstag fest.

Geschieht alles auf den stillen Wegen der Geheimdiplomatie? Möglich, wahrscheinlicher sind aber zwei andere Versionen. Die erste: Russland hat die früheren Hebel zur Beeinflussung der Teilnehmer des Nahostdramas endgültig verloren. Auf Russland wird nicht gehört. Die zweite: Der Abschluss des Kalten Krieges, die geringeren Ressourcen, die für das weltweite "Durchsetzen" von Russlands Image bereitgestellt werden, sowie das Ausbleiben besonderer Geschäftsinteressen in der Region (vom irakischen Öl abgesehen) haben dazu geführt, dass der Nahe Osten auf der Liste der außenpolitischen Prioritäten Moskaus tief hinuntergerutscht ist.

Der Politologe Boris Makarenko, Vizeleiter des Zentrums für politische Technologien, stellt fest: "Russland kann heute weniger unternehmen als die USA, Großbritannien und Frankreich sowie die Sowjetunion vor 15 Jahren." "Das paradoxe an der Situation besteht darin, dass niemand während der heißen Phase des Krieges etwas schnell und endgültig machen kann."

"Sowohl Amerika als auch Europa müssen manövrieren und abwarten. Sie sehen ein, dass Israel und die Hisbollah einander nicht mehr so leicht loslassen werden. Wenn aber nichts unternommen werden kann, ist objektiv die Seite im Vorteil, von der das am wenigsten erwartet wird", so Makarenko.

Von Russland wird eben am wenigsten erwartet. Die Amerikaner und die Europäer werden bereits von beiden in den Konflikt verwickelten Seiten kritisiert: Warum helft ihr nicht? Von Russland erwartet niemand etwas, deshalb wird ihm auch nichts vorgeworfen.

Alle Großmächte befinden sich heute in einer komplizierten Lage, seien das die USA oder Russland. Man darf sich nicht mit den Arabern zerstreiten, man muss die eigenen Interessen in der Region verteidigen und die Beziehungen mit Tel Aviv nicht verderben. [ RIA Novosti ]