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09-08-2006 Russland und Nahost
Teheran hat Schlüssel für Regelung der heutigen Nahostkrise in der Hand
Was gegenwärtig im Libanon geschieht, ist der Beginn des ersten iranisch-israelischen Krieges, sagte der Präsident des Moskauer Nahost-Instituts, Jewgeni Satanowski, in einem Interview für RIA Novosti. Die Ereignisse im Libanon sind "eine Kraftprobe für Iran, das mittels seines Satelliten, der Hisbollah, handelt, bevor es zu einer regionalen Supermacht aufsteigt", sagte der Wissenschaftler.

Die Regierung Fuad Siniori hat laut Satanowski nichts mit dem Konflikt zwischen der schiitischen Hisbollah-Bewegung und Israel zu tun. "Darum ist weniger Damaskus, mehr aber Teheran die Seite, mit der über Frieden gesprochen werden muss", so Satanowski.

"Solange sich Teheran nicht aktiv in die Regelung des Konfliktes einschaltet, wird Israel Angriffen ausgesetzt sein und sie beantworten."

Schon in der allernächsten Perspektive werde Teheran bei dieser Krise ganz nachhaltig politische Dividenden einfahren. Allein aus diesem Grund sei Hisbollah der Unterstützung sicher.

In Teheran, sagt Satanowski weiter, werden die Vorgänge aus der Sicht wahrgenommen, dass "die iranische Führung in der Konfrontation mit den USA und Israel auf die richtige Karte gesetzt hat". "Amerika wurde über Israel ein indirekter Schlag versetzt, was in der islamischen Welt auch so verstanden worden ist", erläutert er seinen Standpunkt.

Satanowski schloss nicht aus, dass auch Syrien in den libanesisch-israelischen Krieg einbezogen wird. "Möglicherweise wird es nicht gelingen, ohne Konflikt mit Syrien den Waffenstrom für Hisbollah zu stoppen", nimmt Satanowski an.

Nach Satanowski vertritt Israel die Meinung, dass während und nach der Militäroperation im Libanon Voraussetzungen geschaffen werden müssen, um iranische und syrische Waffenlieferungen für Hisbollah und andere extremistische Gruppierungen im Libanon zu unterbinden.

Der Resolutionsentwurf des UN-Sicherheitsrats "widerspiegelt nur die subjektive Sicht der Großmächte, die den Konfliktparteien, also Hisbollah und Israel, mehr oder weniger nicht behagt. Er kann kaum als Grundlage für die Regelung der Krise dienen" sagte er.

Der Plan, den die libanesische Regierung in der vergangenen Woche bestätigt hat, sieht eine unverzügliche Feuereinstellung, den Austausch der Kriegsgefangenen, den Abzug der israelischen Truppen vom libanesischen Territorium und die Rückkehr der Flüchtlinge an ihre Wohnorte vor. Das Dokument fordert "Ausweitung der Kontrolle der libanesischen Regierung auf das ganze Territorium des Landes", d. h. die Entsendung libanesischer Truppen in den Südlibanon, um die dort schon stationierten UNIFIL-Einheiten zu verstärken und zu unterstützen.

Der von den USA und Frankreich vorgelegte Resolutionsentwurf spricht im Unterschied zu dem libanesischen Plan nicht von einer Feuereinstellung und von einem unverzüglichen Abzug der israelischen Truppen aus Libanon. Das Dokument sieht die Möglichkeit von israelischen Militäraktionen für den Fall vor, dass die Hisbollah weiterhin Israel beschießt. Libanon hatte dagegen Einwände angemeldet. [ RIA Novosti ]