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13-09-2006 Russland und Nahost
Primakow: Nahost-Regelung möglich
Die Chancen auf eine friedliche Lösung im Nahen Osten seien so hoch wie noch nie zuvor. Zu diesem Schluss gelangt der prominente russische Politiker und Orientalist, Jewgeni Primakow, in seinem neuen Buch "Vertraulich: Der Nahe Osten vor und hinter den Kulissen (zweite Hälfte des 20. Jh. und Anfang des 21. Jh.)".

Um den jahrelangen Konflikt beizulegen, sollte sich Israel in palästinischer und syrischer Richtung engagieren, sagte Primakow am Montag bei der Präsentation des Buchs in der Redaktion der "Rossijskaja Gaseta". Nach dem Misserfolg im Libanon werde Israel die Notwendigkeit bewusst, mit Syrien Verhandlungen über eine Rückgabe der Golanhöhen zu führen.

Eine Beilegung des Nahostkonfliktes würde viele Verluste ausgleichen, welche die USA im Nahen Osten hinnehmen mussten, stellte Primakow fest. Dafür sollten die USA die Initiative ergreifen und Friedensverhandlungen anregen. Unter den Bedingungen der entstehenden multipolaren Welt spielen Europa, China und Indien eine immer größere Rolle. Diese neigen offenbar zu einer friedlichen Lösung des Nahostkonfliktes.

Jewgeni Primakow (77), in den Jahren 1998 und 1999 russischer Premierminister, hat 50 Jahre seines Lebens dem Nahen Osten gewidmet: zuerst als Journalist, dann als Leiter zweier Forschungsinstitute und schließlich als Chef des russischen Auslandsgeheimdienstes und als Außenminister. Er kannte persönlich viele Schlüsselfiguren im Nahen Osten, darunter auch Arafat, Nasser und Hafez Assad. Kurz vor dem Krieg im Irak war Primakow nach Bagdad gereist und hatte versucht, Saddam Hussein zum Einlenken zu bringen.

In seinem neuen Buch zitiert Primakow aus den bis zuletzt geheimgehaltenen Dokumenten und berichtet über seine geheimen Gespräche mit der israelischen Führung in den Jahren 1971 bis 1977, die auf Wunsch der damaligen israelischen Premierministerin Golda Meir und mit Zustimmung des Politbüros des ZK KPdSU zustande kamen. Da es zwischen Israel und der Sowjetunion damals keine offiziellen diplomatischen Beziehungen gab, wurden die Gespräche hauptsächlich in Wien und Jerusalem geführt. Für die Organisation und Geheimhaltung sorgten sowjetische und israelische Geheimdienste.

Primakow stellte in seiner Analyse der sowjetischen und der russischen Nahostpolitik fest, dass von der Stalin-Ära bis heute, aus Sicht der russischen Interessen wie der Interessen des Nahen Ostens und der ganzen Welt, der russische Einfluss wirksamer war, als die amerikanische Politik. Dabei führt er überzeugende Beweise an.

In seinem Buch erinnert sich Primakow an sein Gespräch mit Condoleezza Rice (damals noch Sicherheitsberaterin des US-Präsidenten), das drei Monate vor der amerikanischen Invasion im Irak zustande kam. "Mit dem Einfall im Irak machen sie einen historischen Fehler", hatte Primakow zu Rice gesagt. Sie erwiderte: "Eine politische Entscheidung ist noch nicht gefallen. Aber für den Fall, dass wir zuschlagen, haben wir schon alles einkalkuliert." [ RIA Novosti ]