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15-10-2006 Russland und Nahost
Die Geschichte der Beziehungen zwischen Russland und Ägypten
Seit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen im Jahre 1943 bauen Russland und Ägypten ihre politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit kontinuierlich aus.

POLITIK

Die diplomatischen Beziehungen zwischen der Sowjetunion und Ägypten wurden am 26. August 1943, mitten im Zweiten Weltkrieg aufgenommen, in dem Ägypten auf der Seite der Anti-Hitler-Koalition kämpfte.




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Nach dem Zerfall der Sowjetunion im Dezember 1991 erkannte Ägypten Russland als Rechtsnachfolger des Sowjetstaates an.

Am 22./24. September 1997 weilte Hosni Mubarak als erster ägyptischer Präsident zu einem offiziellen Besuch in der Russischen Föderation. Damals unterzeichneten beide Staaten eine politische Deklaration und eine Reihe von Regierungsabkommen.

Am 26./28. April 2001 besuchte Hosni Mubarak zum zweiten Mal Russland. Dabei wurde eine Deklaration über Freundschaft und Zusammenarbeit angenommen; ein langfristiges Kooperationsprogramm in Handel, Wirtschaft, Industrie, Wissenschaft und Technik wurde beschlossen.

Während seines dritten offiziellen Russland-Besuchs, der am 27. und 28. Mai 2004 zustande kam, diskutierte Mubarak mit der russischen Staatsführung über die Lage im Nahen Osten und im Irak sowie über eine engere Zusammenarbeit der Russischen Föderation mit der Arabischen Republik Ägypten und mit der Organisation Islamische Konferenz.

Am 28./30. November 2004 besuchte Michail Fradkow Ägypten. Das war der erste offizielle Besuch eines russischen Regierungschefs in Ägypten seit 30 Jahren. Mit Hosni Mubarak beriet Fradkow über den Ausbau der politischen und der wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Bei diesem Besuch erkannte Ägypten Russland offiziell als eine Marktwirtschaft an. Beide Staaten schlossen eine Reihe bilateraler Abkommen, unter anderem einen Vertrag über Zusammenarbeit bei der friedlichen Nutzung der Atomenergie, insbesondere bei der Projektierung, dem Bau, Betrieb und der Modernisierung von Kernreaktoren. Außerdem verpflichteten sich die Seiten, gemeinsam einen Kernbrennstoff-Kreislauf zu entwickeln, der alle Etappen, angefangen bei der Erkundung und dem Abbau von Lagerstätten bis hin zur Entsorgung von Atommüll, einschließt.

Am 26./27. April 2005 besuchte der russische Präsident Wladimir Putin Ägypten. Das was der erste Besuch eines russischen Staatschefs seit 40 Jahren in diesem Land. Bei Gesprächen mit der ägyptischen Staatsführung und mit dem Chef der Arabischen Liga, Amr Moussa, erörterte Putin den Friedensprozess im Nahen Osten, die Lage im Irak, in Libanon, Syrien usw.

Am 24. Mai 2006 tagte erstmals die russisch-ägyptische Arbeitsgruppe für die Bekämpfung des Terrorismus. Die Tagung fand in Moskau statt. Beide Seiten tauschten sich über die Terrorgefahr aus und informierten sich über Anti-Terror-Maßnahmen in beiden Staaten. Außerdem erörterten sie Fragen der bilateralen Zusammenarbeit bei der Bekämpfung des Terrorismus, unter anderem im Rahmen der UNO und anderer multilateraler Gremien. Sie erörterten den Entwurf einer umfassenden Anti-Terror-Strategie, der vom UN-Generalsekretär unterbreitet worden war.

WIRTSCHAFT

Ägypten ist seit Jahren einer der größten Handels- und Wirtschaftspartner Russlands. Mit russischer Hilfe wurden in Ägypten mindestens 97 große Industrieobjekte errichtet, darunter das Wasserkraftwerk Assuan, das Hüttenwerk Heluan und eine Aluminiumfabrik in Nag Hammady.

Belief sich der gegenseitige Handel zwischen Russland und Ägypten 2004 auf 834 Millionen US-Dollar, so stieg er 2005 auf 1,3 Milliarden Dollar. Die wichtigsten russischen Exportartikel sind Rohstoffe, während der Anteil der Maschinen und Anlagen von Jahr zu Jahr zurückgeht. Ägypten liefert vor allem Agrarprodukte wie Zitrusfrüchte und Gemüse nach Russland, deutlich weniger Konsumgüter.

Große russische Energieunternehmen sind in Ägypten engagiert. Die Ölfirma Lukoil erschließt Ölfelder in der Westlichen Wüste und auf dem Festlandssockel des Roten Meeres im Raum Khurgada. 2003 erwarb Lukoil das Recht, Ölvorkommen im Raum des Suez-Kanals abzubauen. Der Gaskonzern Gasprom unterzeichnete im März 2005 mit seinen ägyptischen Partnern ein Memorandum über gegenseitiges Verständnis. Dabei wurde ihm eine Beteiligung an Förderprojekten und am Bau einer Pipeline in dem nordafrikanischen Land in Aussicht gestellt.

Seit Dezember 2002 werden im ägyptischen Werk Suzuki russische Pkws des Typs Lada 2107 montiert. Im Februar 2006 wurde unter dem Dach des Joint Ventures Lada-Egypt die Montage der Modelle Lada-2107 und Lada-110 in die Wege geleitet.

Im Februar 2006 vereinbarten der Chef der russischen Industrieagentur Boris Aljoschin und der ägyptische Handels- und Wirtschaftsminister Rashed Mohammad Rashed bei ihren Verhandlungen in Kairo die Schaffung einer Freihandelszone. Die ägyptische Seite sicherte Russland Beistand beim Beitritt zur Welthandelsorganisation WTO zu.

Im militärtechnischen Bereich zeigt Ägypten für russische Flugzeuge und Kampfhubschrauber sowie für Fla-Raketensysteme reges Interesse. Außerdem möchte die ägyptische Armee ihr Führungspersonal zur Ausbildung nach Russland schicken. Als Hemmfaktor für die russisch-ägyptische Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Rüstung gelten die unentgeltlichen US-Waffenlieferungen an Ägypten.

Im Bereich des Tourismus wird die Zusammenarbeit zwischen Russland und Ägypten zügig entfaltet. 2004 besuchten mehr als 650 000 russische Touristen Ägypten, die 300 Millionen US-Dollar in die ägyptische Staatskasse fließen ließen. [ RIA Novosti ]