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11-02-2007 Russland und Nahost
Putin beginnt historische Nahost-Rundreise
Der russische Präsident Wladimir Putin reist am Sonntag zu einer Rundreise durch den Nahen Osten ab. Im Kreml heißt es, sie könne nicht anders als "historisch" bezeichnet werden. In Saudi-Arabien, Katar und Jordanien wird der russische Staatschef die Lage im Nahen Osten, in Irak und Iran erörtern und sich der Interessen der russischen Unternehmen annehmen. Der Schlussakkord der Rundreise wird das Treffen mit dem Oberhaupt der Palästinensischen Nationalen Autonomie, Mahmud Abbas, in Jordanien sein.

Der russische Präsident hat Vertreter der russischen Großindustrie und bedeutender Staatsunternehmen in seiner Begleitung, darunter die Spitzen von Lukoil, RusAl, AFK Sistema, Stroitransgas, Rosoboronexport, Gasprom, der russischen Eisenbahn RZD. In seinem Tross befinden sich des Weiteren die Präsidenten einiger islamischer Republiken. Leider, so schreibt die Zeitung "Nesawissimaja Gaseta", werden weder der Präsident noch der Premierminister der Tschetschenischen Republik, Ali Alchanow und Ramsan Kadyrow, der Delegation angehören.

Bei den Verhandlungen mit dem König von Saudi-Arabien, Abdallah bin Abdelaziz Al Saud, in Riad, wird sich Wladimir Putin sicherlich für die Interessen der RZD einsetzen. Die russische Eisenbahn will den Tender für die Realisierung einer der wichtigsten Projekte im Nahen Osten für sich entscheiden, den Bau der Nord-Süd-Bahnstrecke mit einer Gesamtlänge von 2 400 Kilometern und einem geschätzten Kostenaufwand von 2 Milliarden US-Dollar.

Was die militärtechnische Zusammenarbeit angeht, so hat die "Nesawissimaja Gaseta" von einer hochrangigen Quelle im Kreml erfahren, wird es bei dem Besuch keine konkreten Vereinbarungen geben. Die Quelle unterstreicht aber auch, dass Riad an den russischen Luftverteidigungssystemen interessiert sei. Insgesamt sollen während des Besuchs ungefähr zehn Abkommen abgeschlossen werden. Krönender Abschluss des Besuchs in Saudi-Arabien wird das Wirtschaftsforum russischer und saudischer Geschäftsleute sein.

Viele Beobachter meinen, dass Katar der komplizierteste Programmpunkt ist. Wladimir Putin wird dort am Montag nur für einige Stunden Station machen. Vor drei Jahren ist in Doha der Jeep eines Anführers der tschetschenischen Separatisten, Selimchan Jandarbijew, in die Luft gesprengt worden. Zwei Staatsbürger Russlands sind durch ein Gericht in Katar zu Freiheitsstrafen von je 25 Jahren verurteilt worden. Dank der persönlichen Intervention Wladimir Putins konnten sie in die Heimat zurückkehren. Der Kreml weicht jedem Kommentar zu dem für das offizielle Moskau pikanten Thema aus. Es wird dazu nur bemerkt, dass der russische Präsident und der Emir von Katar, Scheich Hamad bin Khalifa Al-Thani, "nicht sehr eingehend" das Thema des Kampfes gegen den Terrorismus streifen werden. Moskau und Doha haben aber auch nicht wenige andere wichtige Themen für Verhandlungen. In Katar befindet sich das drittgrößte Gasvorkommen der Welt, und der Staat selbst ist einer der Großexporteure von Erdgas. Wohl werden im Kreml wie auch bei Gasprom Pläne bestritten, nach dem Muster der OPEC ein Gaskartell schaffen zu wollen. Dennoch, ohne Vereinbarungen im Bereich von Erdöl und Gas wird der Präsident nicht abreisen. Es wird erwartet, dass Lukoil und Qatar Petroleum im Verlauf des Besuchs eine Absichtserklärung über Zusammenarbeit unterschreiben werden.

Am Montagabend wird Wladimir Putin in der jordanischen Hauptstadt Amman eintreffen. Nach den Verhandlungen mit König Abdallah II. wird der russische Präsident den Ort besichtigen, wo Jesus Christus getauft wurde. Danach trifft er mit dem Präsidenten der Palästinensischen Nationalen Autonomie, Mahmud Abbas, zusammen. Eines der Ziele des Gesprächs, so sagte ein ranghoher Beamter im Kreml, bestehe darin, Abbas davon zu überzeugen, "seine Bemühungen auf die innerpalästinensische Zusammenarbeit zu konzentrieren". Was den palästinensisch-israelischen Konflikt betrifft, so hält es das offizielle Moskau für wichtig, dass die palästinensische Seite sich als Rechtsnachfolger der Vereinbarungen betrachtet, die von dem früheren Repräsentanten, Jassir Arafat, eingegangen worden waren. Wie die "Nesawissimaja Gaseta" schreibt, könnte Moskau auch den Gedanken der Eiberufung einer internationalen Nahost-Konferenz ansprechen.

Laut den von der Moskauer Zeitung befragten Experten ist der Nahe Osten die einzige Region in der Welt, wo unter Beweis gestellt werden kann, dass Russland eine wichtige Rolle spielt und Gehör findet. [ RIA Novosti  / russland.RU ]