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12-02-2007 Russland und Nahost
Russland - Jordanien: Dynamischer Dialog mit regelmäßigen Kontakten
Die diplomatischen Beziehungen zwischen der UdSSR und Jordanien gab es seit dem 21. August 1963. Am 28. Dezember 1991 wurde Russland als Rechtsnachfolger der UdSSR anerkannt. Charakteristisch für die russisch-jordanischen Beziehungen von heute ist die hohe Dynamik des politischen Dialogs.

Beide Länder beziehen traditionell ähnliche Positionen in Bezug auf die wichtigsten regionalen Probleme wie etwa die Nahostregelung und die Situation in Irak.

In den letzten Jahren hat sich das politische Zusammenwirken auf hoher Ebene aktiv entwickelt. Im September 2000 fand beim Millennium-Gipfel in New York das erste Treffen von Russlands Präsident Wladimir Putin mit König Abdallah II. von Jordanien statt. In den darauf folgenden drei Jahren weilte der jordanische Monarch fünfmal in der russischen Hauptstadt. Am 9. Juni 2004 trafen sich Präsident Putin und König Abdallah II. beim G8-Gipfel auf Sea Island (USA). Das brachte neue Impulse in die Entwicklung der bilateralen Beziehungen.

Anfang September 2004 wurden bei einem abermaligen Russland-Besuch von Abdallah II. über die zweiseitigen Beziehungen (Handel, Investitionen, Wirtschaftsprojekte), die Nahostregelung, den Kampf gegen den Terrorismus sowie das Problem Irak gesprochen. Am 3. September sprach der König von Jordanien vor den Studenten der Moskauer Staatlichen Hochschule für internationale Beziehungen (MGIMO); dort wurde ihm der Titel eines Ehrendoktors verliehen.

Am 18. August 2005 besprach Putin in seiner Residenz in Sotschi mit Abdallah II. ein weites Spektrum von Fragen über die Zusammenarbeit in Handel und Wirtschaft wie auch über den Widerstand gegen den internationalen Terrorismus und den religiösen Extremismus.

Im Juni 2006 kam eine Delegation von Inguschetien (nordkaukasische Teilrepublik Russlands) nach Jordanien; der Delegationsleiter war der inguschetische Präsident Murat Sjasikow. Zur Erörterung kamen mehrere Investitionsangebote seitens Inguschetiens, die die Holz-, die Ölindustrie, die Kultur, das Bildungswesen und das Baugewerbe betrafen. Jordanien zeigte in erster Linie Interesse für die Holzindustrie, die Abfüllung von Mineralwasser und für Erdölprodukte.

Zu einer Regelmäßigkeit sind auch die Kontakte auf der Ebene der Außenministerien beider Länder geworden.

Am 11. April 2006 führte der russische Außenminister Sergej Lawrow in Moskau Verhandlungen mit seinem jordanischen Amtskollegen Abdul Ilah al-Khatib. Am 21. September 2006 fand in New York in der 61. Sitzung der UNO-Vollversammlung ein Treffen beider Außenminister statt.

Im Dezember 2006 nahm Lawrow an einem "Forum für die Zukunft" von Jordanien teil. Es verlief unter gemeinsamem Vorsitz von Russland und Jordanien im Rahmen der Initiative über Partnerschaft zwischen der G8, dem Nahen Osten und Nordafrika.

Die Handels- und Wirtschaftszusammenarbeit zwischen Russland und Jordanien erfolgt aufgrund der am 21. Januar 1969 unterzeichneten Abkommen über Handel, über wirtschaftliche und technische Zusammenarbeit sowie des Protokolls vom 5. Oktober 1997.

Der jährliche Warenumsatz zwischen den beiden Ländern beträgt rund 50 Millionen Dollar. Mit Russlands Beistand wurden in Jordanien 2 400 Kilometer Strom-Überlandleitungen verlegt. Zu den aussichtsreichen Richtungen bei der Entwicklung der Zusammenarbeit gehören: die Erdöl- und Erdgasindustrie, die Erdölverarbeitung (Ausbau einer Raffinerie in der Stadt Zarka), der Verkehrsanlagenbau (Eisenbahnstrecken, Wiederaufbau des Hafens in Akaba), die Wasserwirtschaft (Bau der Fernwasserleitung Disi-Amman, die Entwicklung des südlichen und des östlichen Teils der Küstenzone am Toten Meer), Vorkommenerkundung und Tourismus (Bau von touristischen Zentren in Akaba und an der Küsten des Toten Meeres).

Binnen der letzten zehn Jahre wurden in die Wirtschaft Jordaniens 2 Millionen Dollar aus Russland als Satzungskapital von jordanischen Gesellschaften herangezogen.

Auf dem Territorium Russlands betätigen sich mehrere russisch-jordanische Gesellschaften mit gemeinsamem Kapital (in Moskau, Sankt Petersburg und Nordkaukasus).

Die Leitung der Freiwirtschaftszone von Akaba baute ihre enge Zusammenarbeit mit der offiziellen Vertretung der russischen Gesellschaft "Tatneft" in Jordanien aus. Seit langer Zeit ist auf dem jordanischen Markt die russisch-jordanische Außenhandelsfirma "Kamaz Middle East" tätig, die den Absatz, den Service und Wartung von russischen Kamaz-Lkws in der gesamten Region übernommen hat. Auf Jordaniens Markt arbeiten russische Gesellschaften, die Walzgut und Sägewaren exportieren, darunter - über jordanische Firmen - nach Irak. Russische Unternehmen nutzen weitgehend die Möglichkeiten jordanischer Firmen bei der Lieferung von diversen Lebensmitteln (Milchpulver, Palmenöl) an Irak.

Im Dezember 2002 und Ende Februar 2004 wurden in Amman russische Handels- und Industrieausstellungen veranstaltet.

Am 3. September 2004 fand in Moskau ein russisch-jordanisches Geschäfts-Forum statt, an dem sich Vertreter aus dem Unternehmertum Jordaniens beteiligten. Das Forum wurde von König Abdallah II., der damals in Moskau weilte, besucht.

Im Februar 2004 kam ein Regierungsabkommen über Zusammenarbeit im Tourismus zustande.

Was die weitere Entwicklung der Handels- und Wirtschaftsbeziehungen hemmt, ist die Tatsache, dass eine vertragsrechtliche Basis und ein Mechanismus wie eine gemischte Regierungskommission für Handels- und Wirtschaftszusammenarbeit fehlen. Russisch-jordanische Abkommen über den Handel, den Schutz und die Stimulation von Investitionen und über die Vermeidung der Doppelbesteuerung werden zur Unterzeichnung vorbereitet.

Die Kulturkontakte zwischen Russland und Jordanien sind immer noch eher beschränkt. Recht oft kommen nach Jordanien russische Künstler-, Musiker- und Tanzgruppen, darunter auch aus den moslemischen Republiken im Nordkaukasus. Im Bildungswesen werden bestimmte Kontakte zwischen den Hochschulen beider Länder angebahnt, immer mehr Jordanier studieren in Russland.

Im Februar 2002 schlossen RIA Novosti und die jordanische Nachrichtenagentur "Petra" ein Abkommen über Zusammenarbeit ab.

Die Zahl der Menschen in Jordanien, die Russisch beherrschen, übersteigt laut inoffiziellen Schätzungen 30 000. Die russische Sprache wird an drei staatlichen Universitäten unterrichtet. [ RIA Novosti  / russland.RU ]