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12-10-2012 Russland und Nahost
Heftige Spannungen zwischen Russland und Türkei - Türkische Armee zwang Airbus auf Weg nach Syrien zur Landung


Ankara/Moskau – Die von türkischen Kampfjets erzwungene Landung einer aus Moskau kommenden Passagiermaschine hat heftige Spannungen zwischen der Türkei und Russland ausgelöst. Das russische Außenministerium warf Ankara am Donnerstag vor, das Leben der Insassen der syrischen Maschine gefährdet zu haben. Syrien verlangte seinerseits die sofortige Rückgabe der Fracht, die von der Türkei als verdächtig eingestuft und beschlagnahmt wurde.




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"Wir sind besorgt, dass diese Notsituation das Leben und die Sicherheit der Passagiere gefährdet hat, unter denen 17 russische Bürger waren", betonte das Außenministerium in Moskau und forderte von der türkischen Regierung eine Erklärung. Staatschef Wladimir Putin verschob einen für Montag geplanten Besuch in Ankara. Das türkische Außenministerium wies die Vorwürfe aus Moskau und Damaskus zurück.

Türkische Kampfflugzeuge hatten am Mittwoch den Airbus A-320 der syrischen Fluggesellschaft SyrianAir auf dem Weg von Moskau nach Damaskus zur Landung in Ankara gezwungen. Nach Angaben Ankaras wurde an Bord eine "illegale Ladung" beschlagnahmt, die meldepflichtig gewesen sei.

In türkischen Medienberichten hieß es, die Ermittler hätten rund 300 Kilogramm militärische Güter beschlagnahmt, die für das Verteidigungsministerium in Damaskus bestimmt gewesen seien. Möglicherweise handele es sich um Raketenteile oder Kommunikationstechnik.

Russland bestritt die Vorwürfe. Wenn Russland Militärausrüstung oder Waffen an Syrien hätte liefern wollen, wäre dies gemäß den Regeln, nicht auf illegalem Wege geschehen und "vor allem nicht mit Zivilisten an Bord des Flugzeuges", sagte der Vertreter der Rüstungsexportbehörde der russischen Nachrichtenagentur Interfax.

Am Donnerstag konnte die Maschine mit 35 Passagieren an Bord ihren Flug nach Damaskus fortsetzen. Die syrische Führung forderte die vollständige Rückgabe der beschlagnahmten Fracht. Ankara habe ein "feindliches und strafbares Verhalten" an den Tag gelegt. Der Vorfall sei ein weiterer Beleg für die "feindselige Politik" der Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan, die syrischen Aufständischen Schutz gewähre und syrisches Territorium bombardiere, hieß es in einer Erklärung des Außenministeriums in Damaskus. Die staatliche Fluggesellschaft SyrianAir warf der Türkei vor, die Besatzung sei "angegriffen" worden, nachdem sie sich geweigert habe, eine angebliche Notlandung ihrer Maschine zu bezeugen.

Türkische Militärjets hätten den Airbus zur Landung gezwungen, ohne den Piloten vorzuwarnen. Die Kampfflugzeuge seien der Passagiermaschine so nahe gekommen, dass ein Unfall hätte geschehen könne, sagte die Syrian-Air-Chefin. Die Maschine mit 35 Passagieren an Bord konnte am Donnerstagmorgen ihren Flug nach Damaskus fortsetzen. Laut der amtlichen Nachrichtenagentur Sana landete das Flugzeug um 05.10 Uhr (Ortszeit, 04.10 Uhr MESZ) in Damaskus.

Seit Beginn des Syrien-Konflikts haben sich die einstigen Verbündeten Ankara und Damaskus entzweit, die Regierung Erdogan verurteilt das Vorgehen Assads und fordert dessen Rücktritt. In der vergangenen Woche eskalierte der Konflikt an der Grenze, nachdem syrische Artilleriegeschosse in einem türkischen Grenzort einschlugen und fünf Zivilisten töteten.

Derweil verschob Russlands Präsident Wladimir Putin eine für kommende Woche geplante Reise in die Türkei. Über die neuen Daten werde noch eine Einigung gefunden worden, sagte ein Sprecher Putins in Moskau. Medienberichten zufolge war die Reise ursprünglich für kommenden Montag geplant gewesen, offiziell wurde dies aber nicht bestätigt. Auch zu den Gründen der Verschiebung wollte der Sprecher nichts sagen.

Zuvor hatte Russland von der Türkei eine Erklärung für die Intervention gegen das syrische Flugzeug gefordert. "Wir sind besorgt, dass diese Notsituation das Leben und die Sicherheit der Passagiere gefährdet hat, unter denen 17 russische Bürger waren", erklärte das Außenministerium am Donnerstag in Moskau.

Moskau fordert von Ankara Erklärungen, warum die Konsularmitarbeiter und der Arzt nicht zu den russischen Bürgern, die mit der "Syrischen Fluglinie" geflogen waren, gelassen worden sind, erklärte der Sprecher des Außenministeriums Lukaschewitsch.

"Wir sind darüber besorgt, dass in dieser außerordentlichen Situation das Leben und die Sicherheit von Passagieren, unter denen sich 17 russische Bürger befanden, in Gefahr gebracht wurden", heißt es im Kommentar der diplomatischen Behörde. "Die russische Botschaft in Ankara hat von türkischen Behörden gefordert, den Zugang zu den russischen Bürgern zu gewährleisten. In den Flughafen wurden die Konsularmitarbeiter und ein Arzt gesendet", präzisierte man im Außenministerium Russlands.

"Aber türkische Behörden haben ohne Erklärung von Ursachen, die bilaterale Konsularkonvention verletzend, den Diplomaten das Treffen mit unseren Bürgern untersagt und diese acht Stunden lang nicht aus dem Gebäude des Flughafens hinausgelassen. Ihnen wurde von Zeit zu Zeit gestattet, auf das Flugfeld hinabzusteigen. Mit den Lebensmitteln wurden sie nicht versorgt", stellte Lukaschewitsch fest.

Die russische Seite "beharrt auf Erklärungen der Ursachen solcher Handlungen seitens türkischer Behörden in Bezug auf die russischen Bürger und darauf, dass Maßnahmen zur Nichtzulassung solcher Zwischenfälle in der Zukunft getroffen werden".

[russland.RU]
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