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07-11-2005 Oktoberrevolution
Immer mehr Russen sympathisieren mit der Oktoberrevolution und ihren Führern
Die Einstellung der russischen Bürger gegenüber der Oktoberrevolution hat sich nach dem Zusammenbruch der KPdSU und dem Zerfall der UdSSR beträchtlich verbessert, schreibt die "Iswestija" am Montag.

Die Sympathien eines größeren Teils der Gesellschaft gehören weiterhin den Roten, mehr als die Hälfte der Bürger ist positiv gegenüber dem Führer der Oktoberrevolution, Wladimir Lenin, eingestellt. Diese Angaben veröffentlichten das Meinungsforschungsinstitut WZIOM und die soziologische Gesellschaft "Baschkirowa i Partnjory" im Vorfeld des Jahrestages der Oktoberrevolution am 7. November.

WZIOM registrierte gegenüber 1990eine wesentliche Zunahme der Anzahl der Bürger, die die Ereignisse vom Herbst 1917 positiv bewerten. Hatte damals nur ein Fünftel der Gesellschaft die Meinung vertreten, die Revolution habe eine neue Ära in der Geschichte Russlands eröffnet und die soziale sowie wirtschaftliche Entwicklung des Landes angespornt, so vertritt heute ein Drittel der Bevölkerung diese Meinung.

Nach Angaben des Meinungsforschungsinstituts FOM ist der 7. November für 42 Prozent der russischen Bürger weiterhin ein "besonderer, wichtiger und bedeutender Tag".

Bemerkenswert ist die Einstellung der Bürger gegenüber den Hauptfiguren jener Zeit. Die Popularität der Bolschewiken im heutigen Russland ist viel höher als die deren Opponenten, heißt es bei der Gesellschaft "Baschkirowa i Partnjory". Während Wladimir Lenin von 55 Prozent der Russen, der Chef der bolschewistischen Sicherheitsbehörde WTschK, Felix Dserschinski, von 46 Prozent und Jossif Stalin von 37 Prozent positiv bewertet wird, so sind die Spitzenfiguren der Weißen Bewegung wesentlich weniger populär (die einzige Ausnahme ist der letzte Zar Nikolaus II., für den mehr als 40 Prozent der Befragten sympathisierten).

Allerdings räumen die Soziologen ein, dass die Popularität der "Revolutionsführer" unter den Jugendlichen wesentlich geringer ist als bei den Vertretern höherer Altersgruppen.

Im Meinungsforschungsinstitut "Lewada-Zentrum" wird auf eine weitere Besonderheit hingewiesen: Der Anteil der russischen Bürger, die die Bolschewiken aktiv unterstützen würden, sollten sich die Ereignisse vom Oktober 1917 wiederholen, ist innerhalb von 15 Jahren von 32 auf 17 Prozent zurückgegangen. Auf die Seite des Lagers der Verlierer würden sich dabei nur sieben Prozent mit der Waffe in der Hand stellen. Insofern wäre der Ausgang einer ähnlichen Revolution heute der gleiche gewesen wie vor 88 Jahren.

WZIOM stellt fest, dass die Sympathien der heutigen Einwohner Russlands für die Roten mit 22 Prozent beträchtlich stärker sind als für die Weißen (acht Prozent). Die Konfrontation, deren Ursache nach Ansicht einer Mehrheit der Befragten, in einer "schweren Lage des Volkes" bestanden habe, sei noch nicht beendet, meint jeder vierte Teilnehmer der WZIOM-Umfrage. (RIA)