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07-11-2003 Oktoberrevolution
Die Tragödie eines Volkes
Die Epoche der russischen Revolution 1891 bis 1924
von Figes, Orlando <übersetzt von: Conrad, Barbara> (England)

Zu Recht ist dieses Werk inzwischen zum Standartwerk über die Russische Revolution geworden.
Wie kein anderer vor ihm und seit ihm versteht es Orlando Figes, sein ungeheures Wissen spannend mit schriftstellerischer Brillanz vorzutragen. Ein Genius unter den Historikern! Den Vorteil, von außen, rückblickend die Geschichte betrachten zu können, verbindet er mit einer hervorragenden Intuition für dieses Volk, diese Kultur.


Diese Intuition, seine Liebe zu und sein Verständnis für das russische Volk läßt ihn tief in die Mentalität dieses Volkes eintauchen läßt. Er muß in einem früheren Leben einmal ein geistig hochstehender Russe gewesen sein (vielleicht Dekabrist?) – werden manche sagen.

Bemerkungen:
Orlando Figes’ »Die Tragödie eines Volkes« ist Geschichtsschreibung auf höchster Ebene. Dieses Buch ist ein Ereignis – in England wurde es mit mehreren Wissenschaftspreisen ausgezeichnet.

„Mein Ziel war es“, schreibt Figes im Vorwort, „das Chaos dieser Jahre aufzuzeigen, wie es gewöhnliche Frauen und Männer empfunden haben müssen. Ich habe versucht, die Revolution nicht als einen Aufmarsch abstrakter gesellschaftlicher Kräfte und Ideologien vorzuführen, sondern als einen historischen Prozeß, der sich aus individuellen Tragödien zusammensetzt.“ Die »Tragödie eines Volkes« wird bereits jetzt (1998) von der amerikanischen und britischen Kritik wie auch von ausgewiesenen Kennern – unter ihnen die Historiker Eric Hobsbawm, Norman Stone und John Keep als Standardwerk gefeiert. Aus einer Fülle von Augenzeugenberichten erschafft Figes ein Gemälde dieser Zeit der Wirren und erweitert die gängige Geschichtsschreibung um den Erlebnishorizont. In ihren Tagebüchern und privaten Aufzeichnungen melden sich die unterschiedlichsten Zeitgenossen zu Wort: vom englischen Botschafter in Rußland über den progressiven Bauern Semjonow bis hin zu Maxim Gorki, dem weltberühmten Literaten und kritischen Beobachter der Revolution. Dabei wird gerade die Grausamkeit dieser Epoche fühlbar. So setzt das Werk chronologisch ein mit der Hungersnot von 1891, die schonungslos die Rückständigkeit und Ignoranz des Zarismus und des Beamtenapparates offenbart. Die um die Jahrhundertwende freigesetzten sozialen Kräfte und die hoffnungsvollen Erwartungen der Menschen werden jedoch mit der Oktoberrevolution gedämpft und am Ende eines jahrelangen und blutigen Bürgerkrieges gänzlich unterdrückt. Nach Lenins Tod im Jahre 1924 sind schließlich die Weichen hin zum stalinistischen Terror gestellt.

Orlando Figes zieht am Ende unseres gewaltsamen Jahrhunderts ein Fazit, das von der Einsicht getragen wird, daß im Namen abstrakter Ideen, seien sie progressiv oder reaktionär, kein Leid gerechtfertigt werden kann. Sein äußerst vitales und spannend zu lesendes Buch nimmt allein Partei für die Menschen und wird so zu einem zutiefst ergreifenden Dokument, das überdies mit außergewöhnlichen Photographien ausgestattet ist. (Berlin Verlag)
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