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09-10-2006 Petersburger-Dialog 2006
Ramponiertes Image nach Mord an Top-Journalistin
Nach dem spektakulären Mord an der Reporterin Anna Politkowskaja gehen die Ermittler mehreren Spuren nach. Alle Hinweise führen zum Konflikt im Nordkaukasus, über den Politkowskaja häufig berichtet hatte.

Der Mord hat großes Echo in der Welt ausgelöst und kann das internationale Ansehen der russischen Behörden beschädigen, schreibt die russische Tageszeitung "Wedomosti" am Montag.

Wie die Sprecherin der Generalstaatsanwaltschaft, Marina Gridnewa, mitteilte, sehen die Ermittler das Attentat im Zusammenhang mit der Arbeit der Journalistin. Einer den Ermittlungen nahestehenden Quelle zufolge können hinter dem Mord föderale und tschetschenische Sicherheitsbehörden stecken, über die Politkowskaja in ihren Enthüllungsartikeln berichtete. Aber auch andere Kräfte in Tschetschenien gelten als verdächtig. Bereits 2001 hatte Politkowskaja bekannt gegeben, sie werde vom Polizisten Sergej Lapin mit Drohungen unter Druck gesetzt. Lapin wurde 2005 in Grosny wegen Kidnapping und Mord zu elf Jahren Haft verurteilt.

In einigen GUS-Staaten hatten Journalistenmorde nicht selten politische Auswirkungen. In der Ukraine machte die an die Macht gelangte "Orange-Opposition" das Regime Leonid Kutschmas für den Mord an Journalist Georgi Gongandse verantwortlich. Die Ermordung des Reporters Elmal Gussejnow in Baku (Aserbaidschan) im Jahre 2005 wurde der Opposition zur Last gelegt.

Der Mord an Politkowskaja werde kaum ernsthafte politische Folgen nach sich ziehen, sagt Nikolai Petrow vom Carnegie-Zentrum. Er stellt das Attentat in eine Reihe mit dem Mord an Bankenaufseher Andrej Koslow. Diese beiden Verbrechen lassen, so Petrow, auf einen zunehmenden Kampf der politischen Elite-Clans im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen 2008 in Russland schließen.

Ungeachtet dessen, dass Politkowskaja den tschetschenischen Premier Kadyrow oft kritisierte, wird der Mord keinerlei Auswirkungen auf die Beziehungen zwischen Moskau und Grosny haben, glaubt Inwer Kisrijew, Sektionsleiter für Kaukasus im Zentrum für Zivilisations- und Religionsforschungen der Russischen Akademie der Wissenschaften. Obwohl Kadyrows Umgebung auf kritische Artikel verärgert reagierte, hielten die Geheimdienste die Lage unter Kontrolle und ließen keine Straftaten zu, sagt ein Sprecher der russischen Geheimdienste.

Im Westen löste der Mord an Politkowskaja Bestürzung aus, teilte ein Sprecher des Londoner Instituts Chatham House mit. Nach dem Mord an Andrej Koslow verschaffe das Attentat Russland das Image eines instabilen Staates. [ RIA Novosti ]