russland.RU berichtet in Wort und Bild aus Russland und über Russland. Ungebunden, unabhängig und überparteilich. Ohne Vorurteile und Stereotypen versucht russland.RU Hintergründe und Informationen zu liefern um Russland, die Russen und das Leben in Russland verständlicher zu machen. Da wo die großen Verlage und Medienanstalten aufhören fängt russland.RU an.



15-10-2006 Petersburger-Dialog 2006
Gemeinsamer Kampf gegen Infektionskrankheiten
[Dresden/Petersburger Dialog]
russland.RU im Gespräch mit Prof. Dr. med. Helmut Hahn, Generalsekretär des Koch-Metschnikow-Forums

[russland.RU] Professor Hahn, auf dem 6.Petersburger Forum in Dresden haben Bundeskanzlerin Merkel und Präsident Putin ausdrücklich die dort vereinbarte Zusammenarbeit von deutschen und russischen Medizinern im Rahmen des Koch-Metschnikow-Forums gewürdigt. Worum geht es dabei?


[Prof. Hahn] Die Gründung des Koch-Metschnikow-Forums war ein Auftrag des 5. Petersburger Dialogs 2005 in St. Petersburg. Ziel ist, den Kampf von Medizinern und Forschern aus beiden Ländern gegen Infektionskrankheiten zu bündeln.

Aber schon seit 2001 gab es gemeinsame Projekte, beispielsweise zwischen dem Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie Berlin, dem Zentralen Tbc-Forschungsinstitut Moskau und der Medizinischen Universität Tomsk zur Immunologie der Tuberkulose, zwischen der Charité Berlin und dem Moskauer Aids-Zentrum zur Qualitätskontrolle der Arbeit infektionsdiagnostischer Laboratorien sowie klinische Studien zur Moxifloxacin-Therapie von Patienten mit hochresistenten Erregern zwischen der Staatlichen Universität Tomsk und Bayer Pharma. Außerdem haben wir gemeinsame deutsch-russische Kongresse zu infektologischen Themen - Tbc, Hepatitis, Infektionsimmunologie – organisiert.

Um diese Kooperation zu erweitern und ihr eine organisatorische Form zu geben haben sich haben sich auf Initiative der Berliner Medizinischen Gesellschaft und der Charité Berlin Infektionsspezialisten zum Koch-Metschnikow-Forum zusammengeschlossen. Eine gleichartige Einrichtung ist auf russischer Seite im Aufbau, wobei dort die Metschnikow-Akademie St. Petersburg und die Russische Akademie der Medizinischen Wissenschaften federführend sind. Die in Dresden in Anwesenheit der Kanzlerin und des russischen Präsidenten unterzeichnete Vereinbarung für die nächsten zehn Jahre ist das bisher umfangreichste Programm beider Länder in der medizinischen Zusammenarbeit.

[russland.RU] Was sind die wesentlichen Aufgaben des Koch-Metschnikow-Forums?

[Prof. Hahn] Ziel des KMF sind vor allem die Organisation gemeinsamer wissenschaftlicher Veranstaltungen, neue Kooperationsprojekte sowie der Nachwuchs- und Expertenaustausch. Zudem soll das Forum politische Entscheidungsträger unterstützen und nicht zuletzt deutschen Unternehmen die Möglichkeit bieten, ihre Marktpräsenz in Russland zu entwickeln.

Das neue Arbeitsprogramm ist auf zweimal fünf Jahre angelegt und sieht neben wissenschaftlich-praktischen Veranstaltungen zur gegenseitigen Information und Weiterbildung ein Austausch-Programm für Nachwuchsmediziner und den Austausch von Präparaten und technischen Mitteln vor.

Die neue Organisationsform auf zwischenstaatlichem Niveau wirkt sich natürlich auch positiv auf die politischen und materiellen Bedingungen unserer Arbeit aus. So hat uns das Bundesministerium für Bildung und Forschung eine Anschubfinanzierung für die Schwerpunkte Immunologie und Mikrobiologie gewährt. Gefördert werden unsere Projekte auch vom Deutsch-Russischen Forum, dem Deutschen Akademischen Austauschdienst sowie zahlreichen Unternehmen.

[russland.RU] Welche konkreten Vorhaben gibt es für die Zusammenarbeit?

[Prof. Hahn] Das KMF ist in Sektionen organisiert. Gegenwärtig sind das: Tuberkulose, Infektionskrankheiten, HIV/AIDS, Bluttransfusion und e-health.

Ganz konkret will die Sektion Tbk die wissenschaftliche Kooperation vor allem in der Grundlagenforschung entwickeln, wobei die Immunologie der Tuberkulose und Mikrobiologie mit Untersuchungen zur genetischen Empfänglichkeit im Vordergrund stehen. Eine wichtige Aufgabe ist aber auch, durch Weiterbildung und die Anwendung neuester Verfahren die Diagnostik auf diesem Gebiet in Russland verbessern.

Die Sektion Bluttransfusion hat die Qualitätskontrolle in den Mittelpunkt gestellt. Hier geht es darum, nationale und internationale Tests zu standardisieren, die Blutsicherheit nach den Maßgaben der WHO zu gewährleisten und bei Transfusionen durch das Blut übertragbare Krankheiten, wie Hepatitis, zu vermeiden.

Unser eigenes Webportal www.KMForum.eu ermöglicht einen schnellen, unkomplizierten Zugriff auf das in den jeweiligen Fachbereichen verfügbares Wissen. Eispielsweise findet sich dort das gesamte Fortbildungsprogramm des AIDS-Zentrums Moskau.

In der Zukunft wollen wir uns aber nicht auf Infektionskrankheiten beschränken. Geplant ist zum Beispiel eine Erweiterung um die Schwerpunkte Gynäkologie und Geburtshilfe, Rheuma, Rehabilitation sowie Krankenhausmanagement. Wir sind aber auch offen für neue Ideen.

[russland.RU] Neben der Zusammenarbeit in der Forschung nimmt die Aus- und Weiterbildung einen wichtigen Platz ein. Was ist in diesem Bereich vorgesehen?

[Prof. Hahn] Sehr viel. Das Angebot reicht von gegenseitigen Informationsbesuchen über Praktika in Einrichtungen des jeweils anderen Landes bis zu Studienaufenthalten. Die erste Bewährungsprobe haben wir inzwischen schon bestanden.

Kurz vor dem Petersburger Dialogs fand an der Charité in Berlin eine Summer School mit deutschen und russischen Nachwuchswissenschaftlern zu Infektionskrankheiten statt. Wir waren beeindruckt vom hohen Niveau der Teilnehmer und der von ihnen vorgestellten Arbeiten.

Die im Rahmen des Fortbildungsprogramms nach Deutschland kommenden Ärzte, Wissenschaftler und Forschern pflegen nicht nur einen äußerst nützlichen Erfahrungs- und Informationsaustausch zu ihrem Fachgebiet, sondern haben auch Gelegenheit, sich von der Leistungsfähigkeit der deutschen Medizin-Industrie zu überzeugen.

Um in allen Regionen Russlands eine optimale medizinische und wissenschaftliche Arbeit in der Infektiologie zu ermöglichen, streben wir mit den russischen Kollegen die Bildung von Stützpunkten in verschiedenen Landesteilen an.

Ich bin überzeugt, dass das Koch-Metschnikow-Forum einen wertvollen Beitrag zur Entwicklung der wissenschaftlichen Arbeit sowie zur Aus- und Weiterbildung des medizinischen Nachwuchses leistet und genauso bei der Vorbeugung und Behandlung von Infektionskrankheiten wirksam helfen kann.
[ hh / russland.RU – die Internet - Zeitung ]