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10-10-2006 Petersburger-Dialog 2006 Presse
Lausitzer Rundschau: Russischer Präsident zu Staatsbesuch in Deutschland Unsicherheit und Klarheit
Gerhard Schröder und Wladimir Putin, das war die vielzitierte "echte Männerfreundschaft" - mit Licht und Schatten. Sie war lange Zeit prägend für Klima und Umgang der beiden so verschiedenen Länder Deutschland und Russland. Der deutsche Kanzler nannte im Hoch seiner Gefühle den russischen Präsidenten einmal sogar einen waschechten Demokraten.

Seit dem Regierungswechsel in Berlin hat sich der Akzent der deutsch-russischen Beziehungen verschoben. Der oftmals allzu beflissenen Freundschaft folgte mit dem Kanzlerwechsel auf Angela Merkel eine eher nüchterne, gleichwohl aber sehr berechenbare und verlässliche Partnerschaft. Und das ist gut so. Nur mit der nötigen Distanz können auch kritische Punkte ungeschminkt angesprochen werden: die brutale Ermordung der prominenten Journalistin Anna Politkowskaja in Moskau zum Beispiel, die unterdrückte Meinungs- und Pressefreiheit im östlichen Riesenreich oder die gefährlichen Streitereien mit Georgien und der Ukraine.

Die Unsicherheit über Moskaus künftigen Kurs ist riesengroß - auch in Berlin. Zwar ist Russland heute keine Supermacht mehr, umgeben von willfährigen Satellitenstaaten. Aber dank Putins politischem Geschick ist Moskau doch wieder ein gewichtiger Akteur auf der weltpolitischen Bühne. Und das Riesenreich ist ein Rohstoff- und Wirtschaftsgigant mit enormen Wachstumsraten. Das bietet Deutschland, Moskaus Wunschpartner in Europa, große Chancen. Der Handel boomt. Eine dank Öl- und Erdgas-Milliarden gut gefüllte Kasse verleiht Putin aber auch ein neues enormes Selbstbewusstsein. Merkel ist davor gestern in Dresden nicht eingeknickt. Sie hat die westlichen Werte gegenüber dem Russen in der gebotenen Klarheit hochgehalten, ohne die beiderseitigen wirtschaftlichen Interessen zu gefährden. Außenpolitik, dieses anspruchsvolle Instrument, beherrscht Kanzlerin Merkel.