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16-10-2006 Weltraum
Die russische Weltraumverteidigung - Zurück in die Zukunft
[von Generaloberst Wladimir Popowkin, Befehlshaber der Weltraumtruppen des Verteidigungsministeriums der Russischen Föderation] Das Raketen-Warnsystem der Weltraumtruppen hat dieses Jahr Grund zum Feiern. Die Entwicklung der neuen Funkmess-Station Woronesch-M wird abgeschlossen. Im Gebiet Leningrad finden die Tests dazu statt.



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Die Eigenschaften solcher Stationen wurden verbessert und bedeuten gleichzeitig einen wesentlich geringeren Zeit-, Personal- und Materialaufwand bei der Stationierung, Betrieb und Bedienung.

Durch die Inbetriebnahme wird das Funkmessbereich wiederhergestellt, das nach der Schließung der russischen Funkmess-Station nah des lettischen Orts Skrunde vor sieben Jahren stark beeinträchtigt wurde. Wir haben vor, gegen Jahresende die Station in das Versuchs- und 2007 in das diensthabende System zu stellen.

Es ist geplant, solche Funkmess-Stationen sowohl an den wichtigsten Punkten als auch in neue raketengefährdete Richtungen aufzustellen. In erster Linie werden dadurch die alten Stationen im Ausland abgelöst: in Aserbaidschan, zwei Stationen in der Ukraine sowie Stationen in Kasachstan und Weißrussland. Die vorrangige strategische Ausrichtung, in der sie aufgestellt werden, befindet sich im Süden. Mit einem solchen Netz wird das Hauptproblem der Aufrechterhaltung des peripheren Funkmess-Felds des Raketen-Warnsystems überwunden, das nach dem Zerfall der UdSSR entstanden ist.

Fünf Jahre Weltraumtruppen

Im Jahr 2006, dem ersten Jahr des föderalen 10-Jahres-Weltraumprogramms, wurde die Finanzierung der Weltraumerschließung von Russland im Vergleich zu 2005 gleich um ein Drittel erhöht. Die Mittel dafür werden das staatliche Rüstungsprogramm von 2007 bis 2015 und die föderalen Zielprogramme "Das globale Navigationssystem" und "Die Entwicklung der russischen Kosmodrome in den Jahren 2006 bis 2015" bereitstellen - im Interesse von Verteidigung und Sicherheit. Doch nimmt Russland, der ehemalige Spitzenreiter bei der Weltraumerschließung (im kommenden Jahr jährt sich zum 50. Mal der Start des ersten russischen Satelliten in der Welt), mit Blick auf den Etat für den Weltraum nur den sechsten Platz in der Welt ein. Unser Land bleibt nicht nur hinter den USA, sondern auch hinter China und Indien zurück. In der zweiten Hälfte der 90er Jahre ging das kosmische Militärpotential Russlands auf ein maximal zulässiges Niveau zurück und befand sich bei einigen Systemen am Rande nicht wieder wettzumachender Verluste. Zum Beispiel die Orbitalgruppierung des Globalen Navigations-Satellitensystems (GLONASS) verringerte sich von 24 Satelliten im Jahr 1995 auf acht im Jahr 2001. Im Ganzen ging die Orbitalgruppierung Russlands von 186 auf heute 94 bis 97 Satelliten zurück.

Das Ende der Krise der Weltall-Militärisierung und in der Weltraum-Raketenverteidigung, das Stoppen des quantitativen und qualitativen Verfalls des Zustands der Orbitalgruppierung und der Bodeninfrastruktur wurden zur Hauptaufgabe der Weltraumtruppen in den fünf Jahren ihres Bestehens.

Auch die Schaffung von Voraussetzungen für ihre Wiederherstellung und effektiver Lösungen der gestellten Aufgaben waren dabei von Wichtigkeit.

Im kommenden Jahr gehen die Weltraumtruppen zu Starts von vorwiegend neuen Satelliten für militärische Zwecke nach den Flugtests und zum Aufstellen der Orbitalgruppierung über. Es ist geplant, 2009 bis 2010 einen solchen Übergang praktisch bei allen Schlüsselfunktionen abzuschließen. Die Zahl der angewendeten kosmischen Raketen verringert sich. Gleichzeitig wird zunehmend auf die Nutzung von hochtoxischen Komponenten des Raketentreibstoffes verzichtet und die Aufgabe des Übergangs zu umweltverträglichen Trägerraketen gelöst.

Zu einer besonders gefragten Trägerrakete für die Starts von Weltraumapparaten militärischer Bestimmung muss im nächsten Jahrzehnt die Rakete mittlerer Klasse Sojus-2 gezählt werden, die nach einer umfassenden Modernisierung der zuverlässigen umweltverträglichen Raketen des Typs Sojus entwickelt wurde, die zur Bewaffnung gehören. Eine der vorrangigen Aufgaben bei der Entwicklung der Träger ist der Bau der Startanlage Angara im Kosmodrom Plessezk auf Basis einer einheitlichen Reihe von umweltverträglichen Raketen, selbst schwerer Klasse. Die ersten Starts der Angara-Raketen nach Flugtests sind in den Jahren 2010 bis 2011 geplant.

In diesem Jahr wurden die Arbeiten an der GLONASS-Entwicklung im Auftrag des Präsidenten und durch einen Beschluss der Regierung beschleunigt. In diesem Zusammenhang ist geplant, 2006 drei Satelliten GLONASS-M mit der festgelegten Dauertätigkeit von sieben Jahren und 2007 noch sechs solcher Satelliten in den Weltraum zu schicken. Ab 2008 ist die Einführung der neuen Generation GLONASS-K ins Satellitensystem mit der festgelegten Dauertätigkeit von zehn bis zwölf Jahren geplant. Dadurch wird die Orbitalgruppierung des GLONASS-Systems strukturell 24 Satelliten haben. Vier davon sollen zehn bis zwölf Jahre im Einsatz sein.

Zu den Problemen, die die Weltraumtruppen gemeinsam mit der Föderalen Raumfahrtagentur (Roskosmos) lösen, zählen: die zeitlichen Verzögerungen in der Entwicklung und der Aufnahme von aussichtsreichen Systemen und Komplexen in die Bewaffnung; die sich abzeichnende negative Tendenz von Qualitätsmängeln der gelieferten Waffenmuster; massive Ressourcen- und demographische Beschränkungen, die neue Vorgehensweisen und Richtungen sowohl bei der Erhaltung und Entwicklung von kosmischen Systemen und der Weltraum-Raketenverteidigung fordern, als auch eine effektive Bereitschaft und Verwendung für die Verteidigung und Sicherheit des Staates notwenig machen.

Eben durch diese Beschränkungen können nicht alle Komponenten des militarisierten Kosmos auf einmal auf das erforderliche Niveau gebracht werden, Russland muss nur sukzessiv handeln. "Heute gibt es ein Mißverhältnis im Entwicklungstempo der Orbital- und der Bodeninfrastruktur - das Zurückbleiben hinter führenden Weltmächten, in erster Linie hinter den USA, in der Kontrolle über den Weltraum nimmt zu. Die Übergabe von Aufgaben, die für die Weltraumtruppen nicht bedeutungslos sind, in die zivile Zuständigkeit wurde nicht endgültig geklärt.

Luft- und Weltraumverteidigung

Auf die Luft- und Weltraumverteidigung eingehend, kann man unterstreichen, dass dies nur eine der strategischen Aufgaben der russischen Militärorganisation neben Aufgaben der strategischen Abschreckung und Handlungen der allgemeinen Kräfte ist.

Im staatlichen Rüstungsprogramm für 2007 bis 2015 sind Arbeiten vorgesehen, die auf das Konzept für die Luft- und Weltraumverteidigung bis zum Jahr 2016 und länger gerichtet sind. Das beschlossene Konzept regelt gänzlich die Hauptrichtungen und -etappen der Luft- und Weltraumverteidigung für 20 bis 30 Jahre.

Die Entscheidungen über die Aufgabenverteilung bei der Abwehr eines Weltraum-Angriffs verschiedenster Art unter Einheiten der Luft- und Weltraumverteidigung Russlands sind getroffen, die verhältnismäßig selbständig untereinander zusammenarbeiten. Dabei wurde die Entwicklung der Integrationsprozesse für die Abwehr von potentiellen Gefahren maßgeblich auch für reale Angriffe ausländischer Staaten bestimmt.

Bei den Fragen einer weiteren Integration von Kräften und Mitteln, die die Verwendung von kosmischen Systemen und Komplexen lösen, halten wir an der Position der vernünftigen Zweckmäßigkeit fest. Hierzu sind vor allem die Entwicklung und die Verwendung nicht eines, sondern einiger integrierter kosmischer Systeme dienlich: Aufklärungssatelliten, Nachrichtensatelliten, Navigationssatelliten und geodätische Satelliten.

Heute beobachten wir in der Welt eine klare Tendenz nach einer wichtig werdenden Rolle von kosmischen Mitteln - sowohl bei der Sicherung der militärischen Macht als auch für den Wohlstand führender Weltstaaten. Im Militärwesen sind die kosmischen Systeme und Komplexe unterschiedlicher Bestimmung der wichtigste Bestandteil der technischen Basis, die eine Informationsüberlegenheit schafft. Somit werden heute die kosmischen Ressourcen zu einem lebenswichtigen Gegenstand von staatlichen Interessen im wirtschaftlichen, politischen und militärischen Bereich.

Objektiv betrachtet, kann der Kampf um diese Ressourcen und deren Kontrolle in überschaubarer Zukunft zur Erweiterung des Bereiches der militärischen Handlungen, einschließlich zu seiner Ausdehnung auf den Kosmos, führen. Russland ist ein prinzipieller Gegner dieses Szenarios und gibt sich alle Mühe, es zu verhindern. Aber bei uns werden wie auch in den meisten im Welttraum vertretenen Staaten Fragen zum Schutz der eigenen Satelliten und kosmischen Ressourcen gegen mögliche diskriminierende Handlungen diskutiert. Wenn kosmische Angriffsmittel von ausländischen Staaten entwickelt und entfaltet werden, so muss die Russische Föderation darauf gefasst sein, adäquate defensive und offensive Maßnahmen zu ergreifen.

Auf dem Gebiet der Weltraum-Militarisierung werden wir auf die Verwendung von unbemannten Flugkörpern setzen. Und das ist durchaus logisch. Spricht man über die Möglichkeit der Kosmosnutzung zu friedlichen Zwecken, sieht das föderale Weltraumprogramm unseres Erachtens eine ausgeglichene Entwicklung der beiden Richtungen, der bemannten und der unbemannten, vor. Die Weltraumtruppen nahmen an der Ausarbeitung und Abstimmung des Programms teil und beteiligen sich heute an dessen Umsetzung - unter anderem bei der Flugleitung der Internationalen Raumstation. [ RIA Novosti ]