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06-10-2007 Weltraum
Russland: Geschichte und Zukunft der Raumfahrt
[von Oksana Burjak] Der Start des sowjetischen Sputniks, des ersten künstlichen Erdsatelliten, hat ein neues Kapitel in der Raumforschung eingeleitet und die Berufswahl vieler Menschen beeinflusst.



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Auch alle Teilnehmer der russisch-niederländischen Videokonferenz „Geschichte und Zukunft der russischen Raumfahrt. 50. Jahrestag des Starts des ersten Erdsatelliten“ gehören dazu.

Die Konferenz fand am 4. Oktober 2007 bei RIA Novosti statt. „1957 habe ich meinen Beruf bewusst gewählt“, sagte Fliegerkosmonaut Alexander Serebrow. Sein jüngerer Kollege Sergej Krikaljow glaubt, dass der Sputnikstart sowie der Flug Juri Gagarins als erster Mensch ins All für die Berufswahl vieler Jungen und Mädchen in den 1960er und 1970er Jahren entscheidend gewesen war. Auch für den niederländischen Astronauten André Kuipers, der gemeinsam mit russischen Kosmonauten an einer Weltraumexpedition teilgenommen hat, spielte der Sputnik die entscheidende Rolle. „Ich wurde ein Jahr nach dem Sputnik-Start geboren. Dieser Start war für mich und die ganze Menschheit sehr wichtig. Ich hatte niemals gedacht, dass ich, ein niederländischer Arzt, einmal mit russischen Kosmonauten ins All fliegen würde. Dass das geschehen ist, habe ich Russland und der Sowjetunion zu verdanken.“

Die Erfolge der zurückliegenden 50 Jahre sind kaum zu überschätzen. Dennoch sind die russischen Konferenzteilnehmer davon überzeugt, dass man keinesfalls die Hände in den Schoß legen darf. Sergej Samburow, Urenkel des russischen Forschers Konstantin Ziolkowski (1857/1935), ist sich dessen sicher, dass sein Urgroßvater, der als Pionier der theoretischen Raumfahrt in die Geschichte eingegangen ist, mit den Errungenschaften der vergangenen Jahre zufrieden gewesen wäre. Zugleich setzt sich Samburow für den Bau von Gewächshäusern an Bord von Raumschiffen ein, wie dies vom Ziolkowski-Plan vorgesehen war, um ein autonomes Lebensicherungssystem zu schaffen. „Nur dann können wir weiter ins All vordringen.“

Raumfahrer Alexander Serebrow verspricht sich von der Entwicklung der Raumfahrt unter anderem eine neue Philosophie für die Menschheit.

Laut Sergej Krikaljow sind interplanetare bemannte Flüge bereits in absehbarer Zukunft möglich. „Aus technischer Sicht sind bereits alle Fragen gelöst. Nur finanzielle und medizinische Fragen sind noch offen“, pflichtete ihm Serebrow bei.

Laut Krikaljow wollen russische Forscher gebrauchte Raumanzüge, die normalerweise entsorgt werden, künftig für den Schutz von Satelliten verwenden. Das Projekt heiße Radioskaf.

Außerdem erklärte sich Krikaljow bereit, an der Erprobung des digitalen Raumschiffes Sojus teilnehmen, an dem der russische Raketenhersteller Energija derzeit baut.

Krikaljow ist stellvertretender Generaldirektor von Energija. Die russische Raumfahrt hat laut Krikaljow gute Aussichten. „Nach der Unterfinanzierung und dem Abfluss von hochkarätigen Fachkräften in den 1990er Jahren wendet sich die Situation allmählich zum Besseren“, stellte er fest. Sein Kollege Serebrow sieht große Probleme bei der Ausbildung des Kadernachwuchses. „Enthusiasmus kann man nicht ewig ausbeuten. Man hat das bereits begriffen. Nun zeichnet sich eine Verbesserung ab“, sagte Serebrow, der als Präsident des Russischen Jugendverbandes für Luft- und Raumfahrt seit Jahren den Nachwuchs heranbildet.

Der niederländische Astronaut Kuipers legt großen Wert auf eine weitergehende internationale Zusammenarbeit. „Ich freue mich auf die Internationale Raumstation und auf die Zusammenarbeit zwischen den Supermächten. Ich habe sehr angenehme Gefühle, wenn ich an den gemeinsam Flug mit meinen russischen Kollegen zurückdenke.“ [ ria novosti ]