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28-01-2008 Weltraum
GLONASS: Raumfahrtexperte rechtfertigt Kritik von Iwanow
Die von Russlands Vizeregierungschef Sergej Iwanow geübte Kritik am Navigationssystem GLONASS ist nach Ansicht russischer Raumfahrtexperten berechtigt.




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"Gegenwärtig sind 16 der erforderlichen 18 GLONASS-Satelliten im Orbit, von denen nur 13 funktionstüchtig sind", sagte Nikolai Testojedow, Chefkonstrukteur und Generaldirektor der Forschungs-Produktions-Vereinigung für angewandte Mechanik "Reschetnew" (Schelesnogorsk bei Krasnojarsk in Sibirien), in dem GLONASS-Raumapparate entwickelt und gebaut werden, am Montag.

Am vergangenen Mittwoch hatte Iwanow in einer Sitzung des Kollegiums der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos auf mehrere Mängel des Projekts hingewiesen: Die Präzision des GLONASS-Systems entspreche nicht den modernen Anforderungen. Zudem sei nicht das gesamte Territorium Russlands vom System erfasst.

Testojedow zufolge gibt es bislang in Geschäften noch keine GLONASS-Empfänger russischer Produktion. Die unzureichende Zahl der Satelliten erklärte der Experte damit, dass nach dem Start von sechs Raumapparaten GLONASS-M im Oktober und Dezember 2007 zwei Satelliten außer Betrieb gesetzt werden mussten, weil ihre Betriebszeit von drei Jahren bereits abgelaufen war. Somit würden vom System jetzt 95 Prozent des russischen Territoriums erfasst.

Die Raumapparate sind nach Testojedows Worten zuverlässig genug. Die garantierte Betriebszeit betrage drei Jahre. Bei den oben genannten 13 Raumapparaten sei diese Zeit noch nicht abgelaufen. "Ab 2009 soll sich das GLONASS-System nur aus neuen GLONASS-M-Satelliten zusammensetzen, die im Laufe von bis zu sieben Jahren aktiv sein können... Ich bin sicher, dass das GLONASS-System Anfang 2009 die geplanten Parameter erreichen wird. Mit dem Start eines jeden Satelliten wird der Grad der Erfassung der Erdoberfläche größer. Gegenwärtig sind vom GLONASS-System 83 Prozent der Erde abgedeckt", sagte der Wissenschaftler.

Das russische globale Satelliten-gestützte Navigationssystem GLONASS - ein Analogon für das US-amerikanische System GPS -, war im Jahr 1993 in den Dienst gestellt worden. Der Gruppierung sollen insgesamt 24 Satelliten angehören. Das System soll sowohl für das Militär als auch für zivile Nutzer auf dem russischen Territorium bereits beim Einsatz von 18 Raumapparaten im Orbit funktionieren.

Das GLONASS-System eignet sich für die Ortung und die Bestimmung der Geschwindigkeit von See-, Luft- und Bodenobjekten, darunter auch Menschen, mit einer Genauigkeit von einem Meter. Das System sollte ursprünglich ab Ende 2007 landesweit und gegen Ende 2009 in globalem Maßstab funktionstüchtig werden.

Ganz moderne GLONASS-K-Apparate, die gegenwärtig vom "Reschetnew"-Unternehmen entwickelt werden, sollen eine Betriebsdauer von etwa zehn Jahren haben. Im "Reschetnew"-Betrieb werden mehr als 70 Prozent aller russischen Satelliten militärischer, ziviler und doppelter Zweckbestimmung gebaut. RIA Novosti