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07-11-2011 Weltraum
Simulierte Mars-Mission verlief nicht ohne Spannungen unter Crew-Mitgliedern


Moskau - Zwei Tage nach Ende der simulierten Mars-Mission in Moskau hat ein russischer Wissenschaftler über zwischenmenschliche Probleme unter den sechs Crew-Mitgliedern berichtet. Es seien Unstimmigkeiten wegen ungleicher Arbeitsverteilung aufgetaucht, sagte der Projektverantwortliche Alexander Suworow am Sonntag der Webseite gazeta.ru. Einige Teilnehmer hätten viel arbeiten müssen, während andere eher passiv gewesen seien. Zudem sei es zu Neid unter den Teilnehmern gekommen, wenn einer mehr Nachrichten von den Liebsten erhielt als die anderen Teilnehmer des Experiments.




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Seit Juni 2010 waren die sechs "Astronauten" eingesperrt, um einen Flug zum Mars und zurück zu simulieren. Die Europäische Raumfahrtbehörde (ESA) und ihre Partner, darunter vor allem das russische Institut für Biomedizinische Probleme, sehen das "Mars500"-Experiment als wichtigen Schritt, um die Machbarkeit einer Mars-Mission zu belegen. Sie erforschten, inwieweit der monotone Alltag, das Zusammenleben auf engstem Raum und der Leistungsdruck Stress, Depressionen oder Spannungen bei einem Flug zum Roten Planeten auslösen können. Höhepunkt der Mission war im Februar die "Landung" auf dem Mars, nach der drei Mitglieder der Crew in voller Astronautenmontur den imitierten Roten Planeten erkundeten.

Wie bei einer echten Mission konnte die Crew mit Familie und Freunden nur noch von Zeit zu Zeit in Kontakt treten – richtige Gespräche waren nicht möglich, denn die Kommunikation mit der "Bodenstation" fand genauso wie im Weltraum mit wachsender Entfernung von der Erde zeitverzögert statt – im schlimmsten Fall bis zu 20 Minuten in eine Richtung. Um das Experiment relativ lebensecht zu machen, musste die "Mars500"-Crew ihr gesamtes Essen mitnehmen. Auch bei simulierten Unfällen war das Team auf sich selbst gestellt.

Ähnlich wie bei der Fernsehserie "Big Brother", bei der die Teilnehmer in Wohncontainer eingesperrt und Tag und Nacht gefilmt wurden, wurden auch die sechs "Versuchskaninchen" ständig per Videokamera überwacht. Anders als bei "Big Brother" aber gab es keine Kämpfe oder Skandale – und keine Frauen an Bord. Offenbar fürchteten die Organisatoren bei einem gemischten Team zu viele Spannungen.

Allein dass das Experiment nicht abgebrochen werden musste, wertete der russische Projektleiter Alexander Suworow als Erfolg. Allen kulturellen Unterschieden und unterschiedlichen Gewohnheiten zum Trotz hätten sich alle sechs gut verstanden, sagte er der Nachrichtenagentur RIA Nowosti.

Nun muss sich die Besatzung einer ganzen Reihe von Untersuchungen unterziehen, um zu prüfen, ob alle das anderthalbjährige Abenteuer unbeschadet überstanden haben. Ihre erste Pressekonferenz geben die sechs "Mars-Astronauten" am Dienstag, bis dahin bleiben sie in Quarantäne.
[russland.RU]
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