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07-11-2005 Weltraum
Strategische Raketentruppen wollen kommerzielle Satelliten ins All schicken
Die strategischen Raketentruppen Russlands erschließen den Markt der Weltraumdienstleistungen, berichtet die "Wedomosti" am Montag. Im Osten des Gebiets Orenburg im Süden der Uralregion entsteht eine Basis für die Vorbereitung und Ausführung von Starts der Trägerraketen des Komplexes "Dnjepr" mit kommerziellen Satelliten.

Nach Ansicht von Experten werden aber die Militärs selbst bei Dumpingpreisen nicht in der Lage sein, einen wesentlich Teil des auf rund 125 Millionen Euro geschätzten Marktes der kommerziellen Starts an sich zu reißen.

Wie ein Sprecher der Administration des Gebiets Orenburg mitteilte, wird der neue Kosmodrom in der Stadt Jasny gebaut. Die Gesellschaft "Kosmotras" habe einen Vertrag mit dem USA-Unternehmen Bigelow Aerospace über zwei Starts im April und im August 2006 geschlossen. Als Trägerraketen sollen dabei umgerüstete Kampfraketen eingesetzt werden, deren Garantiezeit bald ablaufen wird.

Ein Vertreter der russischen Luft- und Raumfahrtbehörde Roskosmos stellte fest, dass die Ausgaben für ein Hotel in Jasny, für eine Straße von Orsk bis Jasny und für die Räumlichkeiten, in denen mit den Weltraumapparaten gearbeitet wird, bei rund zwölf Millionen Euro liegen. Dagegen können die Strategischen Raketentruppen höchstens acht Millionen Euro für einen Start verlangen, "was ein Dumpingpreis ist: Der Start einer ähnlichen Rakete des Typs ,Rokot' vom Kosmodrom in Plessezk im Gebiet Archangelsk kostet rund elf Millionen Euro". Dabei würden die Starts selbst "nahezu gratis" erfolgen, weil die bereits produzierten Raketen von Militäreinheiten gestartet werden.

Die Militärs werden kaum mehr als einen bis zwei Auftraggeber im Jahr finden, hieß es. Es wäre viel einträglicher, die "Dnjepr"-Raketen vom Kosmodrom Baikonur in Kasachstan zu starten, wo die gesamte Infrastruktur bereits vorhanden ist. "Die Militärs wollen aber mit Roskosmos nicht teilen und starten ihr eigenes Projekt", sagte der Roskosmos-Sprecher.

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Alexander Schelesnjakow, korrespondierendes Mitlgied der Raumfahrt-Akademie, ist ebenfalls der Auffassung, dass "Kosmotras" kaum mehr als zwei Raketen im Jahr starten kann. Der Markt der Geschäftsstarts ist längst unter den russischen Trägern aufgeteilt und beläuft sich bei zehn bis 15 Starts im Jahr auf rund 125 Millionen Euro.

Das "Dnjepr"-Projekt sieht eine Umrüstung der zweistufigen interkontinentalen ballistischen Rakete des Typs RS-20 in eine dreistufige Rakete des Typs "Dnjepr" vor, die in der Lage ist, bis zu 3,7 Tonnen Nutzlast auf eine bis zu 400 Kilometer hohe Erdumlaufbahn zu bringen. Der Start erfolgt aus einem Schacht. Die russisch-ukrainische Weltrumgesellschaft "Kosmotras" wurde 1997 gegründet und brachte insgesamt 22 Sputniks ins All. (RIA)