russland.RU berichtet in Wort und Bild aus Russland und über Russland. Ungebunden, unabhängig und überparteilich. Ohne Vorurteile und Stereotypen versucht russland.RU Hintergründe und Informationen zu liefern um Russland, die Russen und das Leben in Russland verständlicher zu machen. Da wo die großen Verlage und Medienanstalten aufhören fängt russland.RU an.



25-12-2005 Weltraum
Neue Generation von Satelliten aus Russland im Orbit
Monitor-E, der Satellit zur Fernerkundung der Erde, stellt eine neue Generation kosmischer Apparate mit erhöhter "Intelligenz" dar.
Bis zum Jahresende wird der amerikanische Nachrichtensatellit AMC-23 vom russischen Kosmodrom Baikonur gestartet.


Anfang Dezember hat der Chef der Europäischen Weltraumbehörde (ESA), Jean-Jacques Dordain, in den Verhandlungen in Moskau der Führung der Russischen Föderalen Weltraumagentur (Roskosmos) versichert, man bleibe treu beim Kurs auf Zusammenarbeit mit Russland im Kosmos. Im Dezember wird auch die Unterzeichnung eines Zusatzabkommens mit der NASA (US-Luft- und Raumfahrtbehörde) über Zusammenarbeit bei der Internationalen Raumstation (ISS) erwartet. Zuvor hatten die USA die Beschränkungen aufgehoben, die es der NASA nicht erlaubten, russische kosmische Raketentechnik zu kaufen.

Soweit eine kurz gefasste Chronik der jüngsten Ereignisse, die allerdings von einem hohen Ruf der russischen Raumfahrtbranche in der internationalen Arena zeugen.

Wie wir sehen, lebt die russische Weltraumfahrt durchaus nicht nur von alten Vorleistungen, setzt nicht nur die schon wohl bekannte Technik ungeachtet des bestehenden kosmischen Haushaltsdefizits ein, sondern führt auch Neuentwicklung ein.

Ein besonders markantes Beispiel dafür ist das Programm zur Entwicklung von Satelliten zur Fernerkundung der Erde vom Typ Monitor.

Am 26. August wurde der neue Satellit Monitor-E mit einer Konversionsträgerrakete Rokot auf eine Umlaufbahn gebracht. Aber fast gleich gab es Probleme mit seiner Steuerung, die damit zusammenhingen, dass die Kommandos der Bodendienste ihn nicht erreichen konnten. Im Ergebnis flog der Apparat ungesteuert. Aber dank der Bemühungen von Spezialisten des kosmischen Chrunitschew-Zentrums gelang es, den Satelliten zu retten.

Seine Entwicklung wurde für das Zentrum zu einer wichtige Etappe auf dem Weg in einer neuen Richtung - der Schaffung von künftigen kosmischen Systemen sozialökonomischer Bestimmung. Erstmals in der Weltpraxis wurde ein kleiner kosmischer Apparat für die Umweltkontrolle angeboten, der in seinen Möglichkeiten schweren Satelliten nicht nachsteht.

Ursprünglich sollte dies ein kommerzieller Satellit werden. Seine Entwicklung wurde mit Eigenmitteln des Chrunitschew-Zentrums finanziert. Als die Entwicklung des Apparats ihrem Ende zuging, traf die Russische Föderale Weltraumagentur (Roskosmos) Entscheidung, Monitor-E in das Föderale Weltraumprogramm mit entsprechender Finanzierung aufzunehmen. Dabei berücksichtigte sie die Notwendigkeit und Wichtigkeit der Wiederherstellung der russischen Satellitengruppierung zur Fernsondierung der Erde (DSS), deren Zustand in den letzten Jahren, gelinde gesagt, kritisch geworden war.

70 Prozent seiner Informationsressource werden Roskosmos für die Befriedigung der Bedürfnisse russischer staatlicher Verbraucher und 30 Prozent dem Chrunitschew-Zentrum für den kommerziellen Einsatz gehören.

Monitor-E stellt eine neue Generation kosmischer Apparate mit erhöhter "Intelligenz" der Bordsysteme dar. Er wurde in nichthermetischer Ausführung entwickelt, hat eine Modulkomplettierung, was verkürzte Herstellungsfristen ermöglichte, und ist mit zwei Kameras des optisch-elektronischen Komplexes mit einem Auflösungsvermögen von acht und 20 Metern versehen. Als seine Basisgrundlage diente die am Chrunitschew-Zentrum entwickelte vereinheitlichte Raumplattform "Jachta". Der Apparat hat eine Masse von 750 kg. Praktisch alle Dienst- und Zielsysteme des Satelliten sind Neuentwicklungen der russischen Luft- und Raumfahrtindustrie.

"Der kosmische Apparat gilt als neu, wenn 30 Prozent seiner Bordsysteme neu sind", sagte Inessa Glaskowa, stellvertretende Generaldirektorin des Chrunitschew-Zenrums. "An Monitor-E machen neue Systeme 90 Prozent aus." Plänen zufolge soll die russische DSS-Orbitalgruppierung zum Jahr 2010 wenigstens aus zehn Satelliten bestehen. Eine ihrer Hauptkomponenten werden die kleinen Satelliten Monitor sein.

Die Praxis zeigt auch, dass die besten Ergebnisse auf dem DSS-Gebiet bei einer Kombination (gemeinsamer Nutzung) der Aufnahmen von verschiedenen Satelliten erzielt werden, die einander ergänzen. So können Aufnahmen, die mit Hilfe eines an Bord des kosmischen Apparats installierten Funkmessgeräts erhalten wurden, eine wichtige Ergänzung für solche Aufnahmen sein, die im optischen Bereich gemacht wurden. Denn die Witterungsverhältnisse beeinflussen die Funkmessbeobachtungen nicht. Auch unzureichende Beleuchtung ist ohne Einfluss auf das Funktionieren der Infrarotaufnahmegeräte. Deshalb müssen der Gruppierung neben Monitor-E auch neue aussichtsreiche Apparate Monitor-I (Infrarot), Monitor-S (stereo) und Monitor-O (hohes Auflösungsvermögen), die mit verschiedenen optisch-elektronischen Geräten versehen sind, sowie Monitor-R mit einem Funkmessgerät an Bord angehören. Sie werden alle mit der leichten Trägerrakete Rokot gestartet.

Die Aufstellung einer Gruppierung von Satelliten für Fernsondierung der Erde (DSS) auf der Basis der Satelliten vom Typ Monitor, grundsätzlich neue technische Lösungen, die ihnen zugrunde gelegt wurden, und die Sicherung der regelmäßigen Beobachtungen der Erdoberfläche, die für die Lösung der Aufgaben der Umweltkontrolle notwendig sind, werden es der neuen russischen Entwicklung ermöglichen, auf dem DSS-Weltmarkt konkurrenzfähig zu sein. (Andrej Kisljakow, RIA Nowosti).