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26-01-2006 Weltraum
Russland hat auf dem Mond nichts zu suchen
Der Chef der Weltraumraketen-Produktionsvereinigung "Energija", Nikolai Sewastjanow, hat die Absicht Russlands verkündet, bis 2015 einen ständigen Stützpunkt auf dem Mond einzurichten, schreibt die Wirtschaftszeitung "Bisnes" am Donnerstag.

Außerdem soll bis dahin ein Schema für die Lieferung des seltenen Isotops Helium-3 zur Erde entwickelt werden, das als Brennstoff für abfallfreie Fusionsreaktoren gebraucht werden könnte. Nach Ansicht von Experten fehlen aber die notwendigen Technologien und Finanzierungsmöglichkeiten dafür, weshalb solche Pläne wie reine Utopie wirken.

"Helium-3 ist ein großer Schwindel", meinte ein angesehener Sprecher der Raumfahrtbranche. "Wenn die Amerikaner 100 Milliarden Dollar allein für den Bau eines Mondstützpunkts ausgeben, so ist es einfach nicht möglich, dort beim jetzigen Stand der technischen Entwicklung eine ganze Helium-3-Produktionsanlage einzurichten."

Die Finanzierung des gesamten föderalen Weltraumforschungsprogramms für die nächsten zehn Jahre beläuft sich dabei auf weniger als elf Milliarden Dollar, führte der Experte weiter aus. Außerdem wäre für eine Fusionsreaktion mit Helium-3 eine Energiemenge erforderlich, die das Mehrfache davon betragen würde, was beim Gebrauch von Tritium beansprucht wird. Bis 2005 lässt sich eine solche Technologie nicht entwickeln.

"Statt auf Helium-3 zu setzen, das nur auf dem Mond vorkommt, sollte lieber in Zukunft eine Reaktion mit Bor entwickelt werden, von dem es viel auf der Erde gibt", fügte der Experte hinzu. "Wozu sollten wir dann den Mond brauchen?"

Nach Ansicht von Experten der Weltraumbrauche hat Russland auf dem Mond vorerst nichts zu tun. Für die USA und China hat "das Mondprogramm" rein politische Bedeutung: Die Amerikaner wollen es verhindern, dass die Chinesen als Erste auf dem Mond Fuß fassen. Ein anderer Aspekt des "Mondprogramms" für die USA ist die Finanzierung hochtechnologischer Unternehmen aus dem Staatshaushalt. Es besteht kein Zweifel, dass das Programm von Boeing und Lockheed durchgesetzt wurde, die den Löwenanteil von den 100 Milliarden Dollar bekommen werden. Russlands Staat würde jetzt kaum ein derart ambitioniertes und zweifelhaftes Projekt finanzieren. (RIA)