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14-07-2003 Bücher
Die Zarin
Dies ist die Geschichte von Martha, Tochter eines Bauern aus Livland, die zu Katharina Alexejewna, zu Katharina I. wurde. Mit sechzehn Jahren war Martha von ausladender Schönheit, mit breiten Hüften, großem Busen und schwarzem Haar. Ein Mädchen mit Zivilcourage, das – obwohl als Magd an den Kaufmann Wassily, der sie in sein Bett zwang, für eine Silbermünze verkauft – einen metallenen Mörser auf dessen Haupt niedersausen ließ, als er sie wegen Ungehorsams halb zu Tode peitschen wollte.

Sie war Dienstmädchen eines lutherischen Pfarrers in Marienburg, der sie mit einem schwedischen Dragoner verheiratete. Sie war Wäschemagd der Generäle und Edelleute im russischen Feldlager für Alexander Danilowitsch Menschikoff, dem Mächtigsten unter den Mächtigen nach dem Zaren Peter. Sie war eine junge Frau, die im Heerlager des Zaren unerschrocken Peter dem Großen während eines epileptischen Anfalls zur Seite stand, um ihn später während der Weihnachtsfeierlichkeiten in Moskau wiederzusehen. Robust wie sie war, trank sie jeden Mann unter den Tisch, während der Rest der adligen Gesellschaft sich vor den berüchtigten – bis zum Rand mit schwerem Wein gefüllten – Adlertassen des Zaren fürchtete. Und weil Peter sie begehrte und zu seiner Bettgenossin machte, lernte sie, Weiblichkeit und Menschlichkeit zur Festigung ihrer Stellung bei Hofe einzusetzen. Sie knüpfte Freundschaften mit den Mächtigen des Reiches und ließ sich selbst von einem Zaren nicht ihrer Menschenwürde berauben. Dabei war Peter ein Herrscher, der allein durch seinen ungeheuren Willen sein Reich reformierte, der aber auch seine Halbschwester und seine erste Frau kahlscheren und ins Kloster sperren ließ, um beide der Einsamkeit, fortschreitendem Wahnsinn und schleichendem Tod auszusetzen. Trotzdem liebte Martha den riesenhaften Zaren, dem sie als Mann verkleidet in den Krieg nachzog und während des Feldzugs gegen die Türken all ihre Juwelen als Unterpfand bot – nur um eine schmachvolle Niederlage zu verhindern. Peter lohnte ihr die Treue, schwur vor dem obersten Popen des Reiches, Martha zur Frau zu nehmen, heiratete sie und ließ sie zur Zarin krönen. Aber – auch wenn Katharina Alexejewna zwölfmal von ihm schwanger war, zwei Töchter großgezogen hatte und mehrere Söhne gebar – sie schenkte dem Zaren keinen Thronfolger. Irgendwann teilte Peter sein Bett nicht mehr mit ihr. Sie schaffte sich eine Geliebte und später einen Geliebten an, den Peter köpfen und seinen Kopf in einem Einweckglas neben ihrem Bett aufstellen ließ. Alles hat sie ihm verziehen, den zu Tode gefolterten Sohn aus erster Ehe, Alexej, und auch die Liebschaft mit einer moldawischen Prinzessin, die ernsthaft Marthas Stellung bedrohte.

Nach Peters Tod wurde sie Zarin von Russland, starb aber zwei Jahre später.
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