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03-01-2006 Bücher
Ein Jahrhundert der Gewalt in Sowjetrussland
von Jakowlew, Alexander Nikolajewitsch <übersetzt von: Rullkötter, Bernd> (Russland)

Ein faktenreiches, emotional geschriebenes Werk, in dem Jakowlew mit der Diktatur der Bolschewisten – und indirekt mit allen Diktaturen – abrechnet.


Viele Verhaltensweisen des russischen Volkes und auch der heutigen russischen Politik werden nach dieser Lektüre verständlicher.

Und ganz besonders wird der „gute“ Lenin in das Reich der Märchen verwiesen. Diese Mär begründet sich einzig und allein auf Lenins testamentarischer Warnung vor Stalin, nicht weil er ihn für zu brutal gehalten hätte, sondern weil er ihn schlichtweg für unfähig hielt – was Stalin auch vor, im und nach dem Krieg oft genug bewiesen hat.

»Ein Jahrhundert der Gewalt in Sowjetrussland« ist eine schonungslose – fast schon brutale – Abrechnung mit der jüngsten russischen Geschichte. Es kann die Grundlage für ihre Aufarbeitung sein. Eine Chance, die wir in Deutschland nach der Nazizeit leider nie in so klarer und geballter Form und so kurz danach bekommen haben. Wir „doktern“ noch heute an Teilaspekten herum, versuchen alle Schuld allein dem „Größten Führer aller Zeiten“ und seinem „Charisma“ in die Schuhe zu schieben, verheimlichen die Verantwortung und die Bereicherung der riesigen Machtclique – ohne die Hitler ein Nichts gewesen wäre – und reden uns bis in die untersten Chargen auf Befehl, Eid und Gehorsam heraus.

Bei einer Podiumsdiskussion im »Literaturhaus München«, bei der er sein Werk „Die Abgründe meines Jahrhunderts – Eine Autobiographie“ vorgestellt hat, habe ich Jakowlew erlebt: ein stiller fast unscheinbar wirkender Mann, wie man sich einen „Apparatschik“ vorstellt, und doch in seinen Reden ein hochgeistiger, wissensreicher Mann, der bei bestimmten Themen eindringlich emotional werden konnte. Letzteres immer dann, wenn es um seine Arbeit und seine Erfahrungen als Vorsitzender der »Kommission zur Rehabilitierung der Opfer politischer Repressionen« ging. Verständlich, wenn man an all das Leid denkt, das er dort erfahren hat, und ebenso verständlich, daß man dann zu einem leidenschaftlichen Verfechter der Menschenrechte wird. Möge er in Frieden ruhen.
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