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24-01-2011 Bücher
Dem Wunderkind entwachsen
Mit ihrer Dokumentation „Die Konkurrenten – Russlands Wunderkinder 2“ setzt die bekannte Filmemacherin Irene Langemann ihre vor 10 Jahren begonnene Reportage über vier hochbegabte Moskauer Kinderpianisten fort. Der Film ist nun neu auf DVD erhältlich.



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„Russlands Wunderkinder“ aus dem Jahr 2000 zählt zu den bekanntesten Russland-Dokumentationen des letzten Jahrzehnts. Irene Langemann von der Filmschmiede Lichtfilm begleitete vier hoch begabte Schüler einer bekannten Moskauer Pianistenschule auf ihrem Weg durch internationale Konzerthallen und harten Unterrichtsalltag. Bis zum Vatikan und in berühmte Opernhäuser führt der Weg die Wunderkinder aufgrund ihres herausragenden Talents.

Zehn Jahre sind seitdem vergangen und zurecht hat Langemann nun ihr Werk fortgesetzt. Denn der weitere Weg der ehemaligen Wunderkinder ist mindestens so interessant wie ihr damaliger Alltag. Eine Traumkarriere wie von selbst hat keiner von ihnen gemacht. Zu hart ist die Konkurrenz, zu rar sind gute Stellen für internationale Konzertpianisten. Der Kinderbonus ist Vergangenheit. Zwei der vier hat es ins Ausland verschlagen. So Lena, die älteste, nach Hannover. Wenige Jahre nach ihrem Abschluss hat sie ein Kind bekommen und kämpft um ihre Rückkehr in die internationale Konzertwelt. Ergreifende Momente erlebt der Zuschauer mit ihr in Wien bei einem Beethoven-Wettbewerb, in dem sie in der ersten Runde scheitert, was zu Auseinandersetzungen innerhalb der Jury führt und wobei Schiebung für eventuelle Günstlinge in der Luft liegt.

Derartige Wettbewerbe spielen eine große Rolle im Leben der vier. Ohne mehrere gewonnene Wettbewerbe oder Beziehungen zu bekannten Dirigenten gibt es keine Chancen auf eine auskömmliche Pianistenstelle – selbst für Hochbegabte wie die Protagonisten. Es droht der Rückfall ins Mittelmaß, das Überleben mit Musikunterricht und Gelegenheitsengagements. Selbst für Irina besteht diese Gefahr, die jüngste der vier, zum Millennium achtjährig weltweit auf Konzerttournee. Nun mit 18 konkurriert sie mit erfahreneren Musikern und steht ganz am Beginn des Knüpfens eines Beziehungsgeflechts für das Überleben in ihrem Beruf. Ernüchterung macht sich breit in der Fortsetzung des Wunderkinder-Reports und das beherrschende Thema ist der Alltag von Berufsmusikern. Besonders hart ist für die vier die Tatsache, dass ihnen als Kinder eine Riesenportion Erfolg in den Schoß fiel, die sie nun trotz harter Arbeit nicht wiederholen können.

„Die Konkurrenten – Russlands Wunderkinder 2“ ist – wie Teil 1 – ein bewegender Film. Aufgrund zahlreicher langer pianistischer Sequenzen ist er ein Muss für Fans von klassischer Klaviermusik, aber auch andere Zuschauer werden von dieser Dokumentation gefesselt sein. Die Macherin Irene Langemann, auch „Rubljovka“ stammt aus ihrer Produktion, arbeitet wie gewohnt ausschließlich mit Kommentaren ihrer Protagonisten. Sie verzichtet komplett auf Erläuterungen von außen. Ausschließlich die Darsteller erzählen ihre Geschichte, was die Authentizität merklich steigert. Rückblenden im Film machen die Entwicklung der Pianisten auch dem deutlich, der Teil 1 nicht kennt. Wirklich voll erfassen kann jedoch die Mischung aus Tragik und Hoffnung nur der, welcher den Vorläufer kennt.

Selten genug landen gute Russland-Reportagen deutschlandweit in den Verkaufsräumen der DVD-Händler, denn auch in diesem Bereich ist der Markt eng und die Konkurrenz groß. Die Tatsache, dass es die traditionsreiche Produktionsfirma Lichtfilm wieder einmal geschafft hat, Qualität in die Regale zu befördern sollte jeden Fan von Russland- oder Musik-Dokus zum Kauf animieren.

Daten zum Film: Irene Langemann, Die Konkurrenten – Russlands Wunderkinder 2; Naxos Deutschland 2010, FSK ohne Altersbeschränkung, 98 Minuten
Roland Bathon, russland.TV – Russland hören und sehen
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