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31-01-2011 Bücher
Indianer-Götterdämmerung in Moskau
Wenn ein russischer Autor einen fantastischen Roman mit Maya-Legendenanleihen in Moskau spielen lässt, mutet das einem mitteleuropäischen Leser ziemlich exotisch an. Wenn der Autor, wie bei der hier besprochenen Neuerscheinung „Sumerki“ Dmitry Glukhovsky heißt, ist aber auf jeden Fall Spannung garantiert.



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Alles beginnt, wie häufig bei derartigen Werken, recht harmlos. Der Moskauer Übersetzer Dmitry, an sich ein scheinbar unauffälliger Durchschnittsmensch, bekommt den Auftrag ein spanisches Tagebuch aus dem 16. Jahrhundert zu übersetzen. Merkwürdig mutet zunächst nur die abschnittsweise Lieferung des Ursprungsmaterials an und die Tatsache, dass der Übersetzer des ersten Kapitels verschollen ist, so dass Dmitri mit Abschnitt zwei anfängt.

Das Tagebuch entpuppt sich als Erlebnisbericht eines spanischen Konquistadors, der an einer Expedition in eine geheimnisvolle Region eines verschollenen Maya-Reichs teilnimmt. Mit jedem Kapitel werden jedoch die Erlebnisse im Tagebuch düsterer und erschreckender. Quasi im Gleichschritt wird auch der Übersetzer immer tiefer in das Geschehen emotional hinein gezogen und in seinem realen Leben stellen sich mehr und mehr mysteriöse Ereignisse ein, die häufig mit Indio-Symbolik im Zusammenhang stehen. Wie dem Aufkommen einer neuen Sekte in Moskau, das Menschenopfer nach Maya-Art praktiziert, geheimnisvolle Todesfälle von Personen, die mit dem Buch in Berührung kamen und anderem mehr.

Während der Protagonist so langsam beginnt, an seinem Verstand zu zweifeln, stellen sich jedoch auch im „großen“ Weltgeschehen immer mehr düstere Ereignisse ein, Naturkatastrophen biblischen Ausmaßes, die die Menschheit in ihren Grundfesten erschüttern. Nach und nach versteht Dmitri, dass nicht er auf dem Wege des Wahnsinns ist, sondern dass ein Zusammenhang besteht zwischen seinem geheimnisvollen Übersetzungsauftrag, den Vorkommnissen in seinem Umfeld und dem Weltgeschehen, die alle zeitgleich auf einen fatalen Höhepunkt zusteuern.

Mehr sei von der Handlung nicht verraten. Nur das Versprechen sei gegeben, dass auch mit dieser Kenntnis des rudimentären Inhalts „Sumerki“ eine große Portion Lesevergnügen bietet, wenn man gerne düstere Fantasyromane liest. Glukhovsky, der übrigens eigentlich Journalist ist und für Russia Today und die Deutsche Welle arbeitete (ob er das noch nötig hat, bezweifelt der Rezensent), spielt auch in diesem Buch seine Fähigkeit zum effektgeladenen Spinnen eines Handlungsfadens voll aus.

„Sumerki“ ist recht spannend und athmosphäregeladen. Ganz kommt das indianisch-apokalyptische Szenario von seiner Faszination jedoch nicht an die Cyberpunk-Welt aus Glukhovskis Bestsellern „Metro 2033“ und „Metro 2034“ heran. Auch die Wendungen des Geschehen sind nicht so spektakulär, dass man aus dem überraschten Staunen gar nicht mehr heraus käme. Man wird aber einfach gut unterhalten und Liebhaber des Genres oder Fans des Autors werden mit Sicherheit begeistert sein. Eine Kaufempfehlung für alle, die sich gerne für ein bisschen Furcht in eine düstere Endzeitwelt hineinlesen.

Daten zum Buch: Dmitry Glukhovsky, Sumerki – Dämmerung; Heyne-Verlag 2010, ISBN 978-3453533028
Roland Bathon – russland.TV, Russland hören und sehen; Roland Bathon ist Autor von mehreren Russlandbüchern, Infos auch unter www.buecher.nachrussland.de