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20-09-2011 Bücher
Schlangenschwerter auf Neu-Kuweit
Reihenweise landen aktuell Titel des russischen Kultautors Sergej Lukianenko in den deutschsprachigen Bücherregalen. Ein Science-Fiction-Roman befindet sich dort schon einige Jahre und das nicht ohne Grund. „Das Schlangenschwert“ ist – wie vieles aus der Feder des Moskauer Schriftstellers, ein außergewöhnliches Werk.



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Tikkirej, aus dessen Perspektive die Handlung erzählt wird, lebt auf einem radioaktiv verseuchten Bergbauplaneten mit niedrigem Lebensstandard, der ein vergessener Teil eines galaktischen Imperiums ist. Nach dem Freitod seiner Eltern flieht er von dort und strandet auf der wesentlich reicheren Kolonie Neu-Kuweit. Dort wird er unfreiwillig in eine Auseinandersetzung rund um die Macht im Universum hereingezogen, die sich zwischen dem Imperium und dem Planeten Inej anbahnt.

Soweit der gar nicht so außergewöhnliche Grundplot. Interessant machen den Roman – neben überzeugenden Charakterzeichnungen und einem spannenden Schreibstil - die Verwicklungen innerhalb der folgenden Auseinandersetzungen. Denn erscheint die Verteilung zwischen „Gut“ und „Böse“ in einem Moment noch sonnenklar, wird sie schon im nächsten verwischt. Erscheint Tikkirejs Handeln soeben noch autonom und verborgen, entpuppt es sich im nächsten als vorprogrammierter Spielball eines der mächtigen Kontrahenten. Immer wieder gibt es überraschende, aber doch nachvollziehbare Wendungen, die Stück für Stück ein logisches Bild der wahren Hintergründe der mächtigen Auseinandersetzungen zeichnen.

Gekonnt garniert wird der Plot von Lukianenko mit einem mächtigen spätgalaktischen Ritterorden, einer Planetenübernahme durch verborgene Gedankenbeeinflussung über Massenmedien, einer halb lebendigen, schwertähnlichen Wunderwaffe und ähnlichen Features mehr, die einen solchen Stoff spannend halten. Alles jedoch immer unter dem lebendig machenden Hintergrund, dass es kein Schwarz-Weiß-Schema gibt. So bleiben die Menschen in Lukianenkos Zukunft stets menschlich und ihre Handlungen nachvollziehbar, auch wenn sich der Hauptprotagonist am Ende für eine Seite entscheidet.

So ist „Das Schlangenschwert“ durchaus empfehlenswert für Science-Fiction-Freunde. Obwohl der Klappentext eine Fantasy-artige Handlung andeutet, sind solche Elemente im tatsächlichen Plot kaum vertreten und auch ein „großes Weltraummärchen“ a la Star Wars ist der Roman ebenfalls nicht. Eher ein gutes Buch mit zutiefst menschlichen Protagonisten und spannender Handlung.

Daten zum Buch: Sergej Lukianenko, Das Schlangenschwert, Heyne-Verlag München 2009, ISBN 978-3453525528

[Roland Bathon - russland.TV, Russland hören und sehen]
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