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31-12-2011 Bücher
Rucksack-Asien mit Prise Russland
Mit dem Vermerk „wir haben auch Russland durchquert“ schneite bei der russland.TV-Redaktion das neu erschienene Reisebuch „Overland“ von Thomas Heller zur Rezension herein, der mit seiner Lebensgefährtin Friederike ohne Flugzeug von Südaustralien nach Berlin unterwegs war. Die gute Nachricht: Das Buch ist spannend. Die Schlechte: Von mehreren Tausend Kilometern Russland ist recht wenig zu lesen.



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Die beiden Studenten Thomas und Friederike verwirklichten sich im letzten Jahr einen Lebenstraum. Mit dem Flieger ging es nach Fidschi, Neuseeland und Australien und von dort mit dem Rucksack auf eigene Faust zurück nach Deutschland – ab Australien ohne Flugstrecken. Hierbei wählten sie von Südostasien aus die Route via China und Russland, da selbst den beiden Abenteurern Länder wie Pakistan oder Iran auf der südlichen Alternative zu unruhig erschienen.

Das Ergebnis der Reise füllt in der Tat einen sehr spannenden Reisebericht. Osttimor, Indonesien, Singapur, Laos - nicht gerade alltäglich war ihr Streckenverlauf und über Wochen trafen sie keine anderen Touristen. Unvergessliche Eindrücke erlebten sie dabei ebenso wie brenzlige bis lebensgefährliche Situationen, die Heller auch in seinem Reisetagebuch recht spannend nacherzählt, so dass es ein echter Lesegenuss ist.

Angesichts der (zu) vielen Abenteuer beschloss das Duo, die russisch-chinesische Grenze via Transsib ganz im Osten zu überqueren. Das geschah zwar im Winter, aber dennoch gibt es ab diesem Moment recht wenig zu erzählen. Obwohl knapp ein Drittel des Weges durch das winterliche Russland führt, füllt dieser Reiseteil nur etwa 10 der 200 Seiten des Buchs. Es ist verständlich, dass die Reisenden zu diesem Zeitpunkt ihre Abenteuerlust weitgehend verbraucht hatten. Ein weißer Hai, Malaria und giftige Schwefeldämpfe brachten den Autor zuvor im Ozeanien und Hinterindien dreifach in echte Lebensgefahr. Nur mit Glück überstand seine Barschaft in Indonesien einen Busraub.

Hiergegen mutet die Reise durch das winterliche Russland per Zug richtig erholsam an. Neben einigen Naturschönheiten wie dem Baikal sind dort lediglich chinesische Reisegenossen im Zugabteil mit ganz eigenen Hygienevorstellungen einer näheren Erläuterung wert. Es zeigt sich hier einmal mehr, dass individuelle Russlandreisen heute vielmehr dem Ruf nach abenteuerlich sind, als in der Realität – vor allem wenn man sie mit ostasiatischen Rucksacktrips vergleicht. Außer vielleicht, man reist per Anhalter, Fahrrad oder zu Fuß. Hierbei ist zu erwähnen, dass Heller und seine Freundin auch in tropischen Gegenden Zug fuhren, diese aber bei weitem nicht dem russischen Standard entsprachen und das Abenteuer nicht unterbrachen, sondern eher ergänzten.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass „Overland“ keine lohnende Anschaffung ist, wenn man sich schwerpunktmäßig über Russland- oder Transsibreisen informieren will. Dieses Thema kommt in anderen veröffentlichten Reiseberichten ausführlicher zur Geltung. Jedoch ist das Buch ein lohnender Lesestoff, wenn man allgemein packende Reiseliteratur abseits ausgetretener Pfade mit viel Abenteuer mag. Auch ist es eine Mahnung, sich nicht ohne entsprechende Vorbereitung auf eigene Faust in Länder der Dritten Welt zu begeben, die man kaum kennt.

Daten zum Buch: Thomas Heller, Overland, Traveldiary.de-Verlag Hamburg, 2011, ISBN 978-3941796263

[Roland Bathon - russland.TV, Russland hören und sehen; Roland Bathon ist selbst Autor von Russlandbüchern, Infos unter www.buecher.nachrussland.de]
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