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30-09-2003 Bücher
Die Stadt mit dem blauen Tor
von Dankowtsewa, Anna <übersetzt von: Grebing, Sabine> (Rußland)

Es war alles irgendwie nicht richtig. Das Wasser war allzu finster, der Wind zu schneidend, und auch Passanten gab es viel zu viele. Die Kikimora und ich standen auf der Bolschoj-Kamennyj-Brücke und starrten in das tiefe, schwarze Wasser der Moskwa. Der Hausgeist war halb aus meiner Jackentasche herausgeklettert und wiegte den Kopf hin und her. »Hm, ja«, bemerkte er gedehnt. »Meine Arthritis.« »Was? «, fragte das Koboldmädchen verwundert. »Gicht, sage ich. «


Schischka schnaubte. »Der redet lauter komisches Zeug...« »Für die anderen sieht es aus, als würden wir uns wie die letzten Selbstmörder ins Wasser stürzen«, brummelte ich mit hoch gezogenen Schultern.

»Ist doch egal«, ermunterte Schischka mich nicht sonderlich überzeugend. »Ich habe in dem Wasser hier schon gestern gebadet. «

»Und dort - ist es da auch kalt? «, fragte ich und meinte das. Dreimalneunte Zarenreich.

»Mhm. « Ihre Augen wurden traurig. »Dort herrscht schon seit dreizehn Jahren grimmiger Winter. « Sie wandte sich vorwurfsvoll an den Alten: »Ihr vergnügt euch hier wie die Maden im Speck, und bei uns dort geht das Böse um. «

»Und wieso wirfst du mir das vor? « Dem Hausgeist sträubte sich sofort der Pelz. »Ich bin hier mit einem Spezialauftrag, ich riskiere sozusagen meinen Kopf. Was weißt du denn, was hier alles los ist?! «

»Genug gestritten«, unterbrach ich sie. »von uns dreien bin ja wohl ich derjenige, der am schlechtesten dran ist. « Und ich sah wieder hinunter. »Irgendwie traurig...«

Die Uhr am Spasskij-Turm des Kreml schlug dröhnend die Stunde und verhallte irgendwo tief in meinem Magen. »Wie spät ist es?! «, fragte Schischka erschreckt.
mehr beim Büchervielfrass...