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27-01-2011 Kultur
Glück gibt es nur im Titel
„Mein Glück“ heißt ein Spielfilm des russischen Regisseurs Sergej Loznitsa, der am 3. Februar 2011 auch in den deutschen Kinos anlaufen wird. Er handelt von der tragischen Geschichte des Fernfahrers Georgy, der auf einem zunächst harmlosen Transport immer tiefer in einen Strudel von düsteren Ereignissen rund um ein abgelegenes Dorf gerät.



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Angesiedelt ist das Geschehen in der hintersten russischen Provinz, wohin Supermärkte und Fast Food noch nicht vorgedrungen sind. Georgy lebt dort vom Gütertransport mit seinem Kleinlaster, einem uralten Mercedes-Benz. Eines Tages gerät er in Folge einer Unfallsperrung unweit eines Dorfs auf Abwege. Hier, schon fast abseits der Zivilisation, regiert die Gewalt. Georgy begegnet Menschen mit dunkler Vergangenheit, leichten Mädchen und schließlich Kleinkriminellen, die großes Interesse an seiner Ladung haben. Immer tiefer wird Georgy von Begegnung zu Begegnung hinabgerissen in einen Abwärtsstrudel, der schließlich in einer Milizstation zurück an der Hauptstraße mit einem dramatischen Fiasko endet.

„Mein Glück“ ist keine leichte Unterhaltung für zwischendurch. Der Film lebt von zahlreichen bildhaften Episoden, die manchmal zunächst scheinbar ohne echten Bezug zur bisherigen Handlung sind und sich dann erst nach und nach in das Gesamtpuzzle einfügen. Lange, stille Szenen stecken voller Atmosphäre, werden aber Freunde leichter Filmkost eher langweilen. Ernsthafte Kinofreunde jedoch werden ihre Freude an dem Stoff haben, denn „Mein Glück“ ist ein Filmemacher-Werk hoher Qualität. Die Schauspieler agieren durch und durch überzeugend, die Atmosphäre der vereinsamten Gegend ist intensiv zu spüren und viele der dargestellten Episoden sind für sich genommen spannend oder schockierend.

Angesiedelt ist die Handlung des 2010 produzierten Films eigentlich in der heutigen Zeit mit mehren Sprüngen in die Vergangenheit. Die geschilderten Zustände erinnern jedoch mehr an die „wilden 90er“ Jahre, als Russland weitgehend darnieder lag und Szenarien wie in der Filmhandlung allgegenwärtig waren. Das sich immer schneller wandelnde heutige Russland wird nur in extremen Randlagen noch treffend abgebildet und man sollte sich hüten, die Zustände aus „Mein Glück“ auf das gesamte Land zu übertragen. Recht treffend ist jedoch das düstere Bild der scheinbaren Ordnungshüter von der Miliz, die in der Handlung viel zur Beschleunigung des Abwärtsstrudels beitragen. Hier legt der Film treffend den Finger in die Wunde eines der größten Probleme Russlands. Wer bereits mit seinem Auto in eine schikanöse DPS-Kontrolle geraten ist, wird sofort verstehen, was gemeint ist.

So ist der Kinofilm in der Tat eine Empfehlung für ein anspruchsvolles Publikum und es ist damit zu rechnen, dass er vor allem in solchen Programmkinos anlaufen wird, die genau von diesem frequentiert werden. So könnte er sich zu einem kleinen Szenenhit entwickeln, auch wenn der den Geschmack des Massenpublikums nicht treffen wird. Premiere ist am 01. Februar in Berlin in der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. Hier wird auch der Regisseur und sein Team zu Gast sein. Auch am Filmfestival in Cannes wird „Mein Glück“ als offizieller Beitrag teilnehmen.

[ Mehr Infos zu „Mein Glück: www.farbfilm-verleih.de ]


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