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18-04-2011 Kultur
Der russische Zauberlehrling
Zauberschüler liegen im Trend. Dennoch sollte man nicht hinter jedem Buch dieses Themas einen Harry-Potter-Verschnitt vermuten. Beim neuen Werk des russischen Autoren Sergej Lukjanenko („Wächter der Nacht“) würde man da auch komplett falsch liegen. Denn das Buch „Trix Solier“ hat ganz eigene Qualitäten und keinerlei Ähnlichkeit mit der Reihe über seinen englischen Kollegen.

Trix Solier ist der 14jährige Sohn eines Hochadeligen, der von seinem Mitregenten entmachtet und liquidiert wird. Trix kann fliehen und schwört natürlich erst einmal standesgemäß Blutrache. So verdingt er sich zunächst als Knappe eines bekannten Ritters, um ein entsprechender Berserker werden zu können.




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Aber die zufällige Entdeckung magischer Fähigkeiten lenkt seinen Weg in eine andere Richtung und Trix wird Lehrling beim verschrobenen Zaubermeister Sauerampfer. Dessen jugendliche Fürstin Tiana versucht derweil einer Zwangsverheiratung mit einem schwarzmagischen Herrscher zu entgehen. Als sich Tianas und Trix Wegen kreuzen ergeben sich für beide ungeahnte Möglichkeiten, gemeinsam ihren Zielen näher zu kommen.

Von der Grundhandlung ist Trix Solier also zunächst ein standesgemäßer, normaler Fantasy-Roman. Von der Masse derartiger Romane unterscheidet die Handlung aber bereits eine Reihe überraschender, aber dennoch logischer Wendungen, die die Spannung des Plots bis zum Ende erhalten. Das Lesevergnügen ergibt sich zusätzlich vor allem aus einer großen Portion Wortwitz und vielen humorvollen Kleinigkeiten, die Trix auf seinem Rachefeldzug begegnen. Die vorkommenden Charaktere wirken lebendig und überzeugend und so entwickelt jedes Standardmotiv aus der Fantasywelt im Roman seinen eigenen Reiz. Dennoch gleitet der Roman nie in pure Comedy ab und erhält sich immer seinen ernst zu nehmenden Grundcharakter.

Das Buch „Trix Solier“ wirkt nicht spezifisch russisch, wenn man einmal von der Vorliebe verschiedener Protagonisten für Halwa, einer osteuropäischen Süßspeise aus Sonnenblumenkernen, absieht. Vielen anglo-amerikanischen Werken aus jüngerer Zeit ist es aber in der Hinsicht überlegen, dass Lukjanenko nicht krampfhaft versucht, moderne Einstellungen und Denkweisen in eine altertümliche Welt zu importieren – die dort lebenden Personen denken dann tatsächlich auch mal altertümlich und Vorurteils-behaftet. Es gibt weiter kein übertriebenes Schwarz-Weiß-Schema. Die gewissermaßen „bösen“ Gegenspieler von Trix handeln innerhalb ihrer eigenen Denkweise logisch und auch Trix mutiert nicht, wie andere Fantasyhelden, zum Heiligen. Gerade seine Schwächen lassen ihn zutiefst menschlich erscheinen.

Etwas verwundert die Bewerbung von „Trix Solier“ als Jugendbuch. Fantasy-Fans im Teeniealter werden sich natürlich mit den 14jährigen Helden Trix und Tiana besonders gut identifizieren können. Das Buch ist aber durchaus auch unterhaltsam für ältere Fantasy-Fans, wenn sie mit dem Alter nicht ihren Sinn für Humor verloren haben. Von 10 bis 99 Jahren wird dieser Zauberlehrling den Lesern viel Vergnügen bereiten.

Daten zum Buch: Sergej Lukianenko: Trix Solier, Zauberlehrling voller Fehl und Adel; Verlag Belz & Gelberg Weinheim, 2010; ISBN 978-3407810748

Roland Bathon, russland.TV – Russland hören und sehen; Roland Bathon ist Autor mehrer Russland-Sachbücher, Infos unter www.buecher.nachrussland.de


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