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02-11-2004 Reisen
Der Altai: Russische Alpen und russisches Tibet zugleich
Vor 250 Jahren, in den Jahren der Herrschaft von Zarin Jelisaweta Petrowna, Tochter Peters des Großen, trat das Altai-Volk freiwillig dem Russischen Staat bei. In Übereinstimmung mit einem Erlass von Präsident Wladimir Putin wird dieses Datum in Russland auf föderaler Ebene begangen werden.

Ein Organisationskomitee wurde gebildet und ein Plan mannigfacher Veranstaltungen ausgearbeitet. Am wichtigsten davon sind die Durchführung der Tage der russischen Kultur in der Republik Altai im Rahmen des Projektes „Festival der nationalen Kulturen" (2006) und die Tage der Republik Altai in Moskau. Geplant ist eine Präsentation von Kultur- und Naturdenkmälern des Altai, die in der UNESCO-Liste des Welterbes erfasst sind, und Ausstellungen aus Museumssammlungen.

Bücher und Alben werden erscheinen, es wurde ein Dokumentarfilm über die Geschichte und Kultur des Altai gedreht und ein Gesamtrussisches Festival der nationalen Sportarten veranstaltet; auch fanden wissenschaftliche Konferenzen über die Vergangenheit und die Gegenwart des Altai statt. In den Jahren 2005 - 2006 sollen das Dramentheater und das Nationalmuseum in der Hauptstadt der Republik Gorno-Altaisk rekonstruiert, ein Zentrum der nationalen Kultur gebaut, Kultgegenstände der Völker von Berg-Altai restauriert, ein Denkmal für Zarin Jelisaweta Petrowna eingeweiht sowie neue Schulen, Wohn- und Krankenhäuser, Straßen und Brücken gebaut werden.

Die Russen begannen in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts die Länder am Oberlauf des Ob und das Altaivorgebirge zu besiedeln. Die Erschließung des Altai beschleunigte sich, als zum Schutz gegen die Dschungaren, ein kriegerisches Nomadenvolk, zwei Festungen - die von Belojarsk (1717) und die von Bikatun (1718) - angelegt worden waren. Der Nordkrieg gegen Schweden nahm Russland die Möglichkeit, aus diesem Land Kupfer auszuführen, das für die Herstellung von Kanonen, die Münzenprägung und die Glockengießereien notwendig war. Es musste auf die eigenen Naturressourcen zurückgegriffen werden. Der Altai war von jeher für die Metallgewinnung bekannt, Hüttenwerke entstanden hier bereits im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts. Der Unternehmer Akinfij Demidow aus dem Uralgebiet erschloss allmählich die hiesigen Kupfer- und Silbervorkommen, bis er schließlich ein Ballungsgebiet der Bergbauindustrie schuf. Über seine Erfolge begeistert, entsandte Zarin Jelisaweta Petrowna eine Sonderkommission in den Altai. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts stand der Altai bei der Silbergewinnung bereits an erster Stelle in Russland, an zweiter Stelle bei der Kupfer- und an dritter Stelle bei der Goldgewinnung. Somit hatte sich der Altai zur zweitgrößten Industrieregion im Osten des Landes (nach dem Uralgebiet) entwickelt.

Der Altai, das Herzstück Asiens, wird oft Sibiriens Perle genannt; er vereinigt die Schönheiten des Tibet und der Alpen in sich. Das Wort Altai heißt wortwörtlich „Goldberge". Über das Territorium der Republik Altai, eines Landes von Bergen, Gletschern und Seen mit einer Gesamtfläche von 92 900 Quadratkilometern, den überaus malerischen Landschaften und einer unglaublichen Vielfalt uralter Kulturen, verläuft die Staatsgrenze der Russischen Föderation zu China, der Mongolei und zu Kasachstan. Hier schnitten sich die Wege von Nomadenstämmen während der Völkerwanderung. Archäologische Funde an den Siedlungsorten unserer Ahnen zeigen, dass Menschen diese Lande bereits vor einer Million Jahren ausgewählt hatten. Wissenschaftler haben entdeckt, dass sich die Kulturen des alten Mesopotamiens, Altägyptens und des alten Altai synchron entwickelten und dass schon damals zwischen diesen weit voneinander entfernten Ländern Kontakte bestanden.

Gegenwärtig leben im Altai Vertreter von 110 Nationalitäten; die Einwohnerzahl der Republik Altai beträgt über 200 000, davon leben über 150 000 auf dem Lande. Die Ureinwohner sind die Altaier, aber die Zahl der hier lebenden Russen ist doppelt so hoch, sie machen 63 Prozent aus. Das Altaische ist für viele turkmongolische, mandschu-tungusische und japanisch-koreanische Sprachen bestimmend, sie gehören zur Familie der altaischen Sprachen. Aber die Amtssprache ist jetzt natürlich Russisch. Die Republik Altai gehört zu den Regionen, in denen man die Kultur der Urbevölkerung, heidnische, christliche und buddhistische Sitten zugleich beobachten kann. Hier werden die Traditionen der Altaier, der russischen Altgläubigen und der Kasachen, die hier seit mehr als einem Jahrhundert geballt leben, liebevoll gepflegt. Die Zahl der archäologischen und ethnographischen Geschichts- und Kulturdenkmäler geht hier in die Zehntausende. Die Hauptstadt der Republik Altai, Gorno-Altaisk, wurde 1928 zur Stadt erhoben. Im Jahre 1830 gegründet, bestand sie jahrzehntelang als die Ortschaft Ulala.

Die größten Naturreichtümer der Republik Altai sind die gewaltigen Süßwasservorräte in den Seen und Gletschern, die dichten Kiefernwälder, Gold, Silber und andere Metalle, Relikten- und Heilpflanzen. Die Republik Altai verfügt auch über reiche hydroenergetische Ressourcen. Die größten Flüsse sind der Katun und die Bija, die bei ihrem Zusammenfluss den Ob, einen der größten Ströme Sibiriens, bilden.

Die Natur und das Klima des Altai begünstigen die Entwicklung des Tourismus von beinahe allen Arten. Hier gibt es balneologische Zentren und Sanatorien mit Heilwasser und -schlamm, die Seen und Flüsse sind fischreich, es können Bären, sibirische Edelhirsche, Elche, Füchse, Wildschweine und Auerhähne gejagt, Berge und Höhlen durchwandert, Bootsfahrten auf reißenden Flüssen erlebt oder ruhige Spazierritte genossen werden. In den letzten drei Jahren haben Touristen aus 60 Ländern den Altai besucht. Ebenso wie die Agrarproduktion gehört der Tourismus zu den zukunftsträchtigen Sektoren der örtlichen Wirtschaft. (Olga Sobolewskaja, Kommentatorin der RIA Nowosti).

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