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10-05-2005 Reisen
Russland lädt zu Jagdabenteuern ein
Mitte der 90er Jahre wurde der Film "Besonderheiten der nationalen Jagd" von Regisseur Alexander Rogoschkin ein absoluter Kassenhit.

Einzelne Filmzitate wurden zu geflügelten Worten. Sowohl die Hauptfiguren als auch die Handlung trafen den Kern der Pubilkumsseele. Der Regisseur packte das Wesentlichste: Die Jagd ist für die Russen seit eh und je ein übermütiges und wildes, aber auch ein vielseitiges Vergnügen. Dazu gehören sowohl ein Picknick mit Wodka und üppiger Tafel als auch Witze, Jägerlatein und kuriose Vorfälle. Jede Geschichte über die russische Jagd ist ein Gemisch verschiedener Genres - vom Horrorfilm über den Thriller bis hin zur Komödie.

In Russland war die Jagd stets ein Vergnügen für alle - sowohl für die Zaren und den Adel als auch für das Bauernvolk. Russische Jagdreviere werden heute von mehr als 50 Vogelarten, 43 Arten von Raubtieren, rund 20 Arten von Huftieren und zehn Arten von Nagetieren bewohnt.

Mit der Entstehung der sozialen Schicht der russischen Neureichen wurde die Jagd bei diesen zu einem modischen Zeitvertreib. Unter ihnen sind die Bären-, die Wildschwein- und die Wolfsjagd besonders populär.

Heute bieten praktisch alle Regionen Russlands interessante Jagdmöglichkeiten an. Auch der Extrem- und Abenteuertourismus steht im Angebot der Reisefirmen.

Nach Sibirien und Zentralrussland reisen ausländische Gäste zur Jagd auf Wildschweine, Elche, Wölfe, Füchse und Hasen. "Zentralrussland ist recht dicht besiedelt, aber unwegsame Wälder mit Wildtieren gibt es dennoch!", wunderten sich zwei Deutsche, denen ich im Gebiet Wladimir, nordöstlich von Moskau, begegnete. Die Trophäen kosten ab 25 US-Dollar für eine Wildente über 350 Dollar für einen Wolf und 750 Dollar für einen Elch bis zu 1500 Dollar für einen Bären. In diesem Preis sind die primäre Bearbeitung der Beute und die Jagdlizenz enthalten. Eine Standardtour dauert sieben Tage, von denen vier bis fünf für die eigentliche Jagd bestimmt sind.

Im Frühling sind Birkhahn, Auerhahn und Wildente die üblichen Jagdtrophäen in Russland. Auf Bärenjagd geht man zu dieser Jahreszeit auf der Halbinsel Kamtschatka im Fernen Osten und im Gebiet Kirow. Im Winter werden die Bären in Karelien und im Gebiet Nowgorod in ihren Höhlen überrascht. Die Saison der Hirschjagd in Zentral- und in Westrussland dauert von September bis Dezember. Der sibirische Edelhirsch und der Steinbock müssen im gleichen Zeitraum in der südsibirischen Region Altai auf der Hut sein, denn in dieser Zeit ist die Jagd auf sie gestattet.

Die Elchjagd ist in allen Regionen populär. Entsprechende Möglichkeiten bieten sowohl das Wolgaland (die Gebiete Astrachan und Jaroslawl), der Norden, der Nordwesten und der Nordosten (die Gebiete Murmansk, Nowgorod und Wladimir) sowie die Halbinsel Kamtschatka.

Besonders komfortable Bedingungen bieten die Gebiete Moskau, Wladimir und Rjasan. Dort sind für die Jäger spezielle Hütten gebaut worden - Unterkünfte sowohl der Luxus-Kategorie als auch für bescheidenere Kunden. Die Unterbringung in solchen Hütten kostet allerdings mehr als in einfachen, noch aus der Sowjetzeit stammenden Jägerlagern (eine Übernachtung kostet dort umgerechnet ab 15 Euro) oder in Zeltlagern. Dafür gibt es in den neuen, im russischen Stil erbauten Holzhütten kleine Küchen, warmes Wasser, WC und autonome Heizung, mancherorts auch Sauna und Billiard oder sogar kleine Fitnesszentren in der Nähe. Nach der Ankunft in Russland werden die Touristen unbedingt abgeholt und nach Abschluss des Besuchs auch verabschiedet.

In der nordrussischen Republik Karelien gibt es Unterbringungsmöglichkeiten am Seeufer. Die komfortablen Holzhäuser haben dort Polstermöbel und Fernseher im Wohnraum, gut eingerichtete Küchen, Duschkabinen und Saunas. Gegen gesonderte Bezahlung kann man sich auch eine Bootsfahrt auf dem See gönnen.

Die Region Achtuba an der Wolga ist bei den Jägern sowohl für ihre Schönheit und die saubere Luft als auch für den Reichtum an Fisch und Wild berühmt. Das ganze Jahr hindurch sind dort komfortable Erholungsheime geöffnet, die sowohl von Russen als auch von Ausländern gern besucht werden.

Die notwendige Ausrüstung kann man heute in jeder russischen Großstadt kaufen. Um aber die russische Jagd in ihrer ganzen Schönheit zu genießen, ist es empfehlenswert, einen russischen Einheimischen in den Wald mitzunehmen, der unter anderem auch wertvolle Kochrezepte für die Beute verraten könnte. Nur dann bietet sich das Extremvergnügen - die Jagd auf russische Art - in seiner echten nationalen Pracht. (von RIA-Nowosti-Kommentatorin Olga Sobolewskaja).

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