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29-01-2007 Reisen
Tourismuszonen in Russland
[von Alexander Jurow] Aus der Sicht der Regierung gibt es in Russland sieben Regionen, die Touristen anlocken können. Nach einer Schätzung des Ministeriums für Wirtschaftsentwicklung und Handel beträgt der Anteil der russischen Tourismusindustrie am Bruttoinlandsprodukt (BIP) nicht mehr als 1,5 Prozent und nähert sich unter Einbezug der Branchen der Zulieferindustrie fünf Prozent an.



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Zum Vergleich: In den europäischen Ländern liegt diese Kennziffer bei fünf beziehungsweise 16 Prozent. In der russischen Regierung ist man jedoch sicher, dass der Touristenstrom in das Land schon gegen 2016 von den heutigen drei Millionen Menschen auf neun Millionen zunehmen wird. Und der Anteil dieses Sektors an der Wirtschaft wird unter Einbeziehung der Branchen der Zulieferindustrie auf zehn Prozent anwachsen. Das wurde in einer der jüngsten Sitzungen des russischen Ministerkabinetts gesagt. Das heißt, der russische Tourismus wird seiner Bedeutung nach zum Beispiel mit den Leistungen des inländischen Maschinenbaus und des Hüttenwesens vergleichbar werden.

Übrigens werden sich solche spürbaren Wandlungen in der Tourismusbranche nicht über Nacht vollziehen. Aus der Sicht der Regierung gibt es in Russland sieben Regionen, die Touristen anlocken können. Das sind Burjatien, die Republik Altai, die Gebiete Irkutsk und Kaliningrad sowie die Regionen Altai, Krasnodar und Stawropol. Eben diesen Regionen steht es bevor, mit Mitteln des Staatshaushalts eine spezialisierte Infrastruktur zu schaffen, wofür über anderthalb Milliarden US-Dollar bereitgestellt werden. Die Regierung hofft, für die Entwicklung des Tourismus in diesen Regionen insgesamt über 325 Milliarden Rubel (1 US-Dollar entspricht etwa 26,6 Rubeln) anzuziehen. Im Ergebnis sollen dort moderne Touristenkomplexe entstehen.

Als Instrument für die Entwicklung des Tourismus in diesen Regionen wählte die Regierung den Mechanismus von Sonderwirtschaftszonen. Im Ministerkabinett hofft man, dass es gelingen wird, mit Hilfe eines besonderen Herangehens an die Bedingungen der Geschäftsführung zusätzliche Investitionsressourcen dafür zu mobilisieren.

Die Regierung hat die Absicht, im Altai die Besonderheiten der Landschaft weitestgehend zu nutzen. Dort gibt es reißende Gebirgsflüsse für die Freunde der extremen Wassersportarten und Abhänge, die sich für den alpinen Skisport eignen. Laut den Regierungsbeamten kann der Altai für die Liebhaber der Ausflüge zu Pferde und für den ökologischen Tourismus anziehend werden. In der Nähe - im Gebiet Irkutsk und in der Teilrepublik Burjatien, die an der Küste des Baikal, des größten Binnensees der Welt, liegen, ist geplant, alpine Skistrecken, Aquaparks und Restaurants zu bauen. Die Einwohner von Russland und Touristen aus Europa werden ganzjährig die Schönheiten dieses bisher wenig bewohnbaren Fleckchens Erde genießen können. Es ist auch geplant, dort den geschäftlichen Tourismus zu entwickeln.

Wichtig ist, dass die Regierung plant, den Tourismus in verschiedensten Teilen des Landes zu entwickeln. Unter den ausgewählten Regionen sind nicht nur der populäre Kaukasus und das Gebiet Kaliningrad, das durch sein gemäßigtes Klima anlockt. Es gibt sogar für russische Bürger exotische Orte in Süd- und Ostsibirien. Für alle für Touristen potentiell anziehenden Orte gibt es schon konkrete Business-Projekte.

Natürlich sind nicht alle Regionen, die die Regierung für die Ausarbeitung von Finanzierungschemen für die Tourismusbranche gewählt hat, in gleichem Maße aussichtsreich. Am problemlosesten sind wohl die Regionen Krasnodar und Stawropol, wo die ältesten russischen Kurorte liegen. Im Sommer fahren dorthin Hunderttausende russische Bürger auf der Suche nach einem warmen Meer und im Winter streben sie in die alpinen Skizentren. Mehr noch. Dort wirken die Balneologiezentren ganzjährig. Hier ist das Ziel der Regierung verständlich: Erhöhung des Serviceniveaus.

Aussichtsreich ist auch die Organisation einer Sondertourismuszone im Gebiet Kaliningrad. Ob aber die sibirischen Regionen für ausländische Touristen anziehend sein werden, ist schon eine andere Frage. Denn sie liegen zu weit entfernt und sind vorläufig noch unzureichend erschlossen. Wenn aber der russische Osten für die Europäer sehr weit weg ist, so kann er sich für russische Bürger im Gegenteil als sehr anziehend erweisen.

Es gibt noch einen Aspekt, der die Unternehmer beunruhigt. Der Erfolg der Entwicklung der Sondertourismuszonen in Russland wird davon abhängen, inwieweit es in der Praxis vergünstigte Bedingungen für die Geschäftsführung in diesen Orten geben wird. Natürlich sind die Sonderwirtschaftszonen für Russland nicht neu. Aber heute stellt der Staat den Organisatoren dieser Zonen von Anfang an harte Bedingungen und fordert ihre Einhaltung. Mehr noch. Die gegenwärtigen Sonderwirtschaftszonen werden nur gegen Vorlage klarer Investitionsprojekte geschaffen. Allerdings müssen die Unternehmer nach Schätzungen des Wirtschaftsministeriums in diesen Zonen wenigstens 30 Prozent der Kosten einsparen. Die notwendige Gesetzgebungsbasis besteht bereits. Es fanden sich auch Unternehmer, die bereit sind, Mittel in die Entwicklung des russischen Tourismus zu investieren. Aber vorläufig ist es unmöglich, eine eindeutige Antwort auf die Frage zu geben, ob es der Regierung gelingen wird, all ihre Vorhaben in die Tat umzusetzen. Vieles wird von den realen Bedingungen abhängen, auf die die Unternehmer in diesen Zonen stoßen werden.

Aber es sieht danach aus, dass die Beamten des Wirtschaftsministeriums voller Optimismus sind. In einer Regierungssitzung erklärte Wirtschaftsminister German Gref, dass die ergriffenen Maßnahmen erst der Anfang seien. In diesen Regionen werde das Schema der Finanzierung der Branche durchgearbeitet. Und zwei Jahre später werde eine weitere Ausschreibung organisiert und die Zahl der Sondertourismuszonen werde zunehmen. [ RIA Novosti  / russland.RU ]

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