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19-06-2007 Reisen
Eine neue Dimension des Reisens
[von Martina Wiedemann] Pünktlich zum Start in die neue Urlaubssaison lud die deutsche Firma Hymer zu einer Pressekonferenz in das Gebäude des Verbandes der deutschen Wirtschaft ein, um das 50. Firmenjubiläum zu begehen und gleichzeitig die eigenen Produkte vorzustellen. Diese sind eine Neuheit auf dem russischen Markt, denn es handelt sich um Wohnmobile und Wohnanhänger. In Europa ist der Hymer-Konzern Marktführer in seiner Branche. Er ist auch an der Börse vertreten, was eine logische Erklärung für die Ausweitung der Firmentätigkeit nach Russland ist.




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Aus einer cleveren Geschäftsidee Erwin Hymers entwickelte sich eine boomende Branche, die der Tourismusindustrie ein wertvolles Segment hinzufügte.

Nachdem nach den dürren Nachkriegsjahren die Reiselust in den Deutschen wieder erwachte und der Motorisierungsgrad im Wirtschaftswunderland BRD rapide zunahm, konnten sich die Bürger einen Wohnanhänger zulegen und mit ihrem eigenen Minihotel Deutschland und Europa erkunden, unabhängig und sehr familienfreundlich.

Inzwischen gibt es natürlich viel komfortablere Wohnanhänger und Wohnmobile, mit denen die Urlauber die Welt bereisen können. Die gesamte Haushaltstechnik in den Mobilen wird mit Batterien betrieben, die sich beim Fahren wieder aufladen. Gekocht und geheizt wird mit Gas, unter der Haube sitzt ein Dieselmotor.

Hans-Jürgen Burkert, Vorstandsmitglied des Konzerns, erläuterte in Zehnjahresschritten anschaulich die Firmengeschichte, machte die Höhepunkte der Entwicklung deutlich und gab seiner berechtigten Hoffnung auf eine kontinuierliche positive Entwicklung der Verkaufsstatistik in Russland Ausdruck. Die Firma Hymer ist seit drei Jahren auf dem russischen Markt zu finden und konnte Verkaufsunternehmen in neun russischen Städten sowie in Almaty und Kiew für sich gewinnen. Wurden 2004 insgesamt 17 Wohnmobile verkauft, so waren es 2006 schon 100 und in diesem Jahr sollen es mindestens 200 werden.

Ein Wohnmobil der Mittelklasse kostet zwischen 60 000 und 70 000 Euro. So viel hat natürlich nicht jeder Freund des Caravanings flüssig, deshalb kann man die Mobile in den Verkaufszentren (in Moskau gibt es drei Firmen, in St. Petersburg zwei) tageweise mieten. Inzwischen gibt es schon eine Fangemeinde in Russland, die diese Möglichkeiten aktiv nutzt, so dass die Mobile bis zum Ende der Saison nahezu ausgebucht sind.

Aber nicht nur Urlauber und reiselustige Privatpersonen machen von der Anmietung der Wohnmobile Gebrauch, auch Filmproduktionsfirmen, Modelagenturen und die Produzenten von Videoclips aus der Musikbranche mieten Mobile während der Dreharbeiten oder Fotoshootings an.

Natürlich dürfen wir keine Wunder hinsichtlich einer sprunghaften Entwicklung der Verkaufszahlen erwarten, denn es fehlen in Russland noch einige wichtige Voraussetzungen dafür. Ein wunder Punkt sind die schlechten und viel zu wenigen Straßen, die jedem Caravanfan das Reisen verleiden können. Ich könnte mir vorstellen, dass die Verkehrspolizisten, noch recht unerfahren mit solcherart Fahrzeugen, zur Landplage werden können. Es gibt auch kaum dafür geeignete Campingplätze mit dem entsprechenden Stromanschluss, wo man mit seinem Wohnmobil sicher übernachten kann. Eine einsame Stelle im Wald oder am Wasser kann ganz schnell unliebsame Besucher anlocken und immense Sicherheitsprobleme schaffen.

Die Marketingabteilung der Firma hat noch ein großes Stück Arbeit vor sich, Betreiber von Campingplätzen oder kleinen Familienhotels von der Notwendigkeit zu überzeugen, gesicherte Stellplätze für Wohnmobile anzulegen.

Bleibt zu hoffen, dass letztendlich die Unterstützung des Mittelstandes der Unterdrückung seitens der unverwüstlichen Bürokraten Platz macht und den Sieg davonträgt, denn es ist eine Binsenweisheit, dass ein stabiler Mittelstand das Rückgrat eines gut funktionierenden Staates ist und gesetzmäßig weniger von zur Destabilisierung führenden Strukturkrisen geschüttelt wird. Ein schweres Stück Arbeit in einer oligarchisch angelegten Wirtschaft. [ria-novosti]

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