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04-10-2007 Reisen
Nach Naturkatastrophe: Tal der Geysire auf Kamtschatka sprudelt wieder
[von Tatjana Sinizyna] Am 3. Juni wurde das berühmte Tal der Geysire (UNESCO-Weltnaturerbe) auf der Kamtschatka-Halbinsel durch eine gigantische Schlammlawine vernichtet. Damals konnten nur Wissenschaftler das Geschehene kaltblütig einschätzen.



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„Es war uns allen beschieden, Zeugen einer gewaltigen Erscheinung der Naturmetamorphose zu werden. Wie mir scheint, wird alles mit der Zeit wieder ins Gleichgewicht kommen. Die Geysire werden wieder sprudeln und die Steine wieder mit Gras und Gebüsch bewachsen sein“, sagte Dr. Jewgeni Rogoschin, Geologe von der Russischen Akademie der Wissenschaften, in einem Interview für RIA Novosti.

Die Prognose hat sich bewahrheitet: Der erste Geysir namens Bolschoi - der schönste und stärkste - lebte wieder auf. Laut Berichten aus dem Kronozki-Naturschutzgebiet, in dem das Tal der Geysire liegt, schoss die erste Wasserfontäne am 19. September hoch, nachdem er die Wasserdichte eines durch die Katastrophe entstandenen Sees durchbrochen hatte. Jetzt hat der Geysir seine ursprüngliche Kraft wieder voll erlangt.

Wie die Direktorin des Naturschutzgebietes, Olga Dachno, mitteilte, bleiben die anderen neun Geysire, die vom See bedeckt wurden, weiterhin unter Wasser. Olga Dachno zufolge wäre es verfrüht, darüber zu reden, ob die Geysire wieder aufleben werden. Dennoch gibt die Rückkehr des Bolschoi-Geysirs zweifellos Anlass zu einem gewissen Optimismus und berechtigt zu der Hoffnung, dass das wunderschöne Bild, das das Geysirtal früher geboten hatte, wiederhergestellt wird.

Die Landschaft wird selbstverständlich neu sein. „Dahinter steckt kein Geheimnis, alles ist völlig klar: Es laufen Prozesse, die mit der permanenten Evolution des Erdreliefs verbunden sind“, meinte Jewgeni Rogoschin. „Es bilden sich Abhänge und sie werden immer steiler und sich in Lawinen und Rutschmassen verwandeln. Das Relief in diesem Gebiet von Kamtschatka ist deutlich durcheinander geraten: steile Abhänge, vielschichtige, mitunter lockere, Gebilde vulkanischer Herkunft. Wegen der Verwässerung eines Abhanges entstand eine riesige labile Gesteinsmasse. Dadurch bildete sich ein Erdrutsch, der sich in eine Schlamm- und Steinlawine verwandelte und in das Geysirtal hereinbrach.“

Die Mure bedeckte das Tal zu zwei Dritteln und sperrte dem Geysernaja-Fluss den Weg ab, wodurch ein See entstand. Wie der wieder aufgelebte Geysir die Wasserdichte durchbrochen hat, so wird auch der vom See „verschluckte“ Geysernaja-Fluss mit der Zeit seine natürliche Bahn finden, meinen die Wissenschaftler.

Die Geysire sind eine der Erscheinungsformen der Vulkantätigkeit. In Russland gibt es relativ wenig Geysire, aber fast alle davon sind auf Kamtschatka und auf den Kurilen konzentriert. Viele der Vulkane sind tätig und werden jetzt zunehmend aktiv - spucken Dampf und Asche. Aus manchen Vulkanen tritt Lava aus. All das sind gewaltige Naturprozesse, die auf das Verhältnis von zwei irdischen Elementen - Ozean und Festland - zurückgehen.

Es wäre nicht ganz korrekt, von einem Niedergang des Geysirtals zu sprechen, denn es hat nur aufgehört, in einer für uns gewohnten Form zu existieren. Seine Schönheit ist nicht verlorengegangen - es ist bloß eine andere Schönheit der mächtigen Natur geworden. [ria-novosti]

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