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21-04-2004 Reisen
Tourismusmarkt in Russland; Regionen immer aktiver
Diving in eisigem Wasser, Weltraumtourismus, Rentier-Safary in der Tundra oder ein „Military"-Urlaub (mit Panzerfahren und Jagdbomber-Fliegen) - das sind nicht mehr die exotischsten Reisetouren, die Russland heute anzubieten hat. Jetzt können gut betuchte ausländische Touristen auch „aus dem Blechnapf fressen" und in Gefängnissen „absteigen"!

Der Reisemarkt des Landes wächst ständig und bietet immer neue Produkte an. 2003 stieg der Zustrom ausländischer Touristen laut Schätzungen von Reisefirmen um zehn bis 15 Prozent an. Nach einer Prognosse der Welttourismusorganisation könnte Russland schon bald zu den Top Ten der meist besuchten Länder aufsteigen.

„Nicht nur Russlands Hauptstadt verändert sich radikal und wird für die Reisenden immer interessanter", meint Sergej Schpilko, Präsident des Russischen Verbandes der Reiseindustrie. „Die Provinz ist sich ebenfalls der Einträglichkeit des Tourismus bewusst geworden und bemüht sich nun, zu beweisen, dass sie ebenfalls die Aufmerksamkeit von Ausländern verdient. Denkmäler der Geschichte und Kultur werden restauriert, neue Museen eröffnet und alte der heutigen Epoche angepasst." Die Regionen setzen auch auf die ethnographische Exotik. „Hier hat man was zu bieten: alte Festungen, Felszeichnungen, sibirische Schamane, Steinmetze in Chakassien und Beinschnitzer in Tschukotka", führt Schpilko weiter aus. „Natürlich müssen es aber nicht nur exklusive Kultur- und Informationsprogramme sein, die für Ausländer attraktiv sind." Die geographische Lage Russlands garantiert dem Land starke Trümpfe als Reiseziel: Was das Klima und die Landschaft anbelangt, kann es eben beliebigen Ansprüchen gerecht sein. „Das Land hat gigantische Möglichkeiten: Es gibt immer noch genügend weiße Flecken, die für Touristen besonders verlockend sind", sagt Sergej Schpilko. „Dazu gehören der russische Norden, die Altai-Region, die Halbinsel Kamtschatka, die Republiken Jakutien, Chakassien und Tuwa - all die Regionen sind von Touristen kaum erschlossen." Die verschiedenen Regionen legen Schwerpunkt auf unterschiedliche Arten des Tourismus. So bietet Jakutien, dessen Territorium zu zwei Dritteln aus Naturparks besteht, Sportjagd und Angeln sowie den einmaligen ornithologischen Tourismus an. Angeboten werden Schifffahrten auf dem Fluss Lena sowie Reiserouten durch Diamantenlagerstätten dieser Region, bei denen man auch hochreine Edelsteine kaufen kann.

Die Region Krasnodar im Süden Russlands bietet den Touristen Urlaub am Strand, aber auch im Gebirge, inklusive Diving, Windsurfing, Snowboard, Bergsteigen und speläologische Erkundungswanderungen. Im populären Ort für den alpinen Skisport Krasnaja Poljana verbringt auch der russische Präsident, Wladimir Putin, ein begeisterter Skifahrer, gern seinen Urlaub.

Bei staatlicher Unterstützung könnte Russland auch was eine medizinische Behandlung in Sanatorien und Kurorten anbelangt einen der führenden Plätze in der Welt einnehmen.

Nach Angaben der Grenzschutzbehörde haben rund 3,152 Millionen ausländische Touristen im vergangenen Jahr Russland besucht, davon 289 000 Deutsche, 126 000 Amerikaner, 118 000 Franzosen, 114 000 Italiener und 91 000 Briten. 2002 waren es jeweils 287 000, 110 000, 80 000, 102 000 und 67 000 gewesen. Das Wachstum liegt damit auf der Hand.

Zugleich besteht eine laut unterschiedlichen Schätzungen zu 30 bis 50 Prozent nicht gedeckte Nachfrage nach Reisen in die Städte und Regionen, die ausländischen Touristen bereits seit der Sowjetzeit gezeigt werden: Moskau, Petersburg, der Goldene Ring (Sergijew Possad, Rostow, Jaroslawl und Wladimir), das Wolgaland und der russische Norden und Nordwesten mit der Insel Walaam und den Städten Archangelsk, Wologda, Nowgorod und Pskow.

„In erster Linie können wir die Nachfrage wegen des Mangels an Hotelplätzen nicht in vollem Maße befriedigen", stellt Sergej Schpilko fest. „Zwar sind jetzt in Moskau und Petersburg sowie in den Gebietszentren wie auch in Städten, die früher von Touristen kaum besucht wurden, Hotels der Business-Klasse gebaut worden. Es gibt auch immer mehr kleine Hotels. Für die Befriedigung einer Massennachfrage reicht das aber nicht. In Russland mangelt es weiterhin an Zwei- und Drei-Sterne-Hotels, die die Möglichkeit bieten würden, stabile Touristenströme herzustellen." Der Staat will nun die Entwicklung des Hotelnetzes stimulieren und studiert heute Erfahrungen Spaniens, Frankreichs und Österreichs, wo es nationale Hotelkomplexe auf der Basis der historischen Bausubstanz gibt. Dies ist eine Variante, die Russland durchaus passt, denn an Denkmälern mangelt es nicht. Die erforderlichen Investitionen würden sich schnell rentieren: Nach Angaben des Ministeriums für Wirtschaftsentwicklung und Handel gibt ein Durchschnittstourist während eines sechseinhalbtägigen Aufenthalts in Russland rund 1 300 Euro aus.

Außerdem müsste Russland „mit den Industrieländern eine Parität hinsichtlich der Bedingungen für die Visa-Ausstellung finden", sagt der Präsident des Verbandes der Reiseindustrie. „Vorerst ist das in diesem Bereich geltende Regime unbegründet kompliziert, es gibt auch keine Parität bei den Visa-Gebühren. Ein russisches Expressvisum kostet mehrere hundert Dollar." „Wahrscheinlich sollte man auch nach dem Beispiel Chinas, Japans und Südkoreas eine einseitige Liberalisierung der Visaregelungen beschließen", fügt er hinzu.

Dem Ansehen Russlands als Reiseziel schaden auch Transportprobleme. Wie eine von der Russischen Statistikbehörde vorgenommene Umfrage unter ausländischen Touristen ergab, haben mehr als 30 Prozent der Befragten auf die Notwendigkeit der Entwicklung der Transport-Komponente verwiesen. „Bemerkenswerterweise haben nur sechs Prozent mehr Sicherheit, acht Prozent eine bessere Verpflegung und sieben Prozent eine vielseitigere Unterhaltung gewünscht", so Schpilko. „In all diesen Bereichen, insbesondere was das Gaststättenwesen anbelangt, hat es ernsthafte Fortschritte gegeben. Angesichts der hohen Nachfrage nach Binnen- und Seeschiffsreisen ist der Mangel an Reiseschiffen offensichtlich. Bei weitem nicht immer kann man ungehindert Häfen anlaufen - beispielsweise im Fernen Osten. Es mangelt auch an Hubschraubern. Die Tarife für die Inlandsflüge sind zu hoch. Auch der Park der Reisebusse muss erneuert werden." Im Rahmen einer „Konzeption für die Entwicklung des Tourismus in der Russischen Föderation bis 2005" hat das Land eine intensive Werbung für seine Reisekapazitäten im Ausland gestartet, stellt das Ministerium für Wirtschaftsentwicklung und Handel fest. Es wurden Videos über russische Regionen gedreht sowie Werbehefte, Reiseführer und Nachschlagewerke in Fremdsprachen veröffentlicht. In ausländischen Medien sind Veröffentlichungen zu diesem Thema erschienen. Russland nimmt an internationalen Tourismusausstellungen in Großbritannien, Deutschland, Italien, Spanien, Schweden, Finnland und der Schweiz teil. April (von Olga Sobolewskaja, Kommentatorin der RIA „Nowosti")

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