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03-07-2008 Reisen
Am goldenen Fluß entlang
Eine Reise in das Zerafschantal „Das ist alles selbstgemacht“ sagt Sarvar Hodschamov stolz. Auf dem Tisch liegen Brot, auf verschiedenen Tellern Trauben, Nüsse, Quark und in der Mitte steht ein Glas Maulbeersirup und Honig. Sarvars Frau Muhaijo bringt frischen Tee, zubereitet aus den Kräutern der Berge des Schingtals. „Sching“ kommt aus der sogdischen Sprache und bedeutet „grüner Garten“.

Der grüne Garten schlängelt sich entlang des Flusses das Tal hinunter, das Sarvar so gut kennt. Er ist hier geboren, hat dann in Duschanbe Pharmazie studiert und kennt sich nun aus mit den Kräutern und Pflanzen seiner Heimat. Er sammelt und verwendet sie und trägt sein Wissen weiter. Zum Beispiel an Touristen. Als Tourist kann man in seinem Haus übernachten.

Für neue sanitäre Einrichtungen hat er von der Organisation ASDP NAU und der Deutschen Welthungerhilfe innerhalb eines Projektes in Kooperation mit dem Deutschen Entwicklungsdienst zum Ausbau des Community Based Tourism finanzielle Unterstützung erhalten. Nur etwa 50 Kilometer von Pendschikent entfernt befindet sich das Dorf und etwas oberhalb beginnt die bekannte Seenkette der Sieben Seen. Jeder See mit seinem eigenen Namen, seiner eigenen Geschichte und seiner eigenen Farbe. Sarvar lädt zu Exkursionen ein, Erkundungen der Pflanzenwelt, Wanderungen in die umliegenden Täler oder zu den Seen und er zeigt den Touristen, wie man Honig herstellt. Vor seinem Haus stehen einige blaue Bienenkästen, vom Taptschan aus kann man das rege Treiben aus einiger Entfernung und bei einer Schale Tee beobachten. Es ist ruhig und kühl in Sching und gerade im heißen Sommer herrscht dort ein angenehmes Klima. Für die Touristen hat die Familie Hodschamov eigens einen Raum eingerichtet, in dem man für etwa neun Dollar übernachten kann. Selbstverständlich mit einem leckeren Frühstück aus den selbsthergestellten Lebensmitteln und aus Obst und Früchten der Region. „Ich freue mich darauf, mit den Gästen zu reden und auch etwas von ihrer Kultur zu lernen“, sagt Sarvar und lacht. Zum Abschied steht seine Frau Muhaijo dankend in der Tür.

Einige Kilometer weiter und einige Meter höher liegt das Dörfchen Padrud. Auch hier kann man in einem Gästehaus unterkommen und die frische Luft und den rauschenden Fluss genießen. Warm wird man empfangen bei Familie Boturov, deren Haus direkt am Fluss steht. Auch hier gibt es einen liebevoll gestalten Raum zum Übernachten. „Ich liebe meinen Beruf“, sagt Sohira Boturova. Sie ist eigentlich Krankenschwester und Hebamme und versorgt gemeinsam mit ihrem Vater Padrud und die umliegenden Dörfer an den Sieben Seen.

Ihr kleines Einkommen versucht die Familie nun mit dem Gästehaus ein wenig aufzubessern. Aus Deutschland, England, Spanien, Russland und natürlich aus Tadschikistan sind schon Besucher nach Padrud gekommen. Sohiras Mann Tujtschi verfügt über jahrelange Erfahrung mit Touristen. Als Bergführer und Fahrer. Er kennt die schönsten Plätze, die ruhigsten Seitentäler und den schönsten Blick auf die Seen und zeigt diese gerne seinen Gästen.

Info Zerafschantal:
Zerafshan bedeutet „goldener/goldtragender“ Fluss, er ist die Lebensader des Tales in dem früher und heute noch Gold abgebaut wird. Das Zerafschantal liegt im Nordwesten von Tadschikistan und ist bekannt durch seine roten Berge, durch die Alaudinseen und den Iskandarkul und durch seine Stadt Pendschikent. „Pompeji von Zentralasien“, sagt man über die Stadt an der ehemaligen Seidenstraße. 15 Kilometer von ihr entfernt liegen die Ausgrabungsstätten der früheren Stadt Zarasm. Und noch eine Besonderheit kann man im Zerafschantal beobachten. Im Jagnobtal fi ndet man einige Dörfer, in der bis heute die sogdische Sprache gesprochen wird. Eine Sprache, einzigartig auf der ganzen Welt.

Der Deutsche Entwicklungsdienst, die Deutsche Welthungerhilfe und die örtliche NGO ASDP Nau ünterstützen Familien beim Ausbau von Gästehäusern und leisten fachliche Beratung in der gesamten Region. Nicht nur in Sching und Padrud sind Gäste herzlich willkommen. Sondern auch am Iskanderkul, an den Alaudinseen und im Jagnobtal gibt es günstige Übernachtungsmöglichkeiten für Touristen, die mit ihrem Urlaub gleichzeitig die ländliche Bevölkerung unterstützen.

Weitere Informationen über die Gästehäuser und die Reisemöglichkeiten in das Zerafschantal gibt es im Tourismuszentrum in Pendschikent:
Ul. H. Scherozi 47, Pendschikent, Tadschikistan.
Tel: +992 3475 563 39
Email: tic_panjakent@yahoo.com
www.ztda-tourism.tj
Text : Sonja Bill (DED, http://zentralasien.ded.de)
Text und Bilder : Sonja Bill (DED, http://zentralasien.ded.de)
Bild 1: Zerafschantal,
Bild 2: Muhaijo in Sching sagt auf Wiedersehen,
Bild 3: Der Erste der Sieben Seen Midschgon (Wimper),
Bild 4: Sohira reicht frischgebackenes Brot,
Bild 5: Rote Berge im Zerafschantal,
Bild 6: Herzlich Willkommen in Padrud. Sohira mit ihrer Tochter,
Bild 7: Iskandarkul.





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